Balutschistan oder Beludschistän (engl. Beloochistan), das Gedrosia der Alten, ist das südöstlichste Fürstentum des Hochlandes Iran, welches erst 1739, als einer der Hordenführer der Balutschaf Nasir Chan, als Haupt der vereinigten Landschaften vom Perserkönig Nadir Schah bestätigt ward, unter diesem Namen in die Reihe der asiat. Staaten trat. Sehr bald gelangte das Land zur Selbständigkeit, die jedoch nicht kräftig genug war, 1779 die Abtrennung von Sindh (s. d.) zu verhindern. B. zählt auf 276515 qkm nur etwa 350000 C., wird im S. vom Indischen Ocean begrenzt und umfaßt die Landschaften Katsha-Gandawa, Kelät, Sarawan im NO., Dschhalawan in der Mitte, und Arbu und Lus (in Mekran) im S. Der Osten ist ein ketten⸗ und plateaureiches Grenzgebirgsland, welches seine wilden Kämme (Hala⸗ und Kurklekigebirge) und Gipfel in die Region des ewigen Eises erhebt und in steilen Terrassen ost⸗ wie westwärts abfällt, welche die üppigen Landschaften des Industhals von einer bis zu den Westgrenzen B.s ausgedehnten Sandwüste scheiden. Wie im N., so begrenzt die Wüste auch im S. ein noch fast ganz unbekanntes System langgestreckter Gebirgsketten mit eingeschlossenen, stufenartig zueinander liegenden Längenthälern. Die höchste der östl. Grenzketten ist das mit dem Kap Monz oder Muwarik aus dem Meere aufsteigende Hala- oder Brahoigebirge, dessen nördl. Fortsetzung sich dem afghan. Systeme anschließt und noch auf balutschistan. Gebiete von zwei Hauptpässen durchschnitten ist, nämlich vom? holanpaß (s. d.) und dem Gandawa-oder Mula⸗, richtiger Milopasse, d. h. Blauer Paß, 96 Km lang und pro km 8m ansteigend. An den Westabhang des Grenzgebirgs legen sich die kleinen Kulturebenen Wad, Suhrab und Chosdar in Dschhala⸗ ö wan, und als nördlichste und höchste Stufe die von Kelät in einer durchschnittlichen Höhe von 2000 m, mit kalten Wintern, aber im Sommer durchweg Garten und Feld. Südlich von Kelät liegt Suhrab, ein bevölkertes, sehr fruchtbares und durch Ane mer Gebirgsbäche gut bewässertes Thal. Nur mit der äußersten Nordostecke, der heißen, wohlbewässerten und fruchtbaren Landschaft Katsha-Gandawa, reicht B. in das Tiefland des Indus. Der Küstenstrich ist meist flach, zum Teil klippig, sehr heiß und vegetationslos, ebenso das 15—22 Em dahinter aufsteigende Kallgebirge. Eigentliche gute Häfen fehlen längs der ganzen Küste, nicht aber gute Reeden, unter denen die von Sunmiam die beste ist. Schiff—⸗ bare Flüsse gibt es in B. nicht; außer den ihre Pässe östlich durchfließenden Vächen Bholan und Milo sind nur längs der Südküste etwa acht fliehbende Wasser bekannt, die aber nur in der Regeneit anschwellen und als reißende Bergwasser geeutendste ist der Purali. Mit der Beschaffenheit und Höhe des Bodens wechselt auch das Klima. Die brennende Wüste und die tiefen, feuchten und warmen Thäler bilden scharfe Gegensätze zu den Hochlandschaften, wo der inter in aller Strenge herrscht und, wie in Kelaät, der Reisbau durch die Kultur mitteleurop. Getreide ersetzt wird, die Bäume ihr Laub wechseln und, trotz der Lage unterm 29.