Enzian ist der deutsche Name der Pflanzengattung Gentiana, welche zu der nach ihr benannten Familie der Gentianaceen gehört. re sehr zahlreichen, fast über die ganze Erde verbreiteten, doch vorzugsweise in den Hochgebirgen der nördl. Halbkugel vorkommenden Arten sind kahle, der Mehrzahl nach perennierende Kräuter mit gegenständigen, unerteilten, ganzrandigen Blättern, die oft in grund-Kandige Rosetten zusammengedrängt erscheinen, und meist großen, ährigtraubig oder trugdoldig angeordneten, selten einzeln stehenden, t sehr pre blau oder violett, selten rot oder gelb, oft sehr prächtig gefärbten Mumen. Letztere haben eine trichter-, glocken⸗ oder keulenförmige Gestalt, einen in vier oder fünf Zipfel zerspaltenen Saum und sind bisweilen im Schlunde mit fleischigen Fasern besetzt (bärtig). Aus dem Fruchtknoten entsteht eine zweifächerige, vielsamige Kapsel. Mehrere Enzianarten sind offizinelle Pflanzen geworden; insbesondere der gelbe, G. Iutea L., eine stattliche Gebirgspflanze mit großen, bläulich bedufteten, eiförmigen oder elliptischen Blättern und bis 1m hohem Stengel, der in seinen Blattwinkeln Büschel großer, goldhone Mlanze rotpunktierter Blumen trägt. Diese on anze wächst an kräuterreichen Stellen der lpen und anderer europ. Hochgebirge, wird aber allmählich seltener, weil man ihre dicken, knolligen Wurzelstöcke in der Heilkunde benutzt und daher diese ausgräbt. Sie sind, gleich den Wurzeln von G. Pannonica Scop., G. purpurea L. und G. punctata L., unter dem Namen Radix Gentianaè offizinell. Die getrocknete Wurzel ist merkwürdig leicht und daran, sowie an ihrem eigentümlich bittern Geschmack von ihr ähnlichen Wurzeln zu unterscheiden. Man bedient sich ihrer gegen Verdauungsstörungen, Magenkrampf,‚ Skrofulose, ferner bei Blutarmen, Bleichsüchtigen u. s. w., in Pillenform, in Aufgüssen und Mixturen. Auch bildet das Extrakt der Enzianwurzel einen wesentlichen Bestandteil der Tinctura amara, des Hoffmannschen Magenelixirs und anderer magenstärkender Tropfen. Endlich nimmt man die Wurzel dieses E. auch zur Bereitung aromatischer Liqueure (des Spanischbitter, der Kräuterschnäpse, des Enzianbranntweins, Enzelers oder Enzigs der Alpenbewohner). Ahnliche Eigenschaften wie die Wurzel des gelben E. besitzen die Wurzelstöcke des in der Schweiz, Savoyen und Norwegen wachsenden purpurroten E. (G. purpurea IL.), des braunglockigen ungar. C. (G. Pannonica Scop.) u. a. Die übrigen Arten, der Mehrzahl nach niedrige, aber groß⸗ und schönblumige Berg⸗ und Alpenkräuter, gehören zu den größten 5 deno der Hochgebirgsregionen. Sie bilden, gleich den Primeln, einen wesentlichen Bestandteil der Alpenvegetation. Manche Arten sind zu Zierpflanzen geworden, z. B. die stengellose G. acaulis L., welche bis 6 em lange, azurblaue Blumen in der Mitte einer Blattrosette trägt, die im Riesengebirge oft vorkommende G. asclepiadea L., eine stattliche Pflanze mit langen Trauben großer, dunkelblauer, seltener weißer Trichterblumen u. a. m.