Cawnpore lengl.), Känpur oder eigentlich Kanhapur, wichtige Militärstation und Hauptstadt eines gleichnamigen Distrikts der zu der Lieutenant-Gouverneurschaft der Nordwestlichen Provinzen der indo-brit. Präsidentschaft Bengalen gehörenden Abteilung Allahabad. Die eigentliche, auf dem rechten Ufer des Ganges gelegene Stadt, eine eingeborene Bevölkerung von 60000 Seelen zählend, ist unregelmäßig gebaut, hat enge,s chmutzige Straßen und keine erwähnenswerten öffentlichen oder Privatgebäude, ist aber nicht ohne Betriebsamkeit und stets zunehmenden Handelsverkehr. Auf den Bazars werden alle Handelsartikel aus Europa, China und Indien feilgeboten, und die in C. verfertigten Juwelier-und Lederarbeiten sind berühmt. Das größte Leben und Treiben findet an dem Ghat oder der Landungstreppe statt, wo fortwährend viele Fahrzeuge jeder Art und Größe anlegen, nißt, sind unter K aufzusuchen. zumal der Ganges bis C. auch für große Flußschiffe befahrbar ist. Von der Stadt getreunt breitet sich am Ganges das sehr großartig angelegte, aus verschiedenen Abteilungen für die einzelnen Regimenter und Truppenarten bestehende, von breiten, rechtlinigen Straßen durchschnittene Kantonnement aus, in welchem gegenwärtig 10 754 Mann, worunter 1280 Europäer, garnisonieren. Hinter demselben hat der zählreiche, von einer brit.⸗ind. Heeresabteilung nicht zu trennende Troß seinen Wohnsitz aufgeschlagen. Diesen letztern sowie die Garnison mitgerechnet, ergibt sich für C. (1881) eine Gesamtbevölkerung von 119603 Seelen. Das Klima von C. gilt nicht für ganz so gesund wie das einiger anderer großer Garnisonsorte in den Nordwestlichen Provinzen, namentlich das von Mirat. Es zeigt namentlich einen großen Unterschied zwischen der Tages⸗ und Nachttemperatur. Während der kalten Jahreszeit sind Nachtfröste gar nicht selten. Die Umgegend von C., obwohl sich nicht durch Fruchtbarkeit des Bodens auszeichnend, ist doch gut angebaut und bringt ind. und europ. Früchte und Gemüse in großer Menge hervor. Alle Bazars sind mit ihnen, wie mit Fischen, Fleisch, Wildbret u. s. w. überfüllt. Kaum früher als 1777, wo die Engländer daselbst zuerst eine Militärstation gründeten, ist C. genannt worden. Eine traurige Berühmtheit erlangte dasselbe durch die Greuelscenen, welche daselbst im Mai und Juni 1857 zu Anfang des Sipoy-Aufstandes stattfanden und bei welchen der engl. General Sir Hugh Wheeler, 100 Offiziere, 210 Soldaten sowie 590 andere Engländer, Frauen und Kinder auf Anstiften des Maharattenhäuptlings Nana-Sahib von Bitthore auf die grausamste Weise ermordet wurden. Erst 17. 5 gelang es den Engländern unter General Henry Havelock, sich C.s wieder zu bemächtigen, worauf unter General Neil ein blutiges Strafgericht über die Aufständischen stattfand. C. wird von dem East-Indian-Railwäy und dem nach ihm benannten Zweige des den obern und den mittlern Lauf des Ganges miteinander verbindenden sog. Ostlichen Gangeskanals berührt.