Canstatt (Karl Friedr.), Mediziner, geb. 11. Juli 1807 in Regensburg, besuchte das Gymnasium zu München, studierte seit 1823 zu Wien, Würzburg ißt, sind unter K aufzusuchen. 58 * und Heidelberg Medizin und ließ sich 1831 in seiner Geburtsstadt als Arzt nieder. Um die Cholera zu beobachten, begab er sich 1832 . hierauf nach der Schweiz und endlich nach Brüssel, wo ihn die belg. Regierung mit der Errichtung eines Cholerahospitals in Houlay beauftragte. Nachdem er fünf Jahre als praktischer Arzt in Brüssel gewirkt, noch einige Zeit sich in Paris aufgehalten hatte, kehrte er in das Vaterland zurück, wo er 1838 zum Gerichtsarzt und Mitglied des Kreis-Medizinalausschusses zu Ansbach, 1843 zum enhause der mediz. Klinik und Direktor des Krankenhauses in Erlangen ernannt ward. Hier starb er 10. März 1850. Von C.s wissenschaftlichen Arbeiten ist, außer den Monographien über die Choleraepidemie, die Brightsche Krankheit und die Krankheiten des Greisenalters, besonders Die spezielle Pathologie und TDherapie vom klinischen Standpunkter (4 Bde., Erlangen 1841—42; 2. Aufl. 1843—48) hervorzu-Winer Ein dauerndes Verdienst um die mediz. issenschaften hat er sich jedoch durch den« ahresbericht über die Fortschritte der gesamten Medizinerworben, den er seit 18⁴² herausgab, und der nach seinem Tode von Eisenmann, Friedreich, Scherer, Virchow u. a. fortgesetzt wurde. ö Stifter der nach ihm benannten ibelanstalt zu Halle, geb. 4. Aug. 1667 auf dem Lindenberg bei Fürstenwalde in der Mark Brandenburg, studierte in Frankfurt a. O. die Rechte, unternahm dann eine längere Reise und wurde 1689 von Kurfürst Friedrich III. zum Kammerjunker ernannt. Doch nahm er bald semen Abschied, ging 1692 als Volontär zu den brandenb. Truppen nach Flandern und machte den Feldzug gegen Frankreich mit. Während einer schweren Krankheit vollzog sich seine Bekehrung zu pietistischen Anschauungen. Er verließ den Ichte feitd zog sich in den Privatstand zurück und lebte seitdem mit geringen Unterbrechungen in Berlin. Hier wurde er mit Spener bekannt und —7 diesen mit den Mitgliedern der theol. Fakultät der neu errichteten Universität zu Halle, namentlich mit Francke. Sein Streben richtete sich seitdem namentlich darauf, die Bibel möglichst weiten Kreisen des Volks zugänglich zu machen. n dem Ohnmaßgebenden Vorschlag, wie Gottes Wort den Armen zur Erbauung um einen geringen Preis in die Hände 10 bringen seis (Berl. 1710), legte er seine Gedan en dem Publikum vor. Er entschied sich für eine Bibelausgabe mit stehenden Lettern, forderte zu aße an Beiträgen auf, und da solche in reichem Maße eingingen, so legte er in Verbindung mit Francke noch in demselben Jahre rüstig Hand an das Werk und hatte die Genugthuung, schon 1713 das erste mit astehenbleibenden Letterno gedruckte Neue Testament erscheinen zu sehen. Die ganze Bibel folgte 1716 in kleinerm, 1717 in größerm Format nach. Bibelausgaben in poln. und böhm. Sprache erschienen 1722. So ward die Cansteinsche Bibelanstalt begründet, die im Laufe der Zeit sich immer mehr erweiterte, zunächst dur Errichtung einer eigenen Druckerei (1735), sodann durch Vermehrung der Bibelausgaben, endlich durch Beschaffung von Schnellpressen und Stereotypen. Ihr Absatz kann jährlich auf 40000 Bibeln und auf 10000 Neue Iannat wer (teils mit, teils ohne Psalter) veranschlagt werden. Seit' ihrer Gründung bis Ende 1881 wurden 6226919 Exemplare gedruckt, darunter ungefähr 100000 Bibeln und Neue Testamente in böhm., poln., litauischer und niederlaus.⸗wendischer Sprache. C. starb 19. Aug. 1719. Fast sein ganzes bedeutendes Vermögen hat er zum Besten der Franckeschen Anstalten verwendet. Außer dem bereits angeführten Vorschlag⸗ schrieb er Harmonie der vier Evangelien⸗ (Halle 1718) und Leben Spenersv (Halle 1729). Vgl. Plath, Karl Hildebrand, Freiherr von C.v (Halle 1861);: Bertram „Geschichte der C.schen Bibelanstalts (Halle 1863J. Wichtige Materialien über C. finden sich in dem Werke G. Kramers: «August Hermann Francke. Ein Lebensbilde (2 Tle., ů„ 1880—82). 0 uchele. „Jargon, Rotwelsch; salbungsvolle euchelei. Cautabile (ital.), d. h. sangbar, bezeichnet im allgemeinen er Menschensinme ießende einer Melodie, wie es der Menschenstimme vorzugsweise zusagt, im Gegensatz zum Passagenwerk und der figurierten Ausführung, die sich mehr für Instrumente eignet oder 0 diesen nachgebildet ist. Man nennt deshalb auch so ganze Stücke, die urch eine einfache sangbare Melodie gleichsam getragen werden. Dieser ansecr e Teil oder diese Stimme an sich, abgesehen von der brigen Harmonie, heißt