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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Bracteaten, Hohlmünzen oder Blechmünzen, abgeleitet von dem lat. bractea, d. i. Blech, ist eine neuere Benennung für die Münzen aus meist sehr dünnem Silberblech, die vom Ende des 11. bis zum Ausgang des 14. Jahrh. vorzüglich in Deutschland in Gebrauch waren und gewöhnlich Denarii oder Pfennige genannt wurden. Da die Prägung in jenen ältern Zeiten mit Hand und Hammer geschah, brauchte man ein ziemlich dünnes Metallblech, um nur das Gepräge sichtbar zu machen. Durch den Schlag bog sich der dnne Rand empor und gab der Münze die schüsselartige Gestalt, welche die spätere Sage von den Regenbogenschüsselchen veranlaßte. (Man glaubte, derartige Münzen fänden sich da, wo der Regenbogen angeblich die Erde berührt habe.) Ebendadurch geschah es auch, daß das Gepräge nicht immer in die Mitte des Blechs, sondern oft an den Rand, oft über denselben hinausfiel, bald deutlicher, bald nur undeutlich sichtbar wurde. Im 12. und zu Anfang des 13. Jahrh. ist das Gepräge kunstreich und klar; im Laufe des 13. Jahrh. aber wird das Gepräge kunstloser, die Silberbleche geringhaltiger und zuletzt so dünn, daß man die Pfennige, in der Mitte durchstochen, auf Schnüre reihte. Selten finden sich B. aus Gold, nirgends aus Kupfer. Ihre Größe ist gewöhnlich die der Funfzigpfennig⸗ und Markstücke, doch finden sie sich vereinzelt auch in der Größe von Zweithalerstücken, z. B. in Sachsen und Thüringen zu Ende des 13. Jahrh., während sie in andern Ländern im Laufe der Zeit immer kleiner wurden. Ihren Ursprung haben die B. nach der wahrscheinlichsten Ansicht am Harze genommen, und ihr Gebrauch beschränkte sich meist auf das mittlere, nordöstl. Deutschland und Polen; weniger häufig finden sie sich im südl. Deutschland und selten nur in Dänemark, Schweden u. s. w. Mit dem Anfange des 14. Jahrh. hörten in Sachsen und bald darauf auch in den benachbarten Ländern, als in Freiberg Groschen geschlagen wurden, die größern B. auf; die kleinern verschwanden aber in Sachsen erst im Anfange des 16., im Braunschweigischen sogar erst in der Mitte des 17. Jahrh. Vgl. Mader, Versuch uber die B.v (Prag 1808), Stenzel, „Der Bracteatenfund von Freckleben im Herzogtum Anhalte (Berl. 1862); Schlumberger, Des bractéates d'Allemagne (Par. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 424Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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