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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Cadiz (spr. Cadis „in portug. Schreibweise Cadix, eine der wi tigsten und reichsten Handelsstädte Spaniens, eine Festung ersten Ranges und die Hauptstadt der gleichnamigen sudlichten Provinz des ehemaligen andalus. Königreichs Sevilla, welche auf 7323,5 qkm (1877) 430158 C. ählt. Die Stadt liegt, 724 Em von Madrid entsernt, am Nordwestende der schmalen Landzunge der Insel Leon, die durch den Kanal de Santi Analt vom Festlande getrennt und durch die starkbefestigte Schiffbrücke Ponte de Suazo und die Eisenbahnhrücke mit ihm verbunden ist. Als Festung gehört Czu den wichtigsten Punkten ganz Spaniens, da die natürliche em . 25. umd der bastionierten Felsenküste im N., W. und S. noch durch lolossale Werke, das Fort Sta.Catalina und das Inselfort San-Sebastian, verstärkt wird, die Nordostseite durch Sandbänke jede Landung erf chwert und die südöstliche schmale Landfronte stark verschanzt ist. Auf der 8 km langen sandigen Landzunge führt eine durch zwei Mauern geschützte und durch das quer über den Isthmus lagernde Fort La Cortadura de S. Fernando und die Redoute Glorieta verteidigte Straße sowie die Eisenbahn nach der Stadt San-Fernando am Kanal de Santi Petri, an dessen Nordausgang, den eine Reihe Batterien und Fleschen beschützen und im S. das Fort de Santi Petri verteidigt, das Arsenal de la Carraca liegt. Im NO. der Stadt bildet die Bai von C. einen für scher aber analle jeder Größe geräumigen Hafen, welcher aber an allen Seiten zum Lande ansteigenden Boden besitzt, sodaß nur ganz kleine Fahrzeuge an den Molen von C. direkt anlegen können. Derselbe ist auch gegen Nordwestwinde nicht gänzlich geschützt. An dem Nordufer der Bai mündet der Guadalete unterhalb der C. gegenüberliegenden Stadt Puerto de Sta.⸗Maria. Va SO. verengt sie sich zu einer nur 800 mebreiten asserstraße, welche durch die Forts Puntales, der sudiit und San-Luis verteidigt wird und zu der südöstlich tiefeingreifenden Bucht des Hafens von Puntales Hft, der für die Kriegsschiffe und die von Amerika kommenden wie dorthin gehenden Kauffahrteischiffe bestimmt ist und die umpfige Insel San-Luis mit berühmten Docks und einer Schleufe (Trocadero) enthält. An dieser —5 wurde neuerdings ein 300 m langer Molo er aut, der den Zweck hat, die Verladung der mit der Eisenbahn ankommenden Xeresweine zu ermöglichen. Die Stadt C. ist seit 1786 sehr erweitert, verschönert und mit geschmackvollen, zum Theil palastähnlichen Gebäuden versehen worden, und zeichnet sich durch ihre fast holländ. Sauberkeit aus. Sie hat, mit Ausnahme ihres ältesten Teils, gerade, mit Marmor gepflasterte Straßen, mehrere prächtige, mit Promenaden gezierte Plätze, Häuser mit platten Dächern, deren jedes einen Mirador (Umschautürmchen) trägt, und wird Vicch Gas erleuchtet. C. ist der Sitz eines Bischofs und hat drei Hospitäler, ein Armen⸗, Irren⸗ und Korrektionshaus, ein AusEts. zwei Theater und einen Stiergefechts-Cirkus. An Unterrichtsanstalten gibt es, außer vielen Elementarschulen und Colegios für beide Geschlechter, eine chirurgisch-mediz., eine nautische, eine mathem. Schule, eine Zeichen⸗ und Malerschule, eine Handelsschule und ein Priesterselichaft Auch bestehen ver chiedene gelehrte Geellschaften, eine Bibliothek, ein Leselabinett, eine Akademie der schönen Künste, ein Kunstmuseum, eine O1e Pas eingerichtete Sternwarte bei dem nahen Orte San-Fernando (36 27 40,4“ nördl. Br. und 6 12/ 19“ westl. L. von Greenwich), ein hydrogr. Depöt u. s. w. Die bemerkenswertesten ebäude sind in der Stadt: die 1597 wiederhergestellte alte Kathedrale, die neue, 1720—69 erbaute Kathedrale mit merkwürdiger Krypta, die Kirche des ehemalien Kapuzinerklosters mit herrlichen Gemälden von Murillo, das Hospiz, die Torre de Vigia oder de Tavira, 31 m hoch, welcher Turm eins der schönsten Aussichtsbilder Europas gewährt, und das Douanengebäude. Außerhalb der Stadtwälle sind bemerkenswert die Dampfmahlmühle, der Leuchtturm im Fort San-Sebastian auf einem nach Westen auslaufenden Felsenriff und die schöne doppeltürmige Kirche San-José auf dem sthmus, an dessen „ um Strande sich sehr besuchte Seebäder befinden, sowie Salinen und treffliche Weingärten. Ein Übelstand für C. ist der Mangel an gutem Trinkwasser. Zwar ist jedes Haus mit einer Ci-Puer versehen, doch muß das frische Wasser von uerto de Sta.⸗Maria herbeigeschafft werden. Die Ertreme der Temperatur sind + 6 und 27 C. Die Stadt zählt (1877) 65028 E. Obgleich eine der ältesten Städte der Erde und schon im Altertum nicht ohne Wichtigkeit, verdankt sie doch ihre Bedeutung als Handels latz erst der Entdeckun von Amerika, in deren Folge sie der nender elplatz des überseeischen Handels, der Hafen der Silberflotten und das große Magazin der edeln Metalle und übrigen Schätze wurde, die aus Amerika und Indien herbeiströmten. Durch den Abfall der span. Kolonien in Amerika hat C. zwar jene Bedeutung verloren, gleichwohl ist es nach Barcelona die größte Handelsstadt Spaniens und hat sich neuerdings, seitdem manche Verbesserungen in den Hafeneinrichtungen getroffen, und seit der ißt, sind unter K aufzusuchen. Der Hauptausfuhrartikel ist der Aereswein (875 Eröffnung der Eisenbahn nach Sevilla rasch gehoben. Butter. Anlegepunkt für die Dampfer, die drei⸗“ bis viermal wöchentlich . 7 von Sevilla aus einerseits QR ö nach allen span. Häfen des [ Mittelmeers (und Mar-V seille), andererseits nach den Häfen der Nordküste auslaufen, und der Ausangspunkt für die span. orrespondenz mit den Canarischen Inseln, mit Westindien und Südamerika. Endlich wird die geräumige Bai als Station und Zufluchtsort von Kriegsschiffen aller Nationen benutzt. Der Schiffsverkehr und der Handel von C. war in den letzten 30 Jahren in erfreulicher Zunahme begriffen; 1879 liefen 3714 Handelsschiffe von 941969 t (darunter 27 deutsche von 12357 t) ein, 3702 von 945 781 t aus. Durch die Eisenbahn nach Sevilla steht C. mit dem europ. Eisenbahnnetz im Zusammenhang. C. wurde bereits um 1100 v. Chr. von den Phöniziern gegründet, diesen aber durch die Karthager letztern 206 v. Chr. dur die Römer entrissen, die es Gades, vom Phönizischen Gader, d. h. Mauer, oder Julia Augusta Gaditana, nannten. Die Überreste des Herculestempels und einiger Gebäude des alten Gades sieht man noch am Meeresufer bei ruhigem Wasser. In der Peit bemächtigten sich die estgoten, dann 711 die Araber und 1250 die Castilianer der Stadt. Von den Engländern ward sie 1596 geplündert und verbrannt, bald darauf aber von den Spaniern wieder aufgebaut und besser befestigt. Ein Angriff der Engländer 1702 blieb ohne Erfolg. In der Zeit des Bündnisses zwischen Spanien und Frankreich wurde C. mehrmals von den Engländern blockiert, auch einmal, jedoch ohne Erfolg, bombardiert. Seit der Revolution von 1808 war C. bis zu Ferdinands VII. Rückkehr im Insurrektionszustande. Hierher begab sich, als die franz. Truppen in