FeedDressur
Sport & SpielBrockhaus 1882

Dressur (zunächst vom frz. dresser, mit latinisierter Endung) heißt soviel wie Abrichtung und ward sonst für die Rekrutenausbildung gebraucht, ist aber jetzt nur noch für die Abrichtung der Hunde und Pferde üb 10 Die D. des Pferdes kann verschiedene Zwecke haben: zum gewöhnlichen Reit- und Fahrgebrauch, zum militärischen Dienst (Campagnepferde), endlich für die sog. höhere Reitkunst und den Cirkus; für das Jagdreiten und die Wettrennen gebraucht man dafür das Wort «Trainierungo (Training). Jede D. soll dahin wirken, das Pferd mit möglichster Schonung seiner Kräfte für den bestimmten Zweck brauchbar zu machen. Zur D. gehören, neben der Kenntnis des anatom. Baues und der Sicherheit in der ganzen Behandlung des Pferdes, beim Reiter ein ruhiger und fester Sitz, leichte Zügelführung, maßvolle Schenkelhilfen; bei der D. zum Fahrgebrauch Kaltblütigkeit, richtiges Augenmaß, Kunst der Lenkung, geschickte Nachhilfe und bei beiden Arten der D. vor allem unermüdliche Geduld. Es hat verschiedene Systeme der D. gegeben von Xenophons «Pferdebehandlungo an bis zu den Methoden von Baucher, Rarey und Madame Isabelle in der neuesten Zeit. Die Mehrzahl derselben gewährt indessen nur eine beschränkte Anwendbarkeit, namentlich für die höhern Schulen und die Kunstreiterei. Dasjenige System wird den Vorzug verdienen, welches mit möglichster Schonung des Pferdes am schnellsten zum Ziele kommt und sich hierbei nicht an die körperliche und die überlegene geistige Kraft des Abrichters wendet, sondern von vornherein den guten Willen des Tiers annimmt und seiner Intelligenz die an dasselbe gestellten Forderungen verständlich zu machen weiß. Unter den ältern deutschen Schriften ist vorzugsweise das gediegene Werk von Hünersdorf zu beachten, von den neuern die von André, Graefe, von Nadosy, von Oeynhausen, Seeger, Seidler, von Krane, von Schönberg, Stirling-Clarke, Witte u. a. Die Bransefen besitzen in ihrer Litteratur ebenfalls bedeutende Werke über D., namentlich von Pluvinel, de la Guérinière, du Paty de Clam, Aubert und Graf d'Aure, während die engl. Litteratur nur aus ältern Zeiten eine Arbeit des Herzogs von Neweastle aufzuweisen hat. Vgl. ferner Balassa, Der Umgang mit Pferdenv (Pest 1860); derselbe,«Die Schnelldressur der Pferder (Pest 1860); Heinze, «Pferd und Reitero (Lpz. 1863; 4. Aufl. 1877); Witte, Die regelrechte Fahrkunsto (Berl. 1859); Bötticher, Reiten und Dressiereno, herausg. von A. von Reuß (Berl. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 561Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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