Jute, auch Dschut, Judhanf oder nach englischen Günny genannt, ist die Bastfaser zu der Familie der Tiliaceen angehörenden Pflat zämlich Corchorus capsularis und C. olito velche aus Ostindien stammen, jetzt aber auch der Insel Mauritius, in Algier, Fra nzösisch-Gua und andern Orten angebaut werden. Die be Jutepflanze zwischen dem Bast und dem Stengel liegende Spinnfaser wird gewonnen, indem die Pflanzen einem Röstprozeß unterworfen werden (ähnlich wie er bei uns zur Gewinnung der Flachs⸗ und Hanffasern angewendet wird), um den Bast von den aaelzu und diese von dem holzigen Stengel zu trennen. Der Faserstoff erfährt keine weitere Zubereitung, als daß er einigemal durch Wasser gezogen und alsdann getrocknet wird, worauf er direkt zur Verpackung und zum Versand bereit ist. Die Verarbeitung der Jutefaser zu Gespinst findet nach zwei Methoden statt. Nach dem ersten, nur in England gebräuchlichen Verfahren werden die Jutefasern zunächst in 760 mm lange Risten zerschnitten oder zerrissen und darauf wie Flachs verarbeitet; man nennt das so erzeugte Garn «ge-Bei der zweiten, in Deutschland und Osterreich ausschließlich üblichen Methode wird die zuvor in kurze Fasern zerrissene J. zunäck Karden verarbeitet. Das von denselben erh endlose Band wird dann auf Streckmaschin streckt, doubliert und auf Vorspinnmaschiner gesponnen, worauf das Feinspinnen auf T spinnmaschinen — dieses Verfahren das im Handel «kardiertes Garn» oder 05 Tow-Garno genannte Gespinst. Beide Methoden erfordern vor der eiger Verarbeitung noch eine Vorbereitung der durch einen Einweichprozeß, darauf fol Quetschprozeß und zuweilen durch einen S prozeß. Das Einweichen der Jutefasern erfolg schichtenweises Lagern derselben und Besi mit Wasser und Robbenthran oder Peti Hierauf hat der Quetschprozeß statt ufinde welchem das eingeweichte Material wij chen ei geriffelten und stark zusammengepreßten einem wiederholten, kräftigen, stumpfen 7 druck ausgesetzt wird. Jutesorten, die keine Wurzelenden haben, und solche, die zu mittl ordinären Garnsorten bestimmt sind, könn dem Quetschen direkt auf den Karden wei arbeitet werden. du bessern Garnsorten be und mit harten Wurzelenden behaftete Jr stets vorher von diesen befreit werden, was Schnippmaschinen geschieht. Mit diesen Arl die Vorbereitung der Jute bis zum Vorspit endet. Durch die Kardierung werden die in de noch zu bandartigen Bündelchen vereinigten, nebeneinander liegenden Fasern voneinat trennt, von den anhaftenden Oberhautzell Staube und den ganz kurzen Fäserchen, di der Zertheilung bilden, befreit, in kürzere, (die-mensionen der nachfolgend angewendeten Maschinen Eesus entsprechende, möglichst gleiche Längen zerrissen und über⸗ darauf zu einem Bande vereinigt. schen. uerst gelangen die Juteristen auf die Vorkarde, ssau.] welche eine vorläufige Zerkleinerung des Materials s. d.)] bewirkt; die weitere Zertheilung und Verkürzung, dem sowie die Parallellegung der Fasern findet auf der weier Feinkarde statt, wie eine solche von der Firma nzen, Combe, Barbour u. Combe in Belfast in nachstehendrius, der Fig. 1 gezeigt ist. Die Zuführung des Mateh aufrials zu der sich in einer Mulde bewegenden Speiseaianawalze geschieht durch drei Wickel L. Die durch die i der! Trommel T von der Speisevorrichtung abgekämmhst auften, zerteilten Fasern werden durch Vermittelung halteneder Arbeits⸗ und Wendewalzen A und Wweiter ien ge⸗ verarbeitet und dann von den Abnehmewalzen D n vor-aufgenommen. Von diesen werden sie durch die Abliefert führt und weggeleitet. Zur Reinhaltung der Ab-Jute- nehmewalzen von hängengebliebenen Fäserchen dientlichen lgenden gt durch prengen roleum. isernen, Walzen Flächene harten lern und iter verestimmte ute muß auf den beiten ist nnen been Risten nder gelen, dem ie sich bei „den Diletzten Streckmaschine erhaltenen Band findet a