FeedDarmgeschwüre
HeilkundeBrockhaus 1882

Darmgeschwüre entstehen nicht selten im Verlaufe heftigerer Darmentzündungen (s. d.) entweder durch Verschwärung von Schleimhautdrüsen (der solitären Follikel, wie beim follikulären Darmkatarrh oder ganzer Drüsengruppen, wie der Peyerschen Drüsenhaufen beim Typhus) oder durch brandige Abstoßung diphtheritischer Schleimhautpartien (bei der Ruhr) oder durch Zerfall von Tuberkeln der Darmschleimhaut, wie dies häufig in den letzten Stadien der Lungenschwindsucht der Fall ist. Bei sorgfältiger Behandlung und zweckmäßigem diätetischen Verhalten heilen die meisten D., ohne nachteilige Folgen zu hinterlassen. Tiefgreifende Geschwüre können indessen leicht die höchst gefährliche Darmperforation erzeugen, indem sie auch die äußere seröse Haut des Darms durchbohren und damit den Austritt von Eiter, Flüssigkeit und Darminhalt in die Bauchhöhle veranlassen. Am häufigsten wird die Darmperforation beim Unterleibstyphus und der gefährlichen, durch Kotstauung oder fremde Körper (Kirschkerne u. dgl.) entstehenden Entzündung des Blinddarms und seines wurmförmigen Anhangs beobachtet. Ihre Folge ist fast immer eine allgemeine, rasch tödliche Bauchfellentzündung; eine Naturheilung 10 nur dann möglich, wenn vor dem Durchbruch durch eine langsam verlaufende sog. adhäsive Entzündung eine Verwachsung der benachbarten Darmschlingen miteinander erfolgt war. Auch kann die Vernarbung verheilender D. unter Umständen Darmverengerung (. d.) mit ihren lästigen und hartnäckigen Beschwerden zur Folge haben. lrung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 887Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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