Cremien, Stadt im franz. Oepart. Isere, Arrondissement La Tour-du-Pin, 33 Km im NW. von diesem Orte, 5 kmevom linken Rhöneufer entfernt, am Fuße des 429 m hohen Annoisin und an der Eisenbahn Lyon-St.⸗Genix, mit 2300 E., Tuch⸗ und Leinenfabriken. Dabei sind die Eisenwasser der uell⸗ Rouge beim Schlosse St.⸗Jullin, die starke uelle Bourbouillon beim alten Castel de la Mure und die schönen Schluchten der Fusa, wo der Bach von C. zwischen bewaldeten Höhen hinfließt, voller Grotten, aus denen Quellen hervortreten. Crémieux (Isaac f17 franz. Jurist und Staatsmann, geb. 30. April 1796 zu Nimes, von jud. Abstammung, studierte, nachdem er seine Vorbildung zu Paris erlangt, die Rechte zu Aix, wo er 1817 Advokat wurde und bei mehrern polit. Proessen viel Talent entwickelte. Nach 1830 an Odilon arrots Stelle zum Advokaten beim Kassationshofe in Paris ernannt, machte er sich hier einen populären Namen als Hauptverteidiger der in Preß- und Kriminalprozesse verwickelten Oppositionsschriftsteller und Demokraten. C. trat 1842 als Abgeordneter des Wahlbezirks von Chinon in die Kammer und ward auch 1846 wiedergewählt. Ohne mit der Julimonarchie zu brechen, führte er einen heftigen Kampf gegen das Guizotsche Ministerium und förderte kräftig die Reformbewegung. Nach der ebruarrevolution von 1848 wurde er Mitglied der rovisorischen Regierung und übernahm dann das ustizministerium. Als Repräsentant des Depart. ndre-et-Loire in der Konstituierenden Versammu trennte sich C. bei ISgareaher we nicht von der ne Seen Linken, zeigte aber wenig Symathie für die Regierung des Generals Cavaignac, ondern begünstigte die Kandidatur des Prinzen Ludwig Napoleon. Nach dessen Wahl zum Präsidenten 10. Dez. näherte sich jedoch C. der Bergpartei und war einer der eifrigsten Oppositionsredner. Zur Gesetzgebenden Versammlung wiedergewählt, bekämpfte er mit aller Macht die Koalition der alten monarchischen Parteien, machte aber auch der Politik des Präsidenten keine Zugeständnisse und beschränkte sich nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 auf seine Advokatenpraxis. Durch den Sturz des zweiten Kaiserreichs 4. Sept. 1870 zum zweiten mal in die Regierung berufen und abermals als Justizminister, wurde er von der Regierung der nationalen Verteidigung 12. Sept. nach Tours gesandt, um dort die Verwaltung der nicht vom Feinde besetzten Provinzen mit Hilfe eines Delegaten von jedem Ministerium zu leiten. Das wichtigste Dekret, das auf seine Initiative die Delegation erließ, war das vom 24. Sept. 1870, welches Algerien in drei Departements teilte und den dortigen eingeborenen IJuden das franz. Bürgerrecht erteilte. Seit Febr. 1871 war er Abgeordneter von Algier in der Nationalversammlung zu Bordeaux und Versailles, und wurde von dieser Versammlung im Dez. 1875 zum lebenslänglichen Mitgliede des Senats gewählt. C. war Begründer und Vorstandsmitglied der Alliance israélite universelle und starb 10. Febr. 1880 zu Passy. Unter seinen Schriften ist hervorzuheben: 4Gouvernement de la défense nationale, actes de la délégation de Tours et de Bordeaux, ministère de la justicep (2 Bde., Tours 1871). Cremomẽter (frz.)sind Instrumente zum Messen der von der Milch in einer bestimmten Zeit aufgeworfenen Rahmmenge. Im besondern bezeichnet man mit C. den von dem Franzosen Chevallier konstruierten Wte welcher aus einem Glascylinder von 4em Weite und etwa 20 em Höhe besteht, auf der rmißt, sind unter K aufzusuchen. Außenseite eine eingebrannte Skala besitzt, welche in einer Höhe von w15 em vom Boden mit dem Nullpunkte beginnt und die abgeschiedene Rahmschicht in einzelnen W abzulesen gestattet. Ist die Bestimmung des Fettgehalts der Milch auf Grund des gebildeten Rahmvolumens auch keine sichere, so ist das Chevalliersche C. doch, da es bei der Milchprüfung im Verein mit dem Lactodensimeter sehr gute Dienste leistet, ein empfehlenswertes nstrument. Vgl. Kirchner, «Handbuch der Milchwirt-Eremona, Hauptstadt der ital. Provinz gleiches Namens (1778 akm mit 11881] 302 064 C.), zwischen den Flüssen Adda und Oglio am Po, über welchen eine Schiffbrücke sührt, und an der +.— Brescia-Pavia, die hier nach Mantua und Treviglio abzweigt, Sitz des Präfekten und eines Bischofs, hat ein festes ntuhe breite, unregelmäßige Straßen, schöne öffentliche Plätze, schöne Häuser, große Paläste, Kaserne, Hospitäler und zwei Hospize und zählt (1881) 31 930 C., eine für die Größe der Stadt geringe Bevölkerung. Ein Kanal, der den Po und Oglio verbindet, geht zum Teil unter den Häusern hin. C. hat 44 Kirchen, ehemals 87, und viele Klöster. Die Domkirche, im german.