FeedHerzbeutelentzündung (Pericarditis)
HeilkundeBrockhaus 1882

Herzbeutelentzündung (Pericarditis), die Entzündung des Herzbeutels, tritt nur sehr selten als selbständige Erkrankung bei vordem gesunden Menschen, häufiger im Verlaufe des akuten Gelenkrheumatismus, der Brightschen Nierenkrankheit, der Lungentuberkulose, des Kindbettfiebers, sowie als Komplikation chronischer Herz⸗ und Aortenkrankheiten auf und ist gewöhnlich mit einem mehr oder minder reichlichen Erguß einer wässerigen oder wässerig-eiterigen Flüssigkeit in die Höhle des Herzbeutels verbunden; dazu sind der seröse überzug des Herzens und die Innenfläche des Herzbeutels in der Regel mit einer dickern oder dünnern Schicht von ausgeschwitztem Faserstoff überzogen. Die Symptome der Krankheit bestehen meist in bald dumpfen, bald heftigen Schmerzen in der Herzgegend, Fieber, beschleunigter Pulsfrequenz, Herzklopfen, Angstgefühlen, Schweratmigkeit und ähnlichen Zeichen gestörter Herzthätigkeit, bieten aber an sich so wenig Charakteristisches dar, daß man aus ihnen allein niemals die Krankheit mit Sicherheit erkennen kann; hierzu ist eine genaue physik. Untersuchung der Herzgegend ganz unerläßlich. Verlauf, Dauer und Ausgang der Krankheit sind sehr verschieden. Während in günstigen Fällen das ausgeschwitzte Exsudat zumlich rasch, binnen ein bis zwei Wochen, wieder aufgesaugt wird und vollständige Genesung eintritt, kommt es in andern zu einer teilweisen oder gänzlichen Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzen, durch welche mannigfache Beschwerden zurückbleiben; bei ungünstigem Verlauf kann die H. schnell, oft binnen wenigen Tagen, durch 1 und Lungenlähmung zum Tode führen. Die Behandlung besteht in absoluter Bettruhe, strenger entzündungswidriger Diät, in örtlichen Blutentziehungen und Hautreizen, in der Anwendung von Eisbeuteln auf die Herzgegend und milden Abführmitteln; die Wiederaufsaugung der ausgeschwitzten Flüssigkeit sucht man durch harn-⸗ und schweißtreibende Mittel zu befördern. Bei drohender Herzschwäche sind Reizmittel (Ather, Kampfer, Wein) nicht zu entbehren; bei sehr reichlichem Exsudat und dadurch bedingter hochgradiger Atemnot verschafft die künstliche Entleerung desselben durch Punktion des Herzbeutels vermittelst des Troikars meist schnelle, wenn auch nur vorübergehende Erleichterung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 169Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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