FeedBrühl (Heinr., Reichsgraf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Brühl (Heinr., Reichsgraf von), Minister Augusts III., Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen, wurde 13. Aug. 1700 zu Weißenfels geboren, wo ssein Vater die Stelle eines Oberhofmarschalls und Geheimrats am Hofe des Herzogs von Sachsen-Weißenfels bekleidete. Frühzeitig trat er als Page in die Dienste der Herzogin Elisabeth, der Witwe des Kund ae Johann Georg von Sach sen-Weißenfels, und gewann durch sein einschmeichelndes Wesen nicht nur die Gunst dieser Fürstin, sondern bald darauf auch die Augusts II., dessen Leibpage er um 1720 wurde. In der Folge ernannte ihn der König Rien Kammerherrn und ließ sich von ihm auf allen Reisen begleiten. B. benutzte die Gunst des Königs und erlangte rasch eine Menge wichtiger Staatsämter. Als August II. 1. Febr. 1733 zu Warschau starb, eilte er mit der Krone und den Reichskleinodien Polens nach Dresden zu dem Nachfolger und war eifrig bemüht, diesem die Thronfolge zu sichern. . D owie durch die eifrige Bewerbung um die Freundschaft des Grafen von Sulkowski, des Günstlings Augusts III., erwarb er sich allmählich das 1 wollen des i Un anfangs abgeneigten Regenten, sodaß dieser ihn in den frühern Amtern bestätigte. Seitdem wußte B. den Rönig mehr und mehr einzunehmen. Infolge der verschwenderischen Hofhaltung des letztern wurden durch B. die Steuern erhöht und das Land mit Schulden belastet. Seine Stellung noch mehr zu sichern, verheiratete er sich mit der Gräfin Franziska Mariana Antonia Kolowrat-Krakowski, deren Mutter Oberhofmeisterin der Königin war. Durch dieses Verhältnis bewirkte er endlich 1738 auch die Entlassung des Grafen Sulkowsti, welcher jetzt allein ihm noch im Wege gestanden hatte. Eitelkeit und Habsucht waren B.s vorherrschende Leidenschaften. Nachdem er bereits 25. Febr. 1733 Inspektor über sämtliche Staatskassen, 23. Juni 1733 Kabinettsminister mit Konferierung des Departements der Civilangelegenheiten, 6. Febr. 1737 Chef des Departements der Militärangelegenheiten und 7. Febr. 1738 des Departements der auswärtigen Angelegenheiten geworden „erhielt er 10. Febr. 1738 die Stelle eines dirigierenden Oberkämmerers und endlich 1747 die eines Premierministers unter ahmnenn seines Ranges über alle Chargen im Kurfürstentum Sachsen; auch behielt B. die meisten der ihm übertragenen Staatsämter und deren Einkünfte bei. Außerdem erhielt er 1740 die Herrschaft Forsta und Pförten in der Niederlausitz, ferner durch ein Donationsdekret vom 20. Mai 1746 das von seiner Familie veräußerte Stammgut Gangloff-Sömmern mit vier Dörfern, und nach dem Tode der Königin die ganze Apanage derselben (die Starostei Zips), zur hutenen Berh für die im Siebenjährigen Kriege erlittenen Verluste. Dabei trieb er mit Hülfe seiner Kreaturen mit den Steuerscheinen die für das Land verderblichsten Operationen und erlaubte oder Nheiten er fortdauernd die schreiendsten Ungerechtigkeiten einer willkürlichen Kabinettsjustiz. Durch den Übertritt zur kath. Kirche und durch einen Stammbaum, in welchem er seine Abkunft von einem Grafen B., Wojwoden von Posen, darthat, hatte er seinem Plane vorgearbeitet, auch in Polen Güter und Kronämter zu erwerben. Demgemäß kaufte er zu den bereits in Sachsen erworbenen Gütern mchrers Herrschaften und bekleidete später mehrere Kronämter in Polen oder wußte sie seinen — zuzuwenden. Kaiser Karl VI. erhob ihn 27. Nov. 1737 zum Reichsgrafen; dafür ing B. bereitwillig in die Arleg von ein, welche Preußen isolieren und den Krieg von 1756 vorbereiten sollten. Ungeheuere Summen verwendete B. auf des Königs, noch mehr auf seinen eigenen Hofstaat. Er hielt 200 Bediente und bezahlte sene Ehrenwache besser als der König die seinige; seine niar war die köstlichste, seine Garderobe die glänzendste. Durch diese Verschwendung kam es denn auch, daß beim 17000 Mam Siebenjährigen Kriegs das Land nur 17000 Mann zu stellen vermochte, die sich bald aus Mangel und Planlosigkeit der Der Kon bei Pirna dem Feinde ergeben mußten. er König und seine Minister flüchteten nach Warschau, wo sie bis zum Abschluß des Hubertusburger — blieben. Kurz nach der Rückkehr aus Poen nach Dresden starb der König 5. Okt. und B. 28. Okt. 1763. Prinz Xaver ließ, als Administrator von Sachsen, B.s Güter mit Beschlag belegen und eine Untersuchung verhängen, die indes damit endigte, daß die Söhne alle Güter des Vaters erbten. Der Schauplatz seiner Feste war das auf der sog. Brühlschen Terrasse gelegene Brühlsche Palais. Seine Bibliothek, welche 62000 Bände umfaßte, bildet gegenwärtig einen Hauptbestandteil der königl. Bibliothek zu Dresden. m5. Justi, Leben und Charakter des Grafen von B. (3 Bde., 1760—64); (Zuverlässige Lebensbeschreibung des Grafen von B. und des Kabinettsministers A. J. Fürsten von Sulkowskis (Frankf. u. Lpz. 1766); 4Geheimnisse des sächs. Kabinetts. Ende 1745 bis Ende 17565 (2 Bde., Stuttg. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 618Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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