FeedAmpulla
AllerleiBrockhaus 1882

Ampulla hieß bei den Römern ein bauchiges Gefäß mit dünnem Halse, aus Thon oder aus Glas, das mit Henkeln versehen sein konnte und zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten (ol, Wein, Essig u. s. w.) diente. Von den Römern gelangte das Wort auch in die Sprache der Kirche, in welcher es vorzugsweise für das Gefäß gebraucht wird, in dem das Salböl oder Chrisma aten Aie ist. Die sog. Blutampullen, durch einen roten Niederschlag gefärbte Glas- und Thongefäße aus den röm. Katakomben, sollen das Blut der Märtyrer enthalten, was indessen sehr zweifelhaft ist. Im Mittelalter bestand die A., die meistens aus vergoldetem Kupfer gearbeitet war, aus drei Abteilungen für drei 25183 5 mit den verschiedenen Arten des heiligen Ols: dem eigentlichen Chrisma, dem Ole für die Katechumenen und dem für die Sterbenden. Aus A. ist das franz. Ampoule und das deutsche Ampel (s. d.) entstanden. Berühmt ist die A. Remensis (la sainte ampoule), die bei der Salbung des Königs der Franken, Chlodwig I., zu Reims 496 eine Taube vom Himmel gebracht haben soll und mit deren unversiegbarem Ole die Könige von Frankreich bis auf Ludwig XVI. gesalbt wurden. Während der Revolution wurde dieses Gefäß zerbrochen und nur ein Bruchstück davon gerettet, das nach der Restauration in die Hände des Erzbischofs von Reims gelangte. In dem Bruchstücke fand sich angeblich auch noch ein Rest Ols vor, der in eine neue A. gebracht und bei der Krönung Karls X. 1825 zu dessen Salbung gebraucht wurde. Ein franz. Ritterorden (L'ordre de la Sainte-Ampoule), dessen Erstehung und Wirksamkeit mit dieser Tradition zusammenhing, wurde in der Revolution aufgehoben. [(gueras.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 580Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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