FeedClay (Henry)
AllerleiBrockhaus 1882

Clay (Henry), einer der ausgezeichnetsten amerik. Staatsmänner, wurde 12. April 1777 in Hanover-County in Virginien geboren, verlor noch als Kind seinen Vater, der ein armer Prediger war, und erhielt nun als Waise bei einem Advokaten eine notdürftige Erziehung. Im Alter von 19 J. widmete er sich dem Studium der Rechte, und ein Bald später fing er schon die Rechtspraxis an. Bald nachher ging er nach Kentucky und ließ sich in Lexington nieder. Hier erwarb er sich solchen Einfluß, daß er 1803 als Repräsentant in die Gesetzgebende Versammlung und 1806 auf ein Jahr als Senator in den Kongreß nach Washington gewählt wurde. Nach Hersan Rückkehr versah er in der Gesetzgebenden Versammlung von Kentucky zwei Jahre das Amt des Sprechers. Im J. 1809 wurde C. zum zweiten mal auf zwei Jahre als Senator nach Washington gesandt, 1811 als Repräsentant in den Kongreß gewählt und mit großer Mehrheit zum Sprecher ernannt und 1814 als einer der Kommissare zur Abschließung des Friedens nach Gent geschickt, von wo aus er sich mit den Kollegen, Adams und Gallatin, nach Lonon begab. Nach seiner Rückkehr trat er wieder in den Kongreß, wo er mit unermüdlichem Eifer für die Unabhängigkeit der südamerik. Kolonien kämpfte und den Kongreß zu der Erklärung bewog, daß er jede Einmischung der europ. Großmächte in die innern Angelegenheiten Südamerikas als eine Kriegserklärung gegen die Vereinigten Staaten ansehen würde. Ebenso 9.8 er das berühmte Missouri-Kompromiß durch, das bei Gelegenheit der Aufnahme Missouris in die Union bestimmte, daß die Sklaverei fortan nur im Süden des 36. Breitengrades erlaubt sei. Bei der Präsidentenwahl von 1824 trat er mit Crawford, Adams und Jackson als Kandidat auf. Da keiner der Kandidaten gewählt war, ging die Wahl ans 9n O. und hier setzte C.s Einfluß die Wahl von John Q. Adams durch. Dieser ertumd ihm nun das Staatssekretariat (Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten). Als 1829 Jackson auf den Präsidentenstuhl kam, wurde C. als Senator des Staates Kentucky in den Kongreß gewählt, wo er anfangs mit Dan. Webster, später mit John C. Calhoun als Führer der Opposition auftrat. C. war eifriger Anhänger des Systems der hohen Eingangszölle zum Schutze amerik. Manufakturen; auch wurde er der Aantionaloan der von Jackson heftig angegriffenen Nationalbank, kurz einer der Gründer der Whigpartei. Bei der Präsidentenwahl von 1836 war C. der von den Whigs aufgestellte Kandidat, unterlag jedoch gegen den Demokraten Van Buren. Hierdurch entmutigt, ließ ihn seine Dannt 1840 im Stich und wandte ihre Stimmen dem General Harrison zu. Nach dem Tode Harrisons kehrten zwar die 13 121 ur Fahne C.s zurück, aber Eolkoberder erhielt der demokratische Kandidat Polk bei der Wahl von 1844 die Majorität, und C. zog sich, wegen seiner Oppobenn gegen die Annexion von Texas und gegen en mexik. Krieg abermals als Prästdentschaftskandidat unterliegend, für längere Zeit von dem polit. Schauplatze auf sein Landgut Ashland zurück. Als 1849 ein Konflikt zwischen dem Norden und Süden über die Bestimmung des durch den mexik. Krieg erworbenen Ländergebiets hereinzubrechen drohte, ließ sich C. wieder von Kentucky in den Senat wählen, um hier als Friedensstifter aufzutreten. Er brachte im Laufe der Sitzung das bekannte Kompromiß zu Stande, wonach der Süden als Gegengabe für geringe Zugeständnisse das berüchtigte Jagdgesetz gegen flüchtige Sklaven erhielt. C. starb 29. Juni 1852 in Washington. Er war ein edler Charakter, ein tüchtiger Parteiührer, der sich stets an die bessern Impulse der assen wandte, aber in solchen Lagen nachgiebig und weich, wo nur die rücksichtsloseste Energie durchdringen konnte. C.s Biographie schrieb Colton (2 Bde., Neuyork 1845), welcher auch dessen Reden und Briefwechsel (6 Bde., Neuyork 1857 neue Aufl. 1864) herausgab.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 445Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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