FeedBaltistan
ErdkundeBrockhaus 1882

Baltistan, d. h. das Land Balti, auch West- oder Kleintibet genannt, m Rer ein eigener Staat, gegenwärtig eine Provinz im Reiche Kaschmir unter brit. Oberhoheit, am obern Indus gelegen, von Ostturkistan im N. und NO. durch die mächtige Karakorumkette getrennt, im SO. von Ladak, im S. von Kaschmir, im W. von Dardistan (Gilgit, Hassin u. s. w.) begrenzt, umfaßt einen Flächenraum von etwa 33 700 qkm. Es besteht haupt118. fleser dem Thale des in 2200 m Höhe gegen W. fließenden, an der Grenze von Gilgit aber sich nach SW. wendenden Indus, den untern Thälern von dessen Zuflüssen Schayok, Schigar, Gilgit, Leleih u. a. und den zwischen denselben liegenden Bergketten und Hochflächen. Von ND. her führt über die Karakorumkette zur Hauptstadt der 5600 m hohe Mustaghpaß, ein für Pferde ganz ungangbarer Gletscherpaß. An der Nordostecke, 110 Ekm im ONO. von der Hauptstadt, steht der zweithöchste Berg der Erde, der 1. W. vo von 8619 m Höhe, und fast ebenso weit im W. von ihr der Dayarmur oder Nanda-Parbat, 8117 tm hoch. Dem Lande eigentümlich sind die + steilen Felswände der Thäler und die große Kahlheit der Abhänge; die große Trockenheit des Sommers und die Hitze in den felsigen Thälern lassen die Baumvegetation auf den Thalseiten nicht aufkommen, obwohl in 1000 m größerer Höhe, wo die Luft feuchter ist, sich eine reiche Strauchvegetation findet. Schnee ist nicht ungewöhnlich, Regen selten und spärlich. Das Industhal ist wenigstens streckenweise fruchtbarer als in Ladak. Man baut Weizen, Gerste, einigen Reis, Buchweizen, Hirse, Rüben, Melonen, gewinnt ausgezeichnete Trauben und Äpfel. Eine Art kleiner Trauben kommt unter dem Namen Zurisk als Korinthen in den Handel. Die Tierwelt gleicht der tibetanischen. Eine Besonderheit ist hier wie in Gilgit und dem westlich gelegenen Lande Tschitral die wilde Ziege des Pamir, mit seltsam gewundenen, über Im langen Hörnern. Die Einwohner, etwa 60000, sind tibetanischen Stammes, bekennen sich aber sämtlich zum schii-Die Hauptstadt Iskardo, auch Skardo oder Kardo, ein unbedeutender Ort von etwa 159 zerstreuten Häusern, liegt 2111 m hoch in einer von mächtigen Bergen eingeschlossenen Thalausweitung des hier 140 m breiten, reißenden Indus am Einflusse des Schigar. Die sehr seiler Feste 11 260 m über der Stadt auf einer steilen Felshöhe. Die übrigen Wohnorte des Landes sind nur Dörfer. Bis auf die Eroberung durch die Sikhs unter Gholab-Sing 1835 wurde B. von einem eigenen Fürsten oder Rgilfo regiert. Durch den Vertrag zu Lahore 9. März 1846 behielt es Gholab-Sing nebst den übrigen nanr, Lal Kaschmirs und Ladak. Vgl. Cunningham, «UHistorical and statistical account of Ladako (Lond. 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 412Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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