FeedAveo lettre grise
ErdkundeBrockhaus 1882

Aveo lettre grise, s. unter Abdruck und Aveiro, der nordwestlichste Distrikt der portug. rovinz Beira, zählt auf 2925Kkm (1874) 255 126E., ist fast ganz eben, waldreich, vom Vouga durchflossen, nur zum Teil bevölkert und angebaut, und zerfällt in 59 Concelhos (Kantone). Die Hauptstadt Aveiro (Talabriga in Lusitania), Cidade und Bischofssitz von (1878) 7167 E., an der Eisenbahn Oporto-Coimbra, ist ein wichtiger Hafen⸗ und Handelsplatz an der Mündung der Vouga, welche einen großen, von sumpfigen Inseln und Bänken erfüllten Strandsee bildet, in dessen Morästen ungeheuere Massen Seesalz gewonnen werden. Die Stadt besitzt vier Pfarrkirchen, ein 50ppit Armenhaus mit einer schönen Kirche und ein Hospital. Der Exporthandel des Platzes mit Salz, Ol, Wein und Orangen ist inni. t. An der Küste befinden sich Lener roße Etablissements für den hier stark betriebenen darle wenne Die Umegend erzeugt vortreffliche starke 8 und Gartenfrüchte im Überfluß. A. wurde nebst der Umgegend von dem König ohann III. im 16. Jahrh. zu einem Herzogtum eroben, das bis 1720 dem 10 Lancastro, zuletzt dem Bom Jose Mascarenhas, Herzog von A. (geb. 1708), gehörte. Derselbe war unter Johann V. Oberhofmeister des königl. Hauses und sehr einflußreich bei Hofe gewesen, unter König Joseph Emanuel aber durch Pomba der Niihveran worden. A. galt nun für einen Fuhrer ißvergnügter, und die gleichfalls der Racht vo Jesuiten sclossen sich an ihn an. In der Nacht vom Z. zum 4. Sept. 1758 wurde auf den von seiner Maitresse zurückkehrenden König geschossen und derselbe, jboch nicht gefährlich, verwundet. Ein niedergesetztes Ausnahmegericht erklärte den Herzog von A., den Marquis von Tavora und einige andere Personen, meiuiten aber für die Anstifter des Attentats. Mehrere, darunter auch A. nebst seinen Söhnen und seinem Schwiegersohne, wurden 13. Jan. 1759 qualvoll öter tet, ihre Güter eingezogen, ihre Frauen in Klöster gesteckt, die Jesuiten verbannt. Der Proeß ist, nach der gründlichen Untersuchung von Oljers (Über den Mordversuch gegen den König Jo⸗ *5 von Portugalo, Berl. 1839), äußerst unregelmäßig geführt worden und der größere Teil der Verurteilten höchst wahrscheinlich vollkommen unschuldig Rui en. Unter der Regierung Marias I. hat eine Revision des Prozesses stattgefunden, und ein Erkenntnis vom 23. Mai 1781 das frühere Urteil in Bezug auf sechs Personen widerrufen und deren Rehabilitierung verfügt. Dieser Rechtsspruch hat aber wahrscheinlich die königl. Bestätigung nicht erlangt und ist nicht in Ausführung ebracht worden; es 0 keine Rehabilitation stattzefunden, und ein Abkömmling der damaligen Opfer, der eine solche nachsuchte, wurde mit einer Pension an Tenedn Ave-Lallemant (Friedr. Christian Benedikt), ein um das Polizeiwesen verdienter Schriftsteller, geb. 23. Mai 1809 zu Lübeck, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte 1830—34 zu Jena Jurisprudenz. Nach Lübeck zurückgekehrt, wurde A. Advokat und 1843 zum * kurator ernannt. Die Herausgabe einer Polizeiordnung für den Freistaat Lübeck hatte 1851 seine Berufung an das Dannlander Polizeiamt zur * an welchem er dann lange mit Erfolg wirkte. Is Ergebnis seiner kriminalistischen, kulturhistor. und linguistischen Studien sowie seiner reichen praktischen Erfahrungen veröffentlichte er ein Werk: „Das deutsche Gaunertumv (4 Tle., Lpz. 1858—62), dessen beide erste Teile eine Darstellung des Gaunertums nach seiner 2n Suhändet Entwickelung und seinen gegenwärtigen Zuständen gewähren, während die beiden andern einer eingehenden linguistischen Untersuchung der Gaunersprache gewidmet sind. Als ergänzende Beiträge dazu erschienen: „Die Mersener Bockreiter des 18. und 19. Jahrh. » schen 1880) und Der Magnetismus mit seinen mystischen Verirrungen» (Lpz. 1881). Von seinen sonstigen litterarischen Arbeiten sind noch die kleinen Schriften Die Krisis der deutschen Zanchm (Lpz. 1861), Die Reform der Polizei in despoli (Hamb. 1862) und Die norddeutsche Bundespolizeiv (Berl. 1868) hervorzuheben, in welchem letztern Werke er den Gedanken einer einheitlichen deutschen Polizei vertritt, ohne welche ihm eine ersprießliche Strafrechtspflege nicht möglich erscheint. Wegen eines Augenübels trat A. 1868 aus dem Staatsdienst und veröffentlichte seitdem eine Reihe von Polizeiromanen, unter denen „Die Mechulle-Leut'v (2 Bde., Lpz. 1867; Hannov. 1870), 3 9 und Geldo (3 Bde., Hannov. 1871), „Jada (3 Bde., Dresd. 1878) besonders hervorzuheben sind; auch verfaßte er eine Physioogie der deutschen Polizeis (Lpz. 1882). Im J. 1880 erhielt er vom Großherzog von Sachsen-Weimar das Prädikat eines Hofrats; 1882 siedelte er nach Berlin über. Avé-Lallemant (Robert Christian Berthold), Bruder des vorigen, geb. 25. Juli 1812, studierte 1833—37 zu Berlin, Heidelberg und Paris Medizin und ging darauf nach Rio-Janeiro, wo er sich als Arzt niederließ. Obgleich später Braf Mitgliede des obersten Gesundheitsrats für Brasilien ernannt kehrte er doch 1855 nach Deutschland zurück. Auf Humboldts Empfehlung wurde A. Mitglied der österr. Novara-Expedition, von welcher er sich jedoch in Rio wiederum trennte. Nachdem er hierauf 1858 und 1859 Reisen durch ganz r eher Amar t, ließ er sich in Lbeck nieder. Außer einer Anzahl mediz. Schriften 4 B. über das Gelbe Fieber) und belletristischer Arbeiten veröffentlichte A. MReise durch Südbrasilien» (2 Tle., Lpz. 1859) und «Reise dur Nordbrasilien (2 Tle., Lpz. 1860). Auch lieferte er u der von K. Bruhns herausgegebenen Biographie lexander von Humboldts (Lpz. 1872) den dritten Abschnitt: ⸗Humboldts Aufenthalt in Pariso (1808 —26). Von seinen weitern Schriften sind zu nennen: »Wanderungen durch Paris aus alter und neuer Zeitz (Gotha 1877), Luiz de Camoens, Portugals größter Dichter⸗ Een 1879) und Wanderungen durch die Pflanzenwelt der Tropen» (Bresl. 1880). — Nach Eduard A. — 1803, gest. 17. Mai 1867 in Lübeck), einem Vetter der vorigen, der en der Botanik widmete und lange Zeit am Botanischen Garten in Petersburg angestellt war, ist die Pflanzengattung Lallemantia benannt worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 286Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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