FeedHull oder Kingston upon Hull
ErdkundeBrockhaus 1882

Hull oder Kingston upon Hull, ehemals Wyke oder Mytonwyke upon Hull, Municipalstadt und Parlamentsborough, einer der wichtigsten Seehäfen Englands, im Ost-Riding der Grafschaft Vork, links an der Mündung des Hull in den Humber, 37 km vom Meere, liegt in flacher Gegend und wird durch Eindeichungen geschützt. Das flache Land unterhalb H. ist die durch ihr Hornvieh und ihre Erosionen an der Küste berühmte Landschaft Hol derneß. Der älteste Teil der Stadt zieht sich westlich der Mündung des Hull hin und ist im W. von dem Alten Dock (von 1778), dem Junction⸗, Eisenbahn⸗ und Humberdock, im N. von dem Queensdock eingeschlossen. Außerhalb dieser fünf (14 ha umfassenden) Docks liegt der neuere Stadtteil, im O. des Hull die den Hafen und Fluß beherrschende Citadelle mit Kasernen und Militärmagazinen, bei den neuen Victoriadocks, und die Vorstadt Witham, die mit der Altstadt durch eine Brücke verbunden. Die Altstadt, eng, unregelmäßig und schlecht gebaut, ist der Sitz des Handels, während die Neustadt, besonders das Quartier Myton, mit ihren prächtigen Straßen, den Quais am Humber, den zahlreichen Hotels und schönen Gebäuden den Luxus Antasirhe Unter den 28 Kirchen ist die Dreifaltigkeitskirche, seit 1312, aus Backsteinen erbaut, ein schönes Denkmal mittelalterlicher Kunst. Bedeutende öffentliche Gebäude sind das Stadthaus, der Gerichtshof, die Börse, die 1856 eröffnete Kornbörse, das Zollhaus, die Post. H. besitzt ein Zuchthaus, eine Irrenanstalt, ein Krankenhaus, zwei Versorgungsanstalten, nämlich das Charter⸗ und das 1369 gestiftete Trinity-Hospital, letzteres für Seeleute und deren Witwen, öffentliche Bäder, eine Pilotenschule, eine Lateinische und eine Medizinische Schule, ein Museum, gelehrte Gesellschaften, einen botan. und einen zoolog. Garten mit großer Musikhalle, die Reiterstatue Wilhelms III. auf dem Markte, eine Säule zum Andenken des 1759 hier geborenen Wilberforce, mehrere Musikvereine, zwei Theater u. s. w. Die Stadt zählte 1801 erst 22 161, 1881 bereits 154 240 E. und schickt zwei Abgeordnete in das Parlament. Die Industrie ist besonders thätig in Schiffbau auf ausgedehnten Werften, Maschinenwerkstätten, Fabrikation von Baumwoll⸗ und Leinenwaren, Tauen und Segeltuch, Bleiweißfabriken, Chemikalien und Topfwaren, in Unterhaltung von Ketten⸗ und Ankerschmieden, Korn⸗ Knochen⸗, Ol-und Sägemühlen, Seifensiedereien, Brauereien, Zuckerraffinerien und Gerbereien. Im Handel nimmt H. nach London und Liverpool den ersten Rang ein und ist der Haupthafen der Nordseeküste Englands. Während der Binnenverkehr durch Kanal⸗, Fluß⸗ und Eisenbahnverbindungen mit allen wichtigen Fabrik⸗ und Handelsplätzen Großbritanniens gefördert wird, sindet namentlich durch die Hull-Steam-Packet-Company eine regelmäßige Dampfschiffverbindung mit Dundee, Edindurgh, Neweastle, Nork und London, mit Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen, Dünkirchen, mit Bergen, Christiania und Gothenburg, mit Hamburg, Bremen und über Kopenhagen mit Stettin, Königsberg und Petersburg statt. Auch befindet sich hier eine Filiale der londoner Bank. Der Hauptverkehr ist der mit den Ostseeländern und Hamburg. H. wurde von Eduard I. 1296 gekauft und 10τ und erhielt den Namen Kingston. Heinrich VI. gab ihm Stadtrecht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 449Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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