FeedCollaps
HeilkundeBrockhaus 1882

Collaps (lat., collapsus, Verfall) nennt man in der Medizin eine eigentümliche, im wesentlichen auf einer plötzlich eintretenden großen Schwäche der Herzthätigkeit beruhende Störung des Gesamtorganismus. Dieselbe kommt im Verlaufe schwerer fieberhafter Krankheiten, bei der Cholera, bei chronischen Herz⸗ und Lungenleiden, welche mit fettiger Entartung des Herzfleisches verbunden sind, vor und charakterisiert sich durch raschen Verfall der Kräfte und auffallende Abweichungen der Eigenwärme. Der C. beginnt meist mit einer beträchtlichen örtlichen Verminderung der Eigenwärme; in den leichtern Graden fühlen sich die peripherischen Teile des Kranken (Nasen, Ohren, Hände, Füße) kalt an, in den schwerern liegt der Kranke bleich, eingefallen, mit entstellten Zügen, eiskalt und leichenähnlich da, mit kleinem, kaum merklichem Puls und kaum merklicher Atmung; dabei ist die Temperatur der innern Organe entweder gleichfalls vermindert oder unter Umständen bis zu den höchsten überhaupt vorkommenden Graden gesteigert. Dieser Zustand geht entweder nach einigen Minuten ohne Nachteil wieder vorüber oder dauert Stunden, selbst Tage lang (Cholera) oder führt unerwartet und rasch durch Herzlähmung zum Tode. Deshalb ist der C. unter allen Umständen als ein nicht unbedenkliches Ereignis zu betrachten, welches die größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit beansprucht. Begünstigt wird sein Eintreten durch körperliche Anstrengungen, heftige Gemütsbewegungen und Schmerzen, durch Erbrechen, starke Diarrhöen und beträchtliche Blut- und Säfteverluste; bei manchen, insbesondere blutarmen Kranken vermag bisweilen schon das Aufrichten im Bett Ohnmachtsanwandlungen und C. zu erzeugen. Die Behandlung besteht hauptsächlich in der Anwendung stark excitierender Mittel aus der Reihe der sog. Analeptika (s. d.), welche direkt die Herzthätigkeit anregen, insbesondere in der Darreichung von starkem Wein, Cognac, Glühwein, starkem Kaffee, Kampfer, Moschus u. s. w., sowie bei fieberhaften Krankheiten in der möglichst frühzeitigen energischen Bekämpfung des Fiebers, da jede anhaltende beträchtlichere Steigerung der Eigenwärme außerordentlich schwächend auf die Herzmuskulatur einwirkt und somit leicht das Eintreten von C. herbeiführen kann. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 502Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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