Fazy (James), schweiz. Staatsmann und Parteiführer, geb. 12. Mai 1794, stammt aus einer franz., nach Aufhebung des Edikts von Nantes in Genf eingewanderten und dort seit 1735 eingebürgerten angesehenen Familie. Nachdem er seine Schulbildung in einem herrnhittischen Institut zu Neuwied erhalten, widmete er sich zu Paris rechts-⸗ und staatswissenschaftlichen Studien, war Mitarbeiter verschiedener liberaler Blätter und schrieb besonders Über Nationalökonomie in einem dem Bourbonenregiment feindseligen Sinne. Als nach der Thronbenemung Ludwig Philipps die Verfolgungen der demokratischen —ł begannen, entschloß sich F. 1833 zur Rückkehr in seine Heimat und schwang sich in Genf bald zu einem der einflußreichsten Führer der Opposition auf. Durch die Revolution von 1841 erzwang er den Rücktritt des Staatsrats und die Annahme einer demokratischen Verfassung, wurde aber erst infolge des Arbeiteraufstandes von 1843 in den Großen Rat aufgenommen. Als die schwankende Politik des genfer Staatsrats in der Jesuiten- und Sonderbundsfrage im Okt. 1846 zu einer abermaligen und diesmal durchgreifendern Revolution führte, trat F. an die Spitze der eingesetzten provisorischen Regierung und brachte nun mit Hilfe seiner Partei (der sog. Radikalen) eine Verfassung zu Stande, in welcher das demokratische Prinzip seinen entschiedenen Ausdruck fand. F. übte seitdem in Genf als Mitglied des Staatsrats und des Großen Rats einen Einfluß aus, wie seit Calvin kein anderer Staatsmann in dieser Republik. Er erwarb sich um die Erweiterung und Verschönerung der Stadt, die seitdem einen ungewöhnlichen Aufschwung nahm, die größten Verdienste und gewann auch ein bedeutendes Gewicht in den eidgenössischen Angelegenheiten, erst als Abgeordneter (1847) zur Tagsatzung, dann zur Bundesversammlung. Inzwischen bildete sich jedoch in Genf selbst, hauptsächlich infolge von F.s allzu . und parteiisch gefärbter Regierung, nach und nach eine Opposition gegen den herrschenden Radikalismus, die um Teil aus der sozialdemokratischen Fraktion der Radikalen, zum Teil aus altkonservativen Elementen bestand. Diese Koalition siegte endlich bei den Staatsratswahlen im Herbst 1853. Allein schon 1855 gelangte F. mit seinen polit. Freunden wiederum ans Ruder und war auf einige Zeit populärer als je. Er hatte auch die kath. Partei für sich zu gewinnen gewußt, die ihm nun bei allen Wahlen ihre Stimmen lieh. Andererseits reizte er durch seine Finanzverwaltung wie durch mancherlei Willkür und Parteilichkeit die u der Eir aufs äußerste. Nach und nach steigerte sich der Einfluß der Oppo19. 7 (die sich jetzt den Namen Independenten gab) o, daß F. bei den Staatsratswahlen im Herbst 1862 unterlag und trotz der Verbindung mit der ultramontanen Partei nie mehr ans Ruder gelangte; ein Aufstandsversuch seiner Anhänger im Aug. 1864 war erfolglos. Er starb 5. Nov. 1878 in Genf. Wenn auch F.s Verdienst um die polit. und soziale Umgestaltung seines Heimatskantons nicht bestritten werden kann, so hat er doch als Staatsmann ebenso wenig wie als Privatmann seinen Ruf rein zu bewahren gewußt. Er war ein fähiger und schöpferischer, aber kein charakterfester und uneigennütziger Staatsmann; seine persönliche Macht-Di Ein stand ihm höher als das öffentliche Wohl; ie Einrichtung seiner Spielhölle im &Cexele des étrangerso am Montblancquai wurde allgemein mißbilligt. Unter seinen schriftstellerischen Leistungen, die sich auch auf die Gebiete des Romans und Dramas erstrecken, sind EEssai d'un précis de P'histoire de la république de Genèven (Genf 1838) und De Lintelligence collective de sociétésy (Bas. 1874) hervorzuheben. Fo., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Fabricius (Joh. Christ.).