FeedDysmenorrhöe
HeilkundeBrockhaus 1882

Dysmenorrhöe (grch.) oder Menstrualkolik bezeichnet diejenige Storung der Menstruation (s. d.), bei welcher vor dem Eintritt der Blutung, häufig auch während der Dauer derselben oeh krampfartige Schmerzen, welche im Kreuze beginnen und in den Schoß und die Schenkel ausstrahlen, sowie mannigfache Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Herzklopfen, Magenkrampf, Schwindel und Ohrensausen, selbst Ohnmachten vorhanden sind. Ihre Ursachen sind sehr verschieden und können nur durch eine sorgfältige Untersuchung der inneren Genitalien selbst ermittelt werden. Am häufigsten wird die D. durch Verengerung oder Verschluß des Gebärmutterkanals infolge von fehlerhafter Lagerung, Geschwülsten oder entzündlichen Zuständen der Gebärmutter bedingt; in andern Fällen liegt ihr kein örtliches Leiden, sondern Blutarmut und Bleichsucht oder allgemeine Sd herde und Reizbarkeit zu Grunde. Bisweilen wird bei der D. mit dem Blute hunter heftigen wehenartigen Schmerzen eine sackartig geformte, zottige Haut ausgestoßen, welche aus der teilweise abgestoßenen Gebärmutterschleimhaut besteht (sog. häutige oder membranöse Dysmenorrhöe). Bei der Behandlung hängt aller Erfolg von der nur durch eine genaue örtliche Untersuchung zu erlangenden gründlichen Kenntnis der die D. veranlassenden Grundursache ab, weshalb eine verständige Kranke die fragliche Untersuchung nicht verweigern wird. Bei der auf mechanischen Ursachen beruhenden D. kann selbstverständlich auch nur durch mechanische Mittel (künstliche Erweiterung des verengten Mutterhalses, Aufrichtung der geknickten Gebärmutter u. dgl.) Abhilfe geschafft werden, während bei entzündlichen Zuständen Blutentziehungen, kühlende und schwach abführende Mittel, kühlende Sitzbäder und Wiut gende Douchen von Nutzen sind. Liegen Blutarmut und Bleichsucht der D. zu Grunde, so müssen zunächst diese durch kräftige Diät, Eisenpräparate, regelmäßige Bewegung und reine 9 10 behoben werden. Frauen, welche an D. leiden, sollen übriens schon vor dem Eintritt der Menstruation anrengende Arbeiten und Gemütserregungen vermeiden, sich Imhenn vor jeder Erkältung in Acht nehmen und am besten einige Tage das Bett hüten; während der Schmerzanfälle selbst erweisen sich der Genuß eines warmen Rateutpech (Pfefferminz⸗, Melissen⸗ oder Lindenblütenthee), sowie das Auflegen von Wärmsteinen, feuchtwarmen Umschlägen oder gewärmten Tüchern auf den Unterleib nützlich. Bei sehr heftigen Schmerzen sind das Opium und seine Präparate nicht zu entbehren.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 691Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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