“ nördl. Br., vier Jahreszeiten einander ablösen. Im S. sind zwei nasse, eine kalte und, vom März bis Oktober, eine heiße Jahreszeit. In der Wüste zieren schlanke Dattelalmen die Oasen, in den tiefen Thälern gedeihen eis, Baumwolle und Indigo, auf den höhern Landesteilen die 3nd moer ate Getreide⸗ und Obstarten Europas, und über alle Berggegenden ist die Asa foetida-Pflanze reichlich verbreitet. Auch Olflanzen und Krapp werden gebaut. Von Bäumen sinden sich außer der Dattelpalme mehrere, die vortreffliches Bauholz abgeben, darunter Tamarinden und außerordentlich große Maulbeerbäume; außerdem Tamarisken, Babul leine Art Mimosa), Platanen, Walnuß⸗ und Mangobäume, Sykomoren, Weiden, wilde Feigen und Oliven, alle europ. Obstbäume. Der größte Teil des Bodens ist Weideland und die Bevölkerung besteht daher hauptsächlich aus wandernden Schaf-⸗ und Rinderhirten. Man baut Weizen, Gerste, Mais, Sorghum, Sesam, auch Baumwolle, Indigo und Hülsenfrüchte. Nächst den europ. Haustieren und dem Kamele, den Pferden, Ziegen und Büffeln sind die wilden, unwegsamen Gegenden von wilden Tieren verschiedener Art bewohnt, namentlich von Löwen und Tigern, die freilich selten sind, Hyänen, Schakals und Wol fen. Leoparden, wilde Katzen u. s. w. hausen in den Dschangeln; allgemein finden sich wilde Esel, Antilopen, Hasen, Bergziegen u. s. w.; Schildkröten sind Mensc ebenso Lilre an der Meeresküste, wo sie für enschen und Tiere die Hauptnahrung ausmachen. Das Mineralreich liefert Eisen, Blei, — Zinn, Steinsalz, Alaun, Salmiak, Salpeter und Schwefel in Menge, Gold und Silber in Dschhalawan, viel Antimon im Süden von Kelät. Das Land wird von verschiedenen Völkerstämmen bewohnt. Der Hau Rod der Bevölkerung nennt sich selbst Balutschen, ohne von ein und derselben Abstammung zu sein. Man unterscheidet drei Hauptstämme: die eigentlichen Balutschen, die Brahoi und die Lamri. Die erstern zerfallen wieder in drei Abteilungen: die Nharrues oder Nerwui, in der großen Wüste im W. mit 7, die Rind mit 25, die Meksi oder Magghazzi, hauptsächlich in Katsha-Gandawa, mit 16 Stämmen, von denen jeder in eine Anzahl von Khels (Gesellschaften von vier oder fünf Zelten) zerspalten ist. An der Spitze jedes Khels steht ein Häuptling oder Sirdar, nach welchem er sich benennt. Sie sprechen eine dem Persischen nahe verwandte Sprache und sind ein räuberisches, grausames Hirtenvoll mohammed. Religion, bei dem Blutrache allgemein verbreitet ist. Sie führen Flinte, Schwert, Speer, Dolch und Schild, meist vom Auslande eingeführte Waffen. Die Brahui (s. d.) sind ebenfalls in viele Stämme geteilt. Die Lamri oder Namwari in Lus gleichen in der Gesichtsbildung mehr den Radschputen und Dschat und haben eine dem Sindh ähnliche Sprache. Auch sie zerfallen in viele Stämme, führen ein Hirtenleben, sind aber rührig und thätig und beschäfti-In sich mit Weberei, Filzbereitung und Seilerei. Außer diesen drei Hauptstämmen wohnen noch Dschat im Lande, die in mehrern Stämmen die Hauptbevölkerung von Katsha-Gandawa bilden, eine eigene Mundart, das Dschetki, sprechen und Ackerbau treiben. Ferner finden . Kurden als Hirten, in manchen Gegenden Dewahrs, vielleicht Abkömmlinge vertriebener Gebern, die rein persisch sprechen und die Leibgarde des Chans bilden; dann Afghanen und Hindus, beide nur in geringer Zahl in Kelät, wo sie besonders Geld⸗ und Handelsgeschäfte treiben, jedoch ohne sich mit ihren Familien aufhalten zu dürfen. Die in allen Teilen des Landes zu wenigen Familien vereinigten Luri sind eine Art von Zigeunern, verschieden