FeedDuett
MusikBrockhaus 1882

Duett (ital. Duetto) nennt man ein Tonstück für zwei Stimmen (Singstimmen oder Instrumente), die einander durchaus gleich, also beide Hauptstimmen sein müssen. Demnach ist das D. ein Tonstück polyphoner Satzart, im Gegensatz zu der bloßen Zweistimmigkeit, bei der die eine melodieführende Stimme durch die andere nur harmonisch unterstützt, homophonisch sekundiert wird. Beim eigentlichen D. ist jede Stimme individuell entwickelt; es setzt daher zwei Personen voraus, die entweder durch einen Gegenstand gleich⸗ oder ungleichartig angeregt werden. Das gleichartige Emofinden soll aber nicht die Individuglität des Aussprechens, die Selbständigkeit vermissen lassen, und es soll keine Person (oder Stimme) der andern untergeordnet erscheinen. Bei der Ungleichartigkeit der Empfindung versteht sich die Verschiedenheit des Ausdrucks von selbst. Sowohl das D. für Sing- als das für Instrumentalstimmen unterliegt gleich mäßig jenen Grundbestimmungen, und es ergibt ich ein Unterschied nur in Hinsicht auf technische ittel, Art der Klangorgane u. s. w., wie auch beide Gattungen von ihrem Grundcharakter der Stimmenselbständigkeit nichts einbüßen dürfen, wenn ihnen eine Begleitung irgend welcher Art beigegeben ist. Das Instrumentalduett wird zur Unterscheidung vom Vokalduett häufig Duo genannt; [doch braucht man auch die Benennungen D. und Duo sehr oft vermischt. Das Vokalduett als Kunstsatz findet sich bereits bei den Motettkomponisten des 16. Jahrh., doch erhielt es seine Ausbildung erst seit 1600 mit Einführung eines selbständigen Grundbasses in die Komposition, denn das D. als weistimmiger Satz verlangt wegen seiner harmonischen Armut nach Stütze und harmonischer Füllung, was ihm durch den neu aufkommenden Grundbaß +½ gewährt wurde. In Verbindung mit diesem bildete das D. sich seit der Mitte des 17. Jahrh. als sog. Kammerduett Duetto da camera) aus und erreichte damit seine kunstvollste Gestalt. Der größte Meister hierin war A. Steffani um 1700. Die Form des Kammerduetts ging in die Opern und Oratorien über und findet sich am schönsten ausgebildet bei Händel. Das weniger tünstliche, mehr bühnenmäßige D. wurde seit A. Scarlatti in der Oper heimisch und ist seither nach scenischen Rücksichten oft sehr breit und wirksam entwickelt, wie z. B. das D. im vierten Akt der Hugenotteno von Meyerbeer.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 618Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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