FeedCypern (grch. Kypros)
ErdkundeBrockhaus 1882

Cypern (grch. Kypros), Insel am östl. Ende des Mittelmeers, bis 1878 türkisch, dann unter gewissen Vorbehalten und gegen Garantierung ihrer asiat. Besitzungen von der Pforte an England abgetreten. Unter allen Inseln des Mittelmeeres ist C. dem Suezkanal und Agypten am nächsten gelegen, während es andererseits durch seine Lage am Eingang zum Meerbusen von Alexandrette auch dem Ausgangspunkt der projektierten Euphratbahn und somit der künftigen nächsten Verbindungslinie Englands mit Indien und Australien nahe liegt. Die Insel hat die Gestalt eines von W. nach O. gestreckten, aber vielfach eingebuchteten Rechtecks, welches gegen NO. die lange, im Kap des heil. Andreas (dem Vorgebirge Boosura der Alten) endende Halbinsel Karpas (Karpasia) aussendet. Bei einem Juseln des 3 von 9601 qkm nimmt C. unter den nseln des Mittelmeers die dritte Stelle ein. Nach den Untersuchungen der franz. Geologen Gaudru und Damour (1853) ist die Insel wahrscheinli erst nach der mittlern Tertiärperiode, jedoch nicht in allen Teilen gleichzeitig, aus dem Meere emporgestiegen. Längs der Nordküste, vom Kap Kormakiti (Krommyon) im W. bis zum Kap St.⸗Andreas im O., erhebt sich eine mauerförmige Kalksteinkette mit dürftiger Vegetation und zahlreichen Gipfeln, die im westlichern Teile die bedeutendste Höhe (990 m) erreichen. Dieser parallel durchstreicht den Süden der Insel, das Gestade selbst nur in Seitenverzweigungen berührend, die mächtige Gebirgskette des Olymp mit den reizendsten Thälern, der ae Monate m Waldvegetation und zahlreichen, einige Monate mit Schnee bedeckten domförmigen Kuppen. Die drei Haupterhebungen dieses Gebirgszugs (von W. nach O.) werden jetzt Troodes (2018 m), Machera (1442 m) und Stavros oder St.⸗Croce (1740 m) genannt. Zwischen den beiden Hauptgebirgsketten breitet sich die Centralebene Messaria aus, welche der am Olymp entspringende, etwa 150 km lange Hauptfluß C.s, der Pediäos (jetzt Pidias), von W. gegen O. durchströmt, ein nicht sehr wasserreicher Fluß, der von S. her den Bach von Idalia (vielleicht den Aoos der Alten) aufnimmt. Das Klima ist mild und gesund, die Vegetation des fruchtbaren Bodens reich und üppig, der Anbau desselben aber sehr vernachlässigt und die Insel ein Land voll Trümmer. Erdbeben, Kriege, verheerende Krankheiten und die barbarische Türkenherrschaft haben dazu beigetragen, die Insel zu entvölkern. Die Zahl der Bewohner, die im Mittelalter über 1 Mill. betragen haben soll, beläuft sich nach einer Zählung von 1881 auf 235539, worunter 46389 Mohammedaner. Die übrigen gehören, mit Ausnahme von 3066 Katholiken, Juden und Protestanten, der griech. Kirche an. Der Erzbischof von C. ist das unabhängige, keinem Patriarchen unterworfene Haupt der Kirche dieser Insel und hat unter dem Beirat der übrigen drei Bischöfe von Baffo, Larnaka und Gerines, sowie einiger Laien das Abgabenwesen der christl. Bevölkerung und das Landesschuldenwesen zu ordnen. Die herrschende Sprache ist die griechische, die auch von den Türken gesprochen oder 5000 verstanden wird. Die Einwohner treiben Getreide⸗ und Gartenbau, gewinnen Baumwolle, Alizzari oder levantischen Krapp, Biuuhenu. s. w. Auch ist C. das Vaterland des Blumenkohls. Die Waldungen, welche aus Cedern, Pinien und Cypressen neben Eichen und Buchen bestehen, liefern ausgezeichnetes Bau⸗- und Nutzholz; die Viehzucht ist unbedeutend, ebenso die Bienen⸗ und Seidenzucht. Noch jetzt stehen in hohem Werte die Cyperweine, von denen der Commanderia der vorzüglichste. Sie sind, wenn sie aus der Presse kommen, rot, werden aber nach 0 bis e N Jahren 2.at nur eine Sorte, der sehr süße Muskateller, hat in den ersten Jahren eine weiße Farbe, wird je älter desto röter und nach Jahren dick wie Sirup. Anfangs werden diese Weine in verpichte Schläuche gefüllt, weshalb sie einen Ieim Nach geruch erst nach mehrern Jahren verlieren. Nach dem festen Lande kommen sie in Gebinden, müssen aber dann auf Flaschen abgezogen werden, wenn sie sich halten sollen. Die Insel ist ohne natürliche Häfen; dagegen besaß sie bereits im Altertum einen, unter Benutzung von vorgelegenen Sandbänken durch Molen hergestellten künstlichen Hafen bei — magusta, der später versandete, seit der engl. Besitznahme aber wiederhergestellt wurde. Ein zweiter künstlicher Hafen zu Limasol wurde 6. Okt. 1881 dem Verkehr übergeben. Gegenstände der Ausfuhr sind, außer Wein, auch Baumwolle, Südfrüchte, Salz, Weizen und Gerste. Seit der engl. Occupation zerfällt die Insel in die sechs Kreise Nikosia, amagusta, Larnaka, Limasol, Kerynia und Paphos. itz der brit. Regierung ist Larnaka (s. d. Geschichtliches. Im Altertum waren namentlich die Orte Paphos, Amathunt und Idalion berühmt als Kultusstätten der Aphrodite, einer ursprünglich semit. Göttin, deren Verehrung hauptsächlich von C. aus nach Griechenland gelangt war und welche daher Cypris (Andere oder Cypria (Kypria) genannt wurde. Andere nam-Laoa Städte waren Kition, Salamis, Keryneia, apathos, Soloi Marion und Kurion. In Hinsicht des Bodens war C. reich an Weizen, Wein, Feigen, Honig u. s. w., an Edelsteinen und andern wertvollen Mineralien, namentlich aber an dem nach der Insel benannten Kupfer, welches in den Hütten und Kupferhämmern bei Tamassos und Soloi bearbeitet wurde. Auch verfertigte man Teppiche und andere kostbare Webereien. Die ersten Kolonisten mißt, sind unter K aufzusuchen. 