Bossenwerk, n., Bossage, f., frz. bossage, m., rustique, f., engl. rustié, rustie work, lat. lapidées eminentes, opus rusticum, ital. sassi spezzati, rustico, auch im Deutschen bäuerisch Werk od. Rustik gen., besteht eigentlich aus unvollständig bearbeiteten, blos mit Lager- u. Stoßfugen versehenen Quadern, Bossagesteinen (s. d.), u. ist in dieser Weise, als hossage brut, sehrzweckmäßig zur kräftigen Charakterisirung eines Unterbaues od. sonstiger Bautheile, bei denen es hauptsächlich auf Festigkeit ankommt. Schon die späteren Römer u. nach ihnen viele Künstler der Renaissance- u. Neuzeit haben sich bemüßigt gefunden, diese Form, welche nur den Charakter der Festigkeit bei unvollendeter Ausarbeitung an sich trägt, nicht blos als Verzierung ganzer Souterrain-od. Parterre-Außenseiten od. gewölbter Bogen, bei denen es wenigstens noch durch seinen Charakter zu rechtfertigen wäre, sondern sogar über die ganze Façade weg, als bossage continu, bis hinauf unter das Dach, als Ueberzug von Säulen, Pilastern, als Unterbrechung architravirter Gliederetc. anzuwenden. Ja, man ist so weitgegangen, sie durch Putz als Zierverputz (österr.) nachzuahmen, Quadern anzuputzen (s. anputzen u. Quaderputz), ohne zu bedenken, wie sehr man die gesunde Vernunft verleugnet, wenn man in einem nicht eben sehr festen, seinem Wesen nach bes. zu Herstellung glatter Flächen mit zarten Verzierungen geeigneten Material eine rohe, blos kräftige Konstruktionsweise nachahmt. Auch in der Gestaltung der Quadern ist man dabei sehr von dem ursprünglichen Charakter abgewichen u. hat u. A. folgende Arten verziertes B., frz. bossage taillé, erfunden, von denen eigentlich nur die drei ersten zu rechtfertigen sind. 1. Bossage à rocher, b. rustique, engl. rock, wobei die Vorderseite des Quaders ganz roh gelassen wird und nur die Lagerfugen gearbeitet sind. — 2.B. quarré, mit charrirter Vorderseite. — 3. B. grainu, grenellé, mit gekrönelter Vorderseite. — 4. B. de refend, Vorderseite gekrönelt u. mit einem Schlag umgeben; s. Fig. 821. — 5. B. à anglet, wie die vorige, aber statt des Schlages mit einer Fase umzogen. — 6. B. à anglet piqué, mit Schlag u. Fase; Fig. 822. — 7. B. à chanfrein, ebenfalls mit Schlag u. Fase, aber so, daß die Fase direkt an der Vorderfläche ansitzt, der Schlag aber an der Fuge hingeht u. so einen kleinen Falz hinter der Fase bildet. — 8. B. quarderonné od. arrondi, von einem Viertelstab umzogen, etwa wie bei Fig. 828. — 9. B. quarderonnné avee listel, von Viertelstab u. Plättchen umzogen. — 10. B. ravalé, mit Randstreif, s. Fig. 823. — 11. B. à cavet, mit Hohlkehle, s. Fig. 824. — 12. B. à talon, mit Kehlstoß, s. Fig. 825. — 13. B. à doueine, mit Rinnleiste, s. Fig. 826. — 14. B. à pointe de diamant oder B. à facettes, Brillantirung, s. Fig. 827. — 15. B. vermiculé, s. Fig. 828, wobei die Vorderseite künstlich rauh gemacht ist, so daß es aussieht, als wenn Würmer darauf herumkröchen. — 16. B. Saillant, mit Doppelschlag, s. Fig. 829. — 17. B. à facettes talonné, Brillantirung mit Schlag u. Karnies; Fig. 830. — 18. B.8. mélés, mit verschieden hohen Schichten. — 19. B.S. mélés alternativement, mit Läufer und Bänder darstellt. — 21. B. à godrons, mit f Beulen besetzt. — 22.B. chargé de congélations, mit ausgearbeiteten Eiszapfen. Fig. 823. Fig. 825.