FeedBarmakiden
HeilkundeBrockhaus 1882

Barmakiden oder Barmekiden heißen die Nachkommen Barmaks, eines Arztes und Priesters aus Balkh in Khorasan, welche bis zur Zeit Harun Al-Raschids im Besitze der mzühit, Amter unter den Kalifen waren. Es wird erzählt, Barmaks Gattin sei von Kuteiba, dem berühmten Feldherrn der Omajjaden Hannals⸗ und jenem erst wieder zurück6 eben worden, als sie (um 794) mit ihrem Sohne halid schwanger enen Abbe der dann schon unter dem Kalifat des ersten Abbasiden Abd Allah Abu⸗ ⸗Abbäs Al-Saffäh Vezier wurde. Der Zweck dieser Erzählung ist augenscheinlich kein anderer als der, das Geschlecht der B. als ein Whal und edles darzustellen. Unter Almansur war Chalid zuerst Finanzminister, dann Statthalter von Mossul, während sein Sohn Jahja Statthalter von Aserbeidschan und Armenien war. Unter dem Kalifat Almahdis versah letzterer auch das Amt eines Staatssekretärs und uund sein Harun Al-Raschids. Seiner Führung und seinem Rate verdankte Harun den Thron, von welchem diesen ein älterer Bruder Hadi verdrängen wollte, und aus Dankbarkeit ernannte ihn der Kalif bald nach seinem Regierungsantritte (786) zum Vezier. Jahja zog sich jedoch bald von den abwechselnd ein zurück, und seine Stelle nahmen abwechselnd seine beiden Söhne Fadhl und Dschafar ein, die WOtatt Erzieher der Söhne Haruns und jahrelang Statthalter von Sohne und Khorasan waren. Auch die übrigen Söhne Jahjas gelangten zu hohen Amtern und Reichtum. nter allen B. aber stand Dschafar dem Kalifen am nächsten. Harun fand seine Gesellschaft so angenehm, daß er ihn selbst in den Abendstunden um sich haben wollte, die er mit seinen Frauen und Sklavinnen bei Wein, Musik, Gesang und Tanz zubrachte. Auch wenn der Kalif von seiner Dichafar in der Na Abbäsah besucht wurde, sollte Dschafar in der Nähe bleiben. Um die orient. Sitten nicht zu verletzen, kam Harun auf den unglücklichen Gedanken, 6* formell miteinander zu vermählen, dabei jedoch dem Freunde zu bedeuten, daß er nur den Namen eines Gatten seiner Schwester tragen, aber nicht auf die Rechte eines solchen Anspruch machen dürfe. Abbäsah begnügte sich jedoch mit dieser Scheinehe nicht, und Dschafar wollte oder konnte ihrer Liebe nicht lange widerstehen. Ihr Verhältnis blieb dem Kalifen einige Jahre verborgen, bis es endlich eine Sklavin verriet. Dschafar wurde auf Haruns Befehl enthauptet und seine Schwester samt ihren Kindern lebendig begraben. r Sturz fällt mit einer Pilgerfahrt Haruns nach Mekka zusammen, wo er das von seiner Schwester geborene Zwillingspaar sich zeigen ließ und durch die Ahnlichkeit von ihrem vertrauten Umgange mit Dschafar 0 überzeugte. Nach der am besten beglaubigten Überlieferung hörte Harun, daß die Kinder seiner Schwester heimlich nach Mekka geschafft worden seien und dort erzogen würden. Harun ließ sich nun in Mekka, wohin er zum Besuche der Kaaba ging, die Kinder zeigen und erkannte in ihrer Ahnlichkeit mit Dschafar die Richtigkeit der Angabe der Sklavin. Da beschloß er den Untergang aller B. Auf der Reise, als er in die Nähe von Anbar kam, ließ er Dschafar, den er noch den Tag vorher mit Ehrenkleidern beschenkt hatte, enthaupten, ohne ihn nur angehört zu haben, seine Leiche verstümmeln und auf dem Thore von Bagdad den 80 desselben aufhängen. Jahja und dessen übrige Söhne endeten ihr Leben im Gefängnisse (803 n. Chr.). Natürlich suchte man das Schicksal der B. noch durch manche andere Vergehen zu rechtfertigen, und es ist nicht zu zweifeln, daß sich am Hofe des Kalifen eine Partei befand, welche die Macht und das Ansehen eines pers. Geschlechts mit Unwillen betrachtete. Die einen erklärten die B. für Freigeister, die andern für ehrgeizige Menschen, die durch ihre Freigebigkeit und Prachtliebe den Kalifen selbst verdunkelten und ihn schließlich a verdrängen würden. Vgl. die „Geschichte der B. in Weils Geschichte der Kalifend (Bd. 2, Mannh. 1848). ů

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 489Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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