Datüra L., Stechapfel, Pflanzengattung aus der Familie der Solanaceen. Ihre Arten, Kräuter oder Sträucher der gemäßigten und warmen Zone, haben gestielte, einfache Blätter und einzeln stehende Blüten mit röhrigem, prismatischfünfkantigem und fünfspaltigem Kelche und sehr langröhriger, trichter-oder trompetenförmiger Blumenkrone. Die Frucht ist eine große, weichstachelige oder glatte, mit vier Klappen an der Spitze aufspringende, im Grunde vierfächerige, vielsamige Kapsel. Alle Arten sind eithh indem sie in allen Teilen, insbesondere in den Blättern und Samen, ein überaus giftiges, in farblosen Prismen krystallisierendes Alkaloid, das Daturin, enthalten, welches indes nach neuern Untersuchungen mit dem Atropin (s. d.) identisch ist. Eine der giftigsten Arten, zugleich eine wichtige Arzneipflanze, ist D. Stramonium L., der gemeine Stechapfel. Diese, wie es scheint, aus den um das Schwarze und Kaspische Meer gelegenen Ländern stammende, jetzt in einem großen Teil Europas verwildert in Dörfern, auf Schutt, Komposthaufen, Kirchhöfen, Brachäckern u. s. w. vorkommende Pflanze ist einjährig, hat einen walzigen Stengel, gestielte, eiförmige, buchtig-grobgezähnte, fettglänzende Blätter und achselständige, kurz gestielte, große, milchweiße Blumen. Die stacheligen, länglichrunden Kapseln enthalten nierenförmige, schwarzbraune Samen. Die infolge des Genusses eintretenden Zufälle, welche häufig mit dem Tode endigen, sind ganz ähnlich wie bei der Belladonnavergiftung. Die Blätter (Folia Stramonii) sind offizinell; bis 1882 waren es auch die Samen (Semina Stramonii). Als Gegengabe bei Stechapfelvergiftungen dienen neben Brech- und Abführmitteln (Ricinusöl) fette Gle, Milch, Essig, Citronen⸗ und Weinsäure. Einige exotische Arten zeichnen sich durch prachtvolle Blumen aus insbesondere D. arborea L. und suaveolens H. Bonpl. Erstere, ein höher, selbst baumartig werdender Strauch mit großen eilanzettförmigen, länglichen Blättern und prächtigen, blendendweißen, wohlriechenden Blumen, ist eine Zierde der temperierten Häuser geworden. Die letztere hat fast ebenso Duft weiße Blumen, welche einen noch anns Wern Duft aushauchen. Beide Arten stammen aus Peru und bilden mit einigen andern Sträuchern Südamerikas nach Persoon eine eigene Gattung, Brugmansia. Sie unterscheiden sich von den echten Stechäpfeln durch hängende Blumen und stumpfdreiseckige Samen. Andere durch Schönheit, teilweise auch durch angenehmen Duft ausgezeichnete Arten werden als einjährige in den Gärten gezogen, z. B. D. fastuosa L., der ägypt. Stechapfel, mit rahmweißen oder violetten, D. humilis Desf. mit blaßacg. mit violettlich-weißen, D. meteloides DC. mit lilaweißen Blumen. Aus einigen dieser vortrefflichen Ziergewächse sind Formen hervorgegangen, bei denen zwei oder drei Blumenkronen ineinander geschachtelt sind. Alle aber werden im warmen Beete aus Samen erzogen und nach Mitte Mai in das freie Land gepflanzt.