Blenden der Lock-Vögel, Wird am füglichsten, zwischen Michaelis und Martini vorgenommen, und heisset, ihnen mit einem glüenden Eisen oder Drat das Gesicht benehmen, damit sie in ihrem Bauer nicht hin und wieder flattern, sondern fein stille sitzen, und durch keinen äusserlichen Gegenstand verhindert werden mögen, zu allen Zeiten und an allen Orten, wenn es nur gut Wetter ist, ihren Lockgesang an zustimmen und zu wiederholen. Man pfleget mehrentheils nur die Fincken zu blenden. Es wird damit also verfahren: Wenn man im Herbste einen Fincken gefangen, sperret man ihn in seinen Kefich ein, und läßt ihn wenigstens drey Wochen lang ruhig darinnen, damit er gewohne, und seine Speise und Tranck zu finden wisse. Sodann macht man einen eisernen Drat glüend, der vorne an der Spitze ein Knöpflein, wie ein Hirse-Körnlein groß, haben, aber nichts von Stahl bey sich führen soll, und hält dem Fincken denselben in und auf das Auge, bis es wässert, so wächset mit der Zeit ein dickes Häutlein drüber. Etliche halten nur ein grosses glüendes Eisen vor die Augen, daß sie ihnen davon erstarren; es ist aber besser mit dem Drate. Dahingegen andere beyde Augen zugleich blenden, um dem Vogel die Schmertzen zu verkürtzen. Nach dem Brande muß man ihnen die Augen mit kühlenden und heilenden Sachen, und zwar am besten mit durch einander gerührten Safran und Eyerweiß bestreichen, bis sie wieder heil werden. Sobald sie geblendet worden, muß man sie nicht stille sitzen lassen, sondern mit einem zarten Rüthlein immer hin und wieder treiben; denn diese Bewegung verhütet, daß sie nicht so leichte umstehen: Wenn sie aber gar zu matt werden, daß sie nicht essen und trincken wollen; so netze man eine Feder in rein Brunnen-Wasser, halte es ihnen öffters vor das Schnäblein, bis der grosse Schmertz vorüber, und sie das Geäse wieder finden können. Ein solcher Vogel, wenn er davon kommt, dauret hernach viele Jahre aus.