Andalusien vordrangen, die oberste Insurrektionsjunta. Diese ließ die Erdzunge von C. abgraben und die Brücke, welche das feste Land mit der Insel Leon verbindet, abbrechen, wodurch die Stadt gänzlich vom Festlande getrennt ward. Da es von der Seeseite durch den Banet von den Schiffen und den schwimmenden Batterien, wie unter mehrmaligen Ausfällen der Besatzung die Belagerungsarbeiten fortgesetzt die Forts längs der Bai genommen und endli auch das wichtige Fort Matagordo, C. gegenüber, erobert hatte, wurde von hier aus der Versuch gemacht, die Stadt, ungeachtet der großen Entfernung, zu bombardieren. Am 15. Dez. 1810 begann das Feuer aus schweren Mörsern und langen Haubitzen und erreichte die Stadt, bedeutenden Schaden zu verursachen. Dieser Zustand dauerte bis in die zweite Hälfte des J. 1812, wo Wellingtons siegreiches Vorrücken die Franzosen nötigte, ißt, sind unter K aufzusuchen. die Belagerung aufzuheben. Auch 1823 wurde C. durch die Franzosen belagert. Nachdem der Herzog von Angouléme als Befehlshaber der Invasionsarmee 24. Mai von Madrid Besitz genommen, beorderte er die Divisionen Bordessoulle und Bourmont nach dem Süden, um den König von Spanien aus den Händen der Cortes zu befreien und den Fortgang der Insurrektion zu hemmen. Schon nach einem Monat stand Bordessoulle vor C., bemüht, dessen Verbindung mit dem Lande abzuschneiden. Der König Ferdinand hatte mit den Cortes von Sevilla 14. Juni nach C. gehen müssen. Der Versuch eines Ausfalls, 16. Juli, mißlang mit beträchtlichem Verluste. Indes nötigte der kräf He Widerstand den Herzog von Angouléme, das Belagerungsheer auf 20000 Mann zu verstärken und die Belagerung im Verein mit der Blokkade unter Admiral Duperré nachdrücklicher zu betreiben. Am 31. Aug. nahmen die Franzosen Trocadero und das Fort San-Luis unter schwerem Kampfe mit Sturm. übeschiebe konnte man die Stadt selbst erst wirksam beschießen. Die Einnahme des Fort San-Pedro am 20. und das Bombardement, welches 24. Sept. die Flotte, vom Winde begünstigt, vollzog, brachten dem Ziele näher. Die persönliche Erscheinung des Königs Ferdinand 1. Okt. zu Puerto-Sta.⸗Maria hatte endlich den Ausspruch der Auflösung der Cortes zur Folge und entschied den Fall von C., das 3. Okt. den Franzosen seine Thore öffnete. C. war auch Ausgangspunkt der Revolution von 1868, wo 17. Sept. der Admiral Topete an Bord des Schiffes Zaragoza die Fahne der Empörung erhob und in einem Aufruf die Bewohner von C. zur Unterstützung seiner Pläne Prim au Noch an demselben Tage traf General Prim auf dem Schiffe Topetes ein. Am 18. Sept. ließ Topete den Platzkommandanten auffordern, sich zu ergeben, was dieser auch nach einigem echint, that. Die Marine-Infanterie wurde ausgeschifft, worauf sich auch die Artillerie des Platzes und die Bürgergarde dem Aufstande anschloß. Unter dem Vorsitze von Topete bildete sich eine Junta und General Rivera übernahm das Kommando der Stadt. Als am folgenden Tage noch mehrere andere Generale zu C. eingetroffen waren, erließen dieselben mit Topete und Prim ein gemeinsames Manifest, in welchem sie der Regierung der Königin Isabella den Gehorsam aufkündigten. (S. Spanien.) Oadmia (lat.), der Galmei, genannt nach Kadmus, dem Gründer Thebens, welcher die Griechen mit diesem Metall bekannt gemacht haben soll; C. fornäcum, Ofenbruch (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 809Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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