Honfleur, lebhafte Seestadt im franz. Depart. Calvados, in der Normandie, südlich an der Seinemündung, gegenüber von Harfleur (s. d.), und durch eine Zweigbahn nach dem 15 km entfernten Pont l'Evéque mit der Französischen Westbahn verbunden, in schöner Umgebung am Ausgange eines Thals gelegen, zählt (1876) 9425 E. und hat ein Kommunal-Colleége, eine öffentliche Bibliothek, ein Handelsgericht undeine Handelskammer, eine Börse, eine öffentliche Warenniederlage und einen Hafen, der aus drei Bassins, von 4ha zusammen, einem großen Vorhafen von 4 ha und seit 1881 einem Bassin de Reteune von 58 ha zur Verhütung der Versandung besteht und durch zwei Dämme geschützt wird. Die an den Hafen fioßenden Straßen sind eng und schmutzig, die meisten öffentlichen Gebäude auffallend durch ihre alte bizarre Architektur, namentlich der Holzbau der eigentümlichen Katharinenkirche aus dem 15. Jahrh. Die neuern Stadtteile zeichnen sich jedoch durch Freundlichkeit aus. Außer dem Seehandel beschäftigt man sich mit Schiffbau, Eisengießerei und dem Anbau von Melonen. Eingeführt wird uhlchnn nordisches Holz; die Ausfuhr, hauptsächlich nach England, besteht in Früchten, Gemüsen, Geflügel, Butter, Eiern, Vieh, Getreide; es empfängt Eisen und Steinkohlen. Die jährliche Hafenbewegung beläuft sich auf 60000 t. Auch besitzt die Stadt Seebäder. — H. war einst einer der festesten Plätze der Normandie und trieb besonders starken Handel nach Spanien. Die Erbauung und das Aufstreben von Havre vernichtete diese Blüte. Die Stadt wurde 1440 von Karl VII. den Engländern entrissen. Gegen Ende des 16. Jahrh. nahmen die Liguisten dieselbe und gaben sie erst 1594 wieder heraus. Unter allen Städten der Normandie ergab sie sich zuletzt an Heinrich IV.