Herzog Ernst, Dichtung des 12. Jahrh., von einem rhein. (mittelfränkischen) Dichter zwischen 1173—80 verfaßt. Sie behandelt die Geschichte und Sage von Herzog Ernst II. von Schwaben, der im Aufstand gegen seinen Stiefvater Konrad II. 1030 fiel, in Verschmelzung mit der Geschichte Liutolfs, der sich gegen seinen Vater Otto I. empörte. Der erste auf histor. Grundlage ruhende Teil erzählt die Kämpfe Ernsts gegen Otto, der zweite rein sagenhafte seine wunderbaren Abenteuer im Orient. Hier hat der Dichter eine lat. Quelle benutzt, wie er selbst angibt. Das ursprüngliche Gedicht ist zwar in Bruchstücken erhalten; vollständig in zwei Bearbeitungen, die eine an der Grenze des 12. und 13. 4 — die andere in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. verfaßt (etztere herausg. durch von der Hagen und Büsching in „Deutsche Gedichte des Mittelalterso, Berl. 1808). Außerdem beruht auf ihm eine lat. Dichtung von Odo, vom Anfang des 13. Jahrh. (gedruckt in Martenes «Thesaurus Anecdotorumo, Bd. 3), sowie eine lat. Prosa (in Haupts SZeitschrift für deutsches Altertume, Bd. 7), aus welcher das deutsche Volksbuch des 15. Jahrh. hervorging. Freier behandelt den Stoff ein strophisches Gedicht im Herzog Ernst-Ton oder «der Bernerweises, vom Anfang des 14. Jahrh. (gedruckt in Haupts KZeitschrifto, Bd. 8), von welchem das DDresdener Heldenbuche einen Auszug enthält (in von der Hagen und Primissers „Heldenbucho, Berl. 1820). über die Sage handelt Uhland in seiner Inauguralredes (gedruckt in seinen Schriften zur «Geschichte der Dichtung und Sagev, Bd. 5, Stuttg. 1870); über die Sage und alle ihre Bearbeitungen Bartsch in seiner Ausgabe der alten Gedichte, der ältesten Bearbeitung und des Volksbuchso (Wien 1869).