47 waren Phönizier; aber frühzeitig ließen sich auch griech. Einwanderer darauf nieder, durch welche Bewohner die ganze Insel hellenisiert wurde; die Bewohner sprachen einen altertümlichen griech. Dialekt, bedienten sich aber eigentümlicher He stiachun deren Entzifferung erst in der neuesten Zeit gelungen ist. König Amasis von Agypten unterwarf die Insel um 550 v. Chr., worauf sie unter Kambyses zugleich mit Agypten um 525 v. Chr. an die Perser überging. Wiederholte Versuche der Athener, die Insel der Perserherrschaft zu entreißen, hatten nur vorübergehend Erfolg; in den wichtigsten Städten, wie namentlich in Salamis, regierten einheimische Dynasten, die dem Perserkönig tributpflichtig waren, sich aber bisweilen fast ganz unabhängig von Persien machten, wie Euagoras I. von Salamis (410—-374 v. Chr.). Nach der Schlacht bei Issos mußte sich die Insel Alexander d. Gr. 332 v. Chr. unterwerfen, nach dessen Tode sie schließlich an Ptolemäus von Agypten kam. In den Händen der Ptolemäer blieb sie, bis die Römer den Besitz derselben 58 v. Chr. an sich rissen. Nach der Teilung des röm. Kaisertums blieb sie dem östl. Reiche unterworfen. Endlich empörte sich auf C. der Prinz Isaak Komnenos gegen den Kaiser Andronikos IJ. (1184) und hielt die Insel, bis Richard I. von England 1191 die Familie Lusignan mit der Insel belehnte. Nach dem Aussterben der Lusignans in der männlichen Linie kam Jakob, ein natürlicher Sprößling derselben, zur Regierung. Er hatte die Venetianerin Caterina Cornaro zur Gemahlin, die nach seinem Tode (1472) für ihren unmündigen Sohn die Regierung führte, 1489 aber sich genötigt sah, die Insel ihren Landsleuten, den Venetianern, zu überlassen. Diese blieben im Besitze, bis 1570 und 1571 die Feldherren Selims II., der Admiral Piali und Lala-Muhammed-Pascha, nach der tapfersten Gegenwehr des Marco Antonio Bragadino, der elf Monate lang Famagusta verteidigte, die Insel eroberten und mit dem türk. Reiche vereinigten. Im Juli 1832 besetzte Mehemed-⸗Ali von Agypten die Insel und wurde 1833 vom Sultan förmlich damit belehnt; 1840 kam sie wieder in Besitz der Pforte. Durch den Vertrag vom 4. Juni 1878 überließ die Pforte die n C.s an England. Näher bestimmt wurde das Verhältnis C.s durch den Anhangsvertrag vom 1. Juli 1878. Hiernach soll auf der Insel ein religiöser mohammed. Gerichtshof bestehen bleiben, welcher ausschließlich in religiösen Angelegenheiten der mohammed. Bevölkerung der Insel erkennt. Von dem Departement der frommen Stiftungen in der Türkei soll für die Insel ein mohammed. Resident ernannt werden, um in Gemeinschaft mit einem von England zu ernennenden Delegierten die Verwaltung des Vermögens der mohammed. religiösen Anstalten und Schulen C.s zu leiten. England verpflichtet sich den ganzen thatsächlichen überschuß der Einnahmen über die Verwaltungskosten der Insel jährlich an die Pforte abzuliefern. Am 11. Juli wurde die engl. Occupation C.s verkündet; 12. Juli ergriff Admiral Hay Besitz von der Insel und 22. Juli 1878 traf der zum Gouverneur der Insel ernannte engl. General Wolseley mit 1700 Mann in Larnaka ein. Seitdem hat sich namentlich der Handel der Insel gehoben. Große Raregen g wurden vorgenommen, energische Maßregeln gegen die Heuschreckenplage ergriffen und engl. Schulen gegründet. Litteratur. Engel, «Kypros „ (2 Bde., Berl. 1841); de Mas Latrie, XHistoire de l'ile de Cypre sous le règne des princes de la maison de Lusignan „ (2 Bde., Par. 1861-62); Unger und Kotschy, „Die Insel C.y (Wien 1865); Sassenay, 4Chypre, histoire et géographien (Par. 1878), Cesnola, 4«Cyprus; its ancient cities, tombs and temples (Lond. 1877; deutsch von Stern, Jena 1879), Löher, (C., Reiseberichte über Natur und Landschaft, Volk und Geschichtes (3. Aufl., Stuttg. 1879); Baker, (Cyprus as Isaw it in 18795 (Lond. 1879; deutsch von Oberländer, Lpz. 1880); Brown, KThreemonths in Cyprusy (Lond. 1880); Ohnefalsch⸗-Richter, Cyprische Reisestudiendo (in Unsere Zeitv, 1880, I) Herquet, «Cyprische Königsgestalten des Hauses Lusignan (Halle 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 739Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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