FeedColoradokäfer
TierreichBrockhaus 1882

Coloradokäfer wird nach seiner Heimat in den Felsengebirgen (Rocky Mountains) im Westen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, namentlich in den Thälern des Coloradoflusses, ein Käfer, Doryphora (oder Leptinotarsa) decem-lineata, genannt, welcher als Larve das Laub der Solaneen, besonders der Kartoffeln, total abfrißt und dadurch deren Wachstum vernichtet. Daher heißt er auch vorzugsweise Kartoffelkäfer, amerik. (Potatoe Bugo. Er gehört zur Familie der Blattkäfer und hat die Größe eines gewöhnlichen Frauenkäfers (Chrysomela), seine Flügeldecken sind gelblich-weiß und auf jeder Hälfte mit fünf, im ganzen mit zehn schwarzen Längenstreifen versehen; er ist daher ziemlich leicht zu erkennen. Die Weibchen legen bis 1000 Eier und darüber, aus welchen sich braun-aoder gelbrote Larven mit schwarzem Kopfe und schwarzen Beinen entwickeln, die sich, sobald sie ausgewachsen sind, in die Erde bohren und in gleichfarbige Puppen verwandeln. Man zählt 3—4 Generationen im Laufe eines Sommers. Die Larven des C. sind die Zerstörer der Kartoffelpflanze, deren Blätter sie vollkommen abfressen, sodaß die Stöcke alsbald eingehen mussen. Da sie in Milliarden auftreten, so ist der Schaden, den sie anrichten, ßt, sind unter K aufzusuchen. ein ganz ungeheuerer. Sie haben die Kartoffelernten der westl. Staaten Nordamerikas seit Jah-t ren dermaßen vernichtet, daß man in vielen Distrik-d ten den Anbau der Kartoffeln an Mittel daber hat. e Alle bisher gegen sie versuchten Mittel haben sich unzulänglich erwiesen, so das Ablesen der Eier von t den Blättern, der Larven (wozu man eigentümliche mechan. Apparate erfunden hat), das Überstreuen ! mit Atzmitteln u. dgl. Unter den letztern hat sich i bisher arseniksaures Kupfersalz, sog. Scheelesches oder Pariser Grün, am besten bewährt; da dasselbe i jedoch ein heftiges Gift ist, so ist dessen Anwendung nur mit äußerster Vorsicht ratsam. Unaufhaltsam ist der C. im Laufe seit 1860 von Westen gegen Osten vorgeschritten; er legt jährlich ungefähr 80 EKm zurück, überall eine permanente Kolonie gründend, und hat gegenwärtig schon die Staaten der atlantischen Küste erreicht. Das Verdienst, die europ. Regierungen zuerst auf die herannahende Gefahr, welche bei dem großen Kartoffelexport Nordame⸗⸗ rikas eine sehr dringliche war, aufmerksam gemacht 10 haben, gebührt dem Naturforscher J. J. von Tschudi, eidgenössischem Gesandten in Wien. Infolge seines Cirkulars im Frühjahr 1875 versuchten die meisten Staaten Europas sich durch ein Verbot der Einfuhr amerik. Kartoffeln dagegen abzuschließen. Im J. 1877 trat der Käfer sowohl in der Nähe von Mülheim am Rhein als bei Torgau auf, ohne daß die Art und Weise, auf welche derselbe dorthin gelangt, ermittelt werden konnte. Infolge der sofort seitens der preuß. Regierung angeordneten Maßregeln wurde aber der Käfer und seine Brut vertilgt und ist seitdem in Deutschland nicht wieder beobachtet. Nach Havenstein (ogl. Havenstein, Der C., seine Lebensweise und seine Bekämpfung in Deutschlando, in Fühlings Landwirtschaftliche Zeitungo, 1877) bestehen die sichersten Vertilgungsmittel in folgenden Maßnahmen: Absuchen der Käfer, Eier und Larven von dem Kartoffelkraute auf den heimgesuchten Ackern, Umgeben der betreffenden Stellen mit einem steil⸗ und glattwandigen Graben, Besprengen der Grabenränder und des Krautes mit rohem Benzol, Abschneiden des Krautes und Einstampfen desselben in die Erde, Umgraben des von dem Graben begrenzten Ackerstücks auf 25 em Tiefe, sorgfältiges Durchsuchen des letztern nach Puppen und schließliches Besprengen des umgegrabenen Landes mit Benzol. Vgl. die vom königl. preuß. Ministerium für Landwirtschaft herausgegebene, mit Abbildungen versehene Beschreibung des Käfers: Der Kartoffel- oder Coloradokäfert (Berl. 1875); A. Gerstäcker, Der C. und sein Auftreten in Deutschlando (Kassel 1877). (Vgl. Iui Iten) Schädliche Insekten bei Artikel nsekten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 517Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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