FeedAnton Ulrich
GeschichteBrockhaus 1882

Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel, geb. 4. Okt. 1633 zu Hitzacker im Lüneburgischen, wurde 1685 Mitregent seines Bruders Rudolf August und nach dessen Tode (1704) alleiniger Regent. Nachdem seine Enkelin Elisabeth Christine . sein Anstiften 1707 katholisch und 1708 Gemahlin des damaligen Prätendenten auf den span. Königsthron, nachherigen deutschen Kaisers Karl VI. geworden war, trat er 1710 in Bamberg öffentlich zum Katholizismus über. A. starb 27. März 1714. Erzogen von dem Polyhistor und Sprachforscher Schottel, war er äußerst prachtliebend, zugleich aber ein eifriger Gönner der Wissenschaften und Künste und Mitglied des Palmenordens. Namentlich vermehrte er die Bibliothek zu Wolfenbüttel beträchtlich. Außer einigen für Hoffeste bestimmten Singspielen, gibt es von ihm geistliche Lieder, die unter dem Titel «Christfürstliches Davids Harpfenspielo (Nürnb. 1667; Wolfenb. 1670, in Auswahl herausgegeben von Wendebourg, Halle 1856) erschienen. Die Melodien dazu hat seine Stiefmutter Sophia Elisabeth von Mecklenburg gesetzt. Außerdem verfaßte der Herzog zwei Romane: „Die durchlauchtige Syrerinn Aramenay (5 Bde., Nürnb. 1669—73; 1678; kürzere Bearbeitung von S. Allbrecht), 3 Bde., Berl. 1782—86) und (Octavia (6 Bde., Nürnb. 1677; 1685; 7 Bde., Braunschw. 1712). Beide Romane, besonders der letztere, waren ihrerzeit hochberühmt und vielgelesen. Sie leiden an großer Breite und verwickelter Anlage, oft auch an Unwahrscheinlichkeit, zeichnen sich aber durch sittlichen Gehalt und eine ein .. Sprache aus. Viele Episoden der „Octaviav sollen 500 auf gleichzeitige Hofgeschichten gründen. Vgl. Höck, A. Ulrich und Elisabeth Christine von Braunschweigo (Wolfenb. 1845), und Cholevius, Die bedeutendsten deutschen Romane des 17. Jahrh. v (Lpz. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 731Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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