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ReligionBrockhaus 1882

Hora canonica (Hora regularis) oder bloß Hora, die Stunde, heißt in der kath. Kirche die vorgeschriebene Gebetsstunde. Die erste Christen⸗ „gemeinde (Apostelgesch. 2, 15. 46; 3, 1; 10, 9) behielt aus dem Judentum die Beobachtung dreier Gebetszeiten bei, der dritten, sechsten und neunten, Uhr vormittags, 12 Uhr mittags, 3 Uhr nachmittags. Diese Sitte war nach Nche rissen der Kirchenväter auch in der alten Kirche allgemein verbreitet. In den Klöstern fügte man noch die [Gebete um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang (6 Uhr morgens, 6 Uhr abends) und zur Mitternacht (Apostelgesch. 16, 25) hinzu, wie schon Hieronymus bezeugt. Benedikt schaltete noch das Completorium (9 Uhr abends) ein. Damit war die gewöhnliche Zahl von sieben Gebetszeiten voll. Bisweilen tritt noch eine achte hinzu, um 3 Uhr morgens, sodaß der ganze Tag in achtmal drei Stunden geteilt ist. Verpflichtet zum regelmäßigen Gebet sind außer den Mönchen und Nonnen alle Kleriker vom Subdiakonus aufwärts, doch werden meistens mehrere Gebete zusammengefaßt, besonders dasjenige um Mitternacht am Abend vorher, das Frühgebet um Sonnenaufgang gesprochen. Die verschiedenen Zeiten, resp. die Gebete selbst heißen: 1) die Mette (um Mitternacht), 2) die Matutina oder Laudes (3 Uhr früh), 3) die Prime (erste Stunde), 4) die Terz (dritte Stunde), 5) die Sexte (sechste Stunde), 6) die None (neunte Stunde), 7) die Vesper, 8) das Completorium. Die vorgeschriebenen Gebete wurden anfangs aus den Psalmen genommen, dann aber durch Abschnitte aus dem Alten und Neuen Testament, durch Legenden der Heiligen, sowie Gebete und Hymnen der Kirchenväter vermehrt. Sie bilden zusammen das Brevier (s. d.). Die in klösterlicher Gemeinschaft lebenden Ordensglieder und Geistlichen verrichten diese Gebete gemeinsam, sie laut und feierlich recitierend, woher der Ausdruck Horasingen, während demjenigen, welcher sie allein beten muß, ein stilles Lesen oder leises Sprechen gestattet ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 392Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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