⸗lombard. Stil 1107—90 erbaut, ist eine ungeheuere Steinmasse mit einer Vorderseite von schönem, weißem und rotem Marmor und prächtiger Rose. Das säulenreiche Innere derselben zieren gute Freskogemälde. Von dem berühmten, 121 m hohen Glockenturme (Torrazzo, dem höchsten Turme Italiens, 1261 —88 erbaut) übersieht man fast den ganzen Stromlauf des Po durch die weiten Ebenen der Lombardei. Die Seidenmanufakturen des Orts sind sehr beträchtlich, auch die für Wolle und Baumwolle, Hüte, berühmte Konfitüren (Torrone) und die Cremoneser Violinen waren lange Zeit unter allen die vorzüglichsten. — Eine röm. Kolonie gründete die Stadt gegen den andringenden SenGon 219 v. Chr, welche aber fortwährend von den Galliern viel leiden und deshalb 192 v. Chr. ergänzt werden mußte. Sie erhielt später die Rechte eines Municipiums und hob sich immer mehr durch Handel. Auch ward daselbst ein Amphitheater erbaut, welches an Größe alle übrigen in Oberitalien übertraf. Nach der Niederlage der Anhänger des Vitellius (69 n. Chr.) fiel die Stadt in die Hände des Feldherrn Vespasianus, der sie von Grund aus zerstören ließ. Zwar wurde sie nachher wieder aufgebaut, erreichte aber erst in der one der ital. Freistaaten wieder einen Grad von Bedeutung. Hen Grdt Visconti erstürmte sie 1322. Im 2 der sran Erbfolgekriege wurde zu C. 2. 7. 1702 der franz. Marschall von Villeroi durch die H1Uu+ unter Prinz Eugen bei einem nächtlichen Uberfalle gefangen genommen. C. wurde 1733 von Franzosen und Piemontesen genommen, 25. *+* 1736 aber wieder geräumt. Nach der Einnahme der Stadt durch die Franzosen 17. Mai 1796 gehörte sie zur Cisalpinischen Republik, dann zu Italien, seit 1815 zu Osterreich und seit 1859 zu Italien. Eremona (Luigi), Mathematiker, geb. 7. Dez. 1830 zu Pavia, nahm an den ital. Unabhängigkeitskriegen 1848—49 bis zur lbergabe Venedigs lebhaften Anteil, worauf er an der Universität seiner dals w. Mathematik studierte. Als Lehrer seines Fachs war er am Untergymnasium von Cremona, am Obergymnasium von Mailand, an der Universität von Bologna und am höhern technischen Institut von Mailand thätig, bis er 1873 als Professor der höhern Mathematik an die röm. Universität berufen wurde und die Leitung des Polytechnikums daselbst überkam. C. ist Senator des Königreichs. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: Le figure reciproche nella Statica grafica (Mail. 1872; 3. Aufl. 1879), Elementi di geometria projettiva (Tur. 1878), Elementi di calcolo grafico (Tur. 1874; deutsch von Curtze, Lpz. 1875). Oremor tartäri oder Weinsteinrahm wurde ursprünglich das von selbst gebildete Pulver des Weinsteins (s. d.) genannt. Wenn der rohe Weinstein, wie er aus einfässern ausgeschlagen worden, mit Wasser und Klärmitteln gekocht und die Lösung noch siedend heiß durchgeseiht wird, sondern si * erst die Unreinigkeiten davon ab. Dann steigt der auf diese Art gereinigte Weinstein in feinzerteilter Form (wie Rahm auf der Milch) in dem Kessel in die Höhe, worauf er abgeschöpft und getrocknet wird. Ein anderer Teil krystallisiert (Weinsteinkrystalle, Crystalli tartari), und dieser wird erst durch Mahlen in C. umgewandelt. Jetzt macht man zwischen beiden Arten keinen Unterschied mehr. Je härter, glänzender und von erdigen Teilen freier der Weinsteinrahm ist, desto besser ist er. Er dient alcesle in der Medizin als kühlendes, säuerlichsalziges, gelind abführendes Mittel, besonders 9er Kongestionen. Der C., jetzt meist Tartarus depuratus genannt, ist doppeltweinsaures Kali (Kali bitartaricum) und bildet in krystallisierter Form das Material, aus welchem man fabrikmäßig die Weinsäure darstellt. Eremutius Cordus (Aulus), ein röm. Ge0 icte des hn im 1. daheh n. Chr., schrieb die Gei te des Untergangs der röm. Republik und der Gründung der Monarchie mit großem Freimut in republikanischem Sinne. Er rühmte Brutus und nannte Cassius den letzten Römer. Nachdem er Sejanus durch beleidigende Außerungen gereizt hatte, wurde er 25 n. Chr. wegen seines Geschichtswerts angeklagt und gab sich darauf selbst den Tod. Vgl. Erenelierte Mauern (v. frz. Crèneau, Schießscharte) sind mit Gewehrscharten versehene freistehende Mauern. Beim Festungsbau bedient man sich ihrer oft zur Verteidigung des Grabens, der Eingänge und überhaupt an Stellen, wo Infanteriefeuer von Wirksamkeit ist und die Mauer dem Artilleriefeuer des Angreifers entzogen werden kann. Die crenelierten Grabenmauern bilden zugleich das Hindernis, durch welches der Hauptwall seine Sturmfreiheit erhält. i sind an der Rückseite, wo der Verteidiger steht, Arkaden und Seiten die dem selben Schutz gegen Vertikal⸗ und Seitenfeuer gewähren. Man spricht dann von erenelierten Bogenmauern. Da die Grabenverteidigung besser aus flankierenden Stellungen bewirkt wird und die Scharten die Zerstörung durch feindliches Feuer erleichtern, so wendet man jetzt freistehende Mauern ohne Schießscharten an. Im Feldkriege creneliert man häufig die Umfassungsmauern von Gehöften u. s. w., um sie zu einer hartnäckigen Verteidigung in Stand zu setzen.