von den Balutschen und Brahoi, welche als Musiker, Töpfer, Seiler, Mattenweber, Krämer das Land durchziehen. Industrie ist in B. nicht entwickelt. Zucker gewinnt man bei Bela aus Zuckerrohr, und Asa foetida wird viel gesammelt, indem man den Saft der Ferula asa foetida durch Einschnitte am untern Teile des Stengels austreten läßt. Die Gold⸗ und Silbererze werden nach Indien verhandelt. In Kelät läßt der Chan sehr rohe Waffen verfertigen. Ausgeführt werden Pferde, Vieh, Felle, Datteln, Korn, Baumwolle, Seide, Ol, Indigo, Salz, Borar, Salpeter u. s. w. Eingeführt werden aus Arabien Datteln und Kafferstlaven, aus Kabul und Khorasan Eun und Kupfer, aus Seistan weiße Stoffe und Turbans, aus Indien Metalle und Metallwaren, Porzellan, Tabat, Kaffee, Opium, Betel, . Haltun Zucker, Gewürze, Seiden⸗ und Goldstoffe, Kattun, Tuch. Europ. Manufakte werden hoch bezahlt. Das staatliche Band, welches die einzelnen Stamme unter ihren Chans zu einem Ganzen fesselt, ist ichr locker. Der Chan von Kelät ist im Frieden mehr nominelles Oberhaupt des Landes, dagegen im Kriege mächtig und durch zahlreiche Truppen unterstützt. Die Einkünfte des gegenwärtigen +½% von Kelät, die meist in Naturalien bestehen, lassen sich auf 35000 Pfd. St. schätzen, und die Stärke des Heers auf 10000 Mann irregulärer Reiter und 20000 Mann allgemeinen Aufgebots, wiewohl im Falle der Not eine noch weit größere Kriegerzahl zu den Waffen greift. Kelat (s. d.) ist die Sommerselten auch die Winterresidenz des Chans. Dur einen 14. Mai 1854 mit Nasir, Chan von Kelät, abgeschlossenen Vertrag ist die ind. Regierung ermächtigt, stets in Kelät Truppen aufzustellen. Der Westen des Landes wurde 1872 an Persien abgetreten und die neue Grenze zwischen Persien und B. durch eine engl. Kommission unter dem engl. General Goldsmidfestgesetzt. Vgl. Pottinger, Travels in Beloochistand (Lond. 1816); Masson, Narrative f a journal to Kalato (Lond. 1843); Bellew, EFrom he Indus to the Tigriso (Lond. 1874); Hughes, „The country of Balochistano (Lond. 1877). Baluze (Etienne), verdienter franz. Geschichtsso geb. 24. Dez. 1630 zu Tulle, widmete sich zu 2 oulouse zunächst der Jurisprudenz, später der bon Tonloir⸗ Rnmn Anfangs vom Erzbischof von Toulouse, dann von dem von 15„ unterstützt, ward B. 1667 von Colbert zu seinem Bibliothekar, 1668 zum Professor des Kanonischen Rechts am königl. Kollegium, 1707 zum Direktor desselben ernannt. Wegen seiner genealogischen Ge chichte des Hauses Auvergne ward B. 1710 seiner Amter und Besoldungen bt und aus Paris verbannt, 1713 zwar zurückberufen, aber in seine Amier nicht wieder eingesetzt. Er starb 28. Juli 1718. In der Kritik ùπ und kanonistischer Dokumente erwarb sich B. hohes Ansehen. Er hat 45 Schriften selbst herausgegeben und 115 ältere Schriften zu neuer kritischer Ausgabe vorbereitet; die wichtigsten sind die «Capitularia regum Francorumo (2 Bde., Par. 1677; 2 Bde., Vened. 1772; 2Bde., Par. 1779) und die Miscellaneas (7 Bde., Par. 1678—1715; neue Ausg. von Mansi, 4 Bde., Lucca 1761). Ferner sind zu nennen: die Conciliorum nova collectioo (Par. 1685), ein Supplement zu Labbes Sammlung; «Historia paparum Avenionensium „ (2 Bde., Par. 1693); die Ausgaben der Epistolae Innocentii papae III.d (2 Bde., Par. 1682) und der «Operas des Cyprian (Par. 1726).