Gratiöla nannte Linné nach der unter dem Namen Gottesgnade, Gottesgnadekraut in Deutschland und Schweden bekannten Pflanze eine zur Familie der Scrophularineen gehörende Pflanzengattung, deren Arten, lauter Kräuter, meist in Ostindien, dem tropischen Nordamerika und Australien vorkommen. Die gemeine Gottesgnade, G. oftieinalis L. (Purgier⸗, Armenmannskraut), welche in fast ganz Europa in Gräben, im nassen Uferkies von Flüssen, auf sumpfigen Triften wächst, hac einen langen, kriechenden, dünnwalzigen, vielach verzweigten, gegliederten und beschuppten Wurzelstock, aus dem aufsteigende, vierkantige, ästige, mit kreuzweis-gegenständigen, lanzettförmigen, gesägten Blättern besetzte Stengel entspringen, welche in fast allen Blattwinkeln einzelnstehende, gestielte Blüten tragen. Dieselben bestehen aus einem fünfblätterigen Kelch, einer röhrigen Blumenkrone mit außen gelber, fein schwarzgestrichelter Röhre und ausgebreitetem, ungleich vierlappigem, zweilippigem, weißem Saume. Die Frucht ist eine zweiklappige, vielsamige Kapsel. Die Gottesgnade ist eine gefährliche, drastisch-purgierende und brechenerregende Gift⸗ und Arzneipflanze. In der Medizin wendet man bloß die Blätter (Herba Gratiolae) an. Abkochungen derselben werden in schwachen Gaben innerlich, in größern unter Klystiere gemischt gegeben, und zwar bei Störungen der Menstruation, Hämorrhoiden, weißem Fluß, Wassersucht, Würmern, atonischer Gicht. Zu große Gaben (besonders der Wurzel) können sehr bedenkliche Zufälle, heftige Kolik, Darmentzündung u. s. w. veranlassen. Bei zufälligen Vergiftungen durch G. ist weiter nichts zu thun, als die an und für sich vorhandene Neigung zum Erbrechen durch Trinken von warmem Wasser möglichst zu befördern.