dieselbe Weise und mit denselben Maschinen stat wie in der Flachsspinnerei (s. d.). Die Feinspin! maschinen sind immer nach dem System der Wate und Drosselmaschinen gebaut, und zwar sind sie stet Trockenspinnmaschinen. Fig.3 zeigt die Konstruktio. einer doppelseitigen Spinnmaschine. Di Vorspinnspulen Al sind auf die Drahtstifte des Spu lenrahmens Aaufgesteckt. Durch die Führung li ge langen die Vorgarnfäden zunächst zu den Einzugs walzen pi, von denen die vordere durchgehend ist undie Bewegung empfängt, 2 — 6 die hintern Walzen paarweise durch einen Hebel hi und Gewicht G1, angedrückt werden; beide Walzen sind aus Eisen und r und rund geriffelt. Die Führung 1 ist seitlich verstellbar, um das Garn nicht immer auf dieselbe Stelle der Walze leiten zu müssen. Die weitere Führung des Fadens findet uber die Fadenplatte g und über ein Leitblech statt, worauf er zwischen die Streckwalzen C C gelangt, von denen die vordere glatt und aus Gußeisen hergestellt ist, während die hintere aus Holz besteht. Die hintern Walzen Ci sind durch Gewichte an Hebeln h² belastet. Die von den Streckwalzen kommenden n werden durch die Augen des Fadenführers I nach den auf den Spindeln 8§ aufgeschraubten Flügeln f geleitet und 9 auf die Spulen gewickelt. Der Antrieb jeder Spindelreihe geschieht durch Bänder von den Tromneln Ri auf die Wirtel w, sodaß jede Reihe für sich bgestellt werden kann. Die Regulirung des Reizungswiderstandes der Spulen erfolgt durch beschwerte Bremsschnüre b, welche auf der Spulenbank B befestigt sind. Die vertikale Bewegung der Spulenbank B wird durch Drehung der herzförmigen Scheibe Hi bewirkt, welche den Hebel H auf⸗ und niederbewegt und damit durch Vermittelung einiger Kettenrollen die Bank B, deren Eigengewicht durch an Ketten in hängende Gewichte 6, etwas ermäßigt ist. Das Weben der J. erfolgt in derselben Weise wie das anderer Gespinste. (S. Weberei.) Die europ. Industrie stellt aus der Jutefaser verschiedene Gewebe her, von denen die hauptsächlichsten folgende sind: Baggings, ein ziemlich loses, nicht sehr dichtes, grobes Gewebe, das als wohlfeilstes Verpackungsmaterial benutzt wird; Tarpawlings, ein festeres, stärkeres, gleichfalls grobes Gewebe, welches besonders zu Säcken für solche Artikel gebraucht wird, bei denen es auf Stärke und Dichtigkeit ankommt, also für Mehl, feingemahlenen Zucker, Cement u. s. w.; Twilled-Sackings, ein Zwillich⸗ oder Drillichgewebe von sehr großer Festigkeit und Dauerhaftigkeit, zum Emballieren schwerer Güter, gepreßter Ballen, von Wolle, Hopfen, auch Cement, Gips, Kaffee u. s. w. dienend; Hessians, das feinste und schönste derartiger Gewebe, welches man teils zum Emballieren feinerer Colli, aber auch zu Säcken für Salz, Rohzucker, künstlichen Dünger u. s. w., teils als Futterleinen, zur Herstellung von Matratzen u. s w. verwendet. Da sich die J. sehr leicht bleichen und alsdann schön färben läßt, werden aus derselben auch Teppiche, Läufer, Tischdecken und Vorhänge von sehr gediegenem Aussehen und großer Haltbarkeit hergestellt. Man benutzt ferner die Jutegarne, sowie aus denselben gefertigte Zwirne in rohem, wie in gebleichtem und gefärbtem Zustand zu den verschiedensten Artikeln, zu welchen man sonst Baumwolle verwendete, mit Baumwolle, Wolle oder Flachs vermischt als Kette in Hosenstoffen, Bettdrellen, Möbelripsen u. s. w.; außerdem zu Zündern, Lampendochten, Gurten, Kordeln, Stramin aller Art und zu vielen kleinen Artikeln. Die rohe J. findet vielach Verwendung zum Umwinden unterseeischer Telegraphenkabel, in neuester Zeit auch in der Chirurgie als Verbandmittel, für welchen Zweck sie besonders zubereitet wird. Vgl. Pfuhl, Die J. und ihre Verarbeitung (Augsb. 1878); Uhland, „Handbuch für den praktischen Maschinenkonstrukteur» (Bd. 3, Lpz. 1883); derselbe, Kalender für Textilindustriev (Lpz. 1884).