FeedAllerheiligstes
ReligionBrockhaus 1882

Allerheiligstes hieß bei den Juden der abgesonderte hinterste Teil in der Stiftshütte und später im Tempel, wo nichts als die Bundeslade stand. Im Herodianischen Tempel lag im A., da die Bundeslade zu Grunde gegangen war, nach den Rabbinen ein bloßer Stein, auf dem die Bundeslade einst gestanden haben sollte. Das A. war vom Heiligen oder dem vordern Teile des Tempels bei Salomos Bau durch eine Cedernwand geschieden und hatte zu seinem Eingange eine Flügelthür aus Olbaumholz. Im Herodianischen Tempel aber war das A. nur durch einen Vorhang geschieden, welcher durch das Erdbeben bei dem Tode Jesu entzwei gerissen sein soll (Matth. 27, 61). Das A. durfte nur der Hohepriester, und zwar nur einmal im Jahre, am großen Versöhnungstage, wenn auch an diesem Tage wiederholt, betreten, um die beiden heiligsten Sühnopfer für seine und des Volkes Sünde im Laufe des ganzen Jahres darzubringen. Im A. wurde über der Bundeslade zwischen den Cherubim Jahve gegenwärtig gedacht. Jetzt wird in den Synagogen das A. derjenige verschließbare und gewöhnlich mit einem Vorhang von gesticktem Brokat oder Seide behangene Raum genannt, in welchem die Gesetzesrollen der fünf Bücher Mosis aufbewahrt werden. — Bei den Katholiken nennt man das A. die in einem Gefäße zur Anbetung ausgestellte, geweihte Hostie. (S. Mon Altens

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 435Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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