Barmen, Stadt und Stadtkreis im preuß. Revon 2172 ha, zieht sich im Thale der Wupper neben der Bergisch-⸗Märkischen und Rheinischen Eisenbahn in einer Ausdehnung von ungefähr 6 km von Elberfeld bis zum westfäl. Orte Ooebe hin und zerfällt in drei Hauptstadtteile, Oberbarmen (Wichlinghausen, Rittershausen, anit den un en und Wuppeneld/ Mittelbarmen smit dem ältesten Stadtteil Gemarke) und Unterbarmen, deren jeder zum großen Teil aus ben anten 9 getrennt gewesenen und besonders benannten ofesgruppen besteht. Nördlich und östlich grenzt der Kreis an den Kreis Hagen im Regierungsbezirk Arnsberg, südlich an den Kreis Lennep und Obersläche den Kreis Elberfeld. Die Formation der Oberfläche des dem Kreise angehörigen Terrains trägt ganz den Charakter einer Gebirgsgegend. Der Wupper entlang, welche den Kreis in senner ihn in zwer von Osten nach Westen durchfließt und ihn in zwei unefähr gleiche Teile teilt, zieht sich eine 500—1000m breite Thalebene, in welcher der bei weitem größte Teil der Stadt liegt. Zu beiden Seiten der Wupper steigt das Terrain von der gegen 150 müber dem Meeresspiegel liegenden Thalsohle zu einer Höhe von 186—200 me empor und ebnet sich dann zu einem Hochplateau, auf welchem südlich und nördlich die Grenzen des Stadtkreises sich hinziehen. Die höchsten Punkte sind nördlich das Hatzfeld und südlich der Lichtenplatz; letzterer erhebt sich bis zu einer absoluten Höhe von 352 m. Die Bevölkerung belief sich 1880 auf 95951 E., darunter 79 854 Evangelische, 14808 Katholische und 237 Juden. Die Stadt ist Sitz eines Amtsgerichts in fünf Abteilungen und einer hat vier luh, sowie einer Reichsbanknebenstelle, hat vier luth., zwei reform., zwei uniert-evang., eine Baptistenkirche, eine Kirche der Freien Gemeinde, eine Kapelle der Apostolischen (Irvingianer) Gemeinde, eine kath. Kirche, ein Gymnasium, eine Realschule erster und eine zweiter Ordnung, eine niedere und höhere Gewerbschule, eine Webeschule, zwei höhere Töchterschulen, drei Handwerker-Fortbildungsschulen, eine Schulamts-Präparandenanstalt und 38 Volks⸗(Elementar-Schulen. B. 0 Sitz der Rheinischen Missionsgesellschaft mit großem Missionshause und einem Missionsseminar. Es besitzt ein städtisches Krankenhaus, sechs Armen⸗ und Waisenhäuser, eine Anstalt — verwahrloste Kinder, eine Augenheilanstalt, eine tädtische Badeanstalt, Turnhalle, Theater, großes evang. Vereinshaus, Diakonissen⸗ und Mägdehaus, sieben muhige wissenschuf fünf Postanstalten, viele gemeinnützige wissenschaftliche Vereine, wie Kunstverein mit Gemäldesammlung, Leseverein mit städtischer Bibliothek, Verschönerungsverein mit den am südl. Bergabhang romantisch gelegenen Anlagen (in welchen das Kriegerdenkmal 1864-66 sowie ein solches für 1870—71); ferner ein Denkmal Friedrich Wilhelms III. Auch befindet sich hier das Bezirkskommando des Reserve-Landwehrbataillons Barmen Nr. 39 mit Zeughaus. Bis zum Ende des 17. Jahrh. standen hier nur Bauernhöfe, deren Bewohner sich aber seit dem 15. Jahrh. schon mit der Bleicherei, dem ersten Anfang industrieller Betriebsamkeit im Thale, beschäftigten (1611 bestanden in B. schon 88 Bleichen). Band⸗, Leinwand⸗ und Zwirnbereitung fand nachweislich schon im Anfang des 16. Jahrh. statt. Seit dem Anfang des 18. Jahrh. kam Färberei und Verwendung von Wolle 90ei⸗ später 1750 Rattan Spitzen⸗ und Kantenweberei, Seidenfabrikation u. s. w. Der größte Aufschwung aber erfolgte im 19. Jahrh. durch die Vervollkommnung der Litzenflechtmaschinen. Eine reform. O. für B. beginnt mit der Gründung der reform. Gemeinde zu Gemarke (1702) und dem dadurch hervorgerufenen ersten geregelten Anbau in Straßen. We ähnlicher Weise bezeichnen die Gründungen der andern evang. Gemeinden: lutherisch Wichlinghausen 1744, lutherisch Wupperfeld 1778 und evangelisch-uniert Unterbarmen 1822, Inte 5 Epochen der Entwickelung B.s. Die erste Schule B.s wurde 1579 gegründet, damals zählte es 1500, 1698 2132 C., 1767 6339, 1804 13 822, 1855 41 442, 1870 73564. B. erhielt erst durch Einführung der franz. Municipalverwaltung 1808 und die Ernennung eines Maire 1809 städtische Verwaltung und damit Stadtrechte. Die Truchseßsche Fehde, der Dreißigjährige Krieg, der Siebenjährige Krieg sowie die Kriege der Französi4 Republik u. s w. machten sich allerdings für ie Industrie sehr fühlbar, dennoch wuchs die Zahl und Mannigfaltigkeit der Fabriken von Jahr zu Jahr und ist noch im Steigen begriffen. Man zählt eine Menge Band⸗, Kordel⸗, Litzenfabriken, Färbereien (wovon zehn das bekannte türkisch-rote Garn liefern), ausgebreitete Fabriken für plattierte und metallene Waren, Zündhütchen, Knöpfe, chem. Produkte, Näh⸗, Eisen⸗ und Strickgarn, Maschinen, Pianofortes, Orgeln, Seife, Stearinkerzen, Gummiwaren, Wagen, Metallwalzereien, Spinnereien und Druckereien für Heller vbalbwo Webe⸗ und Band-Deue für baumwollene, halbwollene, wollene, ne ene und halbseidene Waren. Der äußere Anblick B.s und seines regen Treibens macht einen großartigen Eindruck. Die Hthatge keit der Bewohner für christl. und wohlthätige Zwecke wird mit Recht gerühmt. ö