FeedIrving (Washington)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Irving (Washington), einer der geistreichsten und beliebtesten amerik. Schriftsteller, geb. 3. April 1783 zu Neuyork, studierte daselbst seit w1800 die Rechtswissenschaft im Columbia-College und unternahm dann, von der Schwindsucht bedroht, eine zweijährige Reise durch Europa, von der er genesen wieder zurückkehrte. Er machte sich zuerst bekannt durch Letters of Jonathan Oldstyles in dem von seinem Bruder zu Neuyork herausgegebenen Morning Chroniclen, die später gesammelt wurden (deutsch von Spiker, Berl. 1824), und durch die gundiv (1807—8). Hierauf schrieb er seine launige History of New Vork by Diedrich Knickerbockero (Neuyork 1809). Er gab jetzt den Gedanken auf, Sachwalter zu werden, und trat mit seinen Brüdern in Handelsverbindung. Als diese durch den Krieg mit England 1812 unterbrochen wurde, diente er als Adjutant des neuyorker Gouverneurs Tompkins. Nach dem Frieden trat er in sein kaufmännisches Geschäft zurück. Auf einer Geschäftsreise in England 1815 sammelte er Stoff zu Schilderungen des eine duuman Lebens der Engländer, die er, als seine kaufmännische Laufbahn mit dem Verlust seines Vermögens geendigt, in seinem Sketch-book of Geoflrex Crayonv (2 Bde., Lond. 1820) veröffentlichte. Sie wurden mit allgemeinem Beifall aufgenommen; ebenso „Brace-bridge-Hall, or the humorists (2 Bde., Lond. 1823). Im Sommer 1822 besuchte J. die Rheingegenden, lebte dann einige Zeit in Paris und 1824 wieder in England, wo er seine Tales of a travellero (2 Bde., Lond. 1824) erscheinen ließ. Nachdem er unmittelbar darauf Südfrankreich bereist hatte, ging er 1825 nach Spanien, wo er während eines vierjährigen Aufenthalts die auf die Geschichte der Entdeckung Amerikas sich beziehenden Schriften und Manuskripte im Escorial durchforschte. Die erste Frucht dieser Studien war seine „History of the life and voyages of Christopher Columbuso (4 Bde., 1828—30), die er in den Voyages and discoveries of the companions of Columbuso (Lond. 1831) ergänzte. Span. Chroniken und die Handschriften des Antonio Agapida gaben ihm dann den Stoff zur „Chronicle of the conquest oεt Granada (2 Bde., Lond. 1829). Nach seiner Rückkehr aus Spanien wurde er Sekretär bei der amerik. Gesandtschaft in London, wo er sein Buch Alhambray (2 Bde., Lond. 1832) schrieb. Im Mai 1832 kehrte er 3R Amerika zurück, bereiste die westl. Staaten des Mississippi und lebte dann in Washington, bis er 1841 die Gesandtenstelle am madrider Hofe erhielt. Inzwischen erschienen von ihm «Miscellanieso (3 Bde., Lond. 1835—36), enthaltend: A tour on the prairieso und „Abbotsford and Newstead-Abbeyv, Astoria (Lond. 1836) und „Adventures of Captain Bonnevilles (3 Bde., Lond. 1837). Außerdem veröffentlichte er 1839 und 1840 im Knickerbocker's Magazines eine Reihe von Artikeln in der Manier des Sketch-booko, die (1855) unter dem Titel »Wolfert's Roosto gesammelt wurden. In Madrid, wo er bis 1846 lebte, setzte er seine histor. Untersuchungen fort, deren Resultate er in seiner Mistory oft Mahomet and his successorso (2 Bde., Lond. 1850) niederlegte. Einen noch größern Leserkreis fand Oliver Goldsmith, a biographys (Lond. 1849; deutsch, Berl. 1858). Den Abschluß seiner langjährigen litterarischen Thätigkeit bildete The life of George Washingtone (6 Bde., Neuyork 1855—59; deutsch, 5 Bde., Lpz. 1856—59). J. starb 28. Nov. 1859 auf seinem nahe bei Tarrytown am Hudson gelegenen Landsitze Sunnyside. Eine Auswahl aus seinen Schriften, illustriert von H. Ritter und W. Camphausen, erschien englisch und deutsch 1856 zu Leipzig. Vgl. Pierre Irving, «Life and letters of Washington Irvingo (5 Bde., Lond. 1861—67). Derselbe veröffentlichte auch J.s &Spanish papers and other miscellanieso (3 Bde., Neuyork 1866). Eine treffliche Biographie ist Launs Washington J. Ein Lebens⸗ und Charakterbilde (2 Bde., Berl. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 675Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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