FeedFelläta von den Kanuri in Bornu
ErdkundeBrockhaus 1882

Felläta von den Kanuri in Bornu, Fulah von den Mandingo, Fellani von den Haussa⸗-Leuten und Fullän von den Arabern genannt, aber auch unter dem Namen Pula, Fellan und Fellatin vorkommend, sind der intelligenteste aller eingeborenen afrik. Stämme und durch ihre Eroberungen im Sudan oder dem nördl. Centralafrika weit berühmt. Der Name lautet in der einheimischen Sprache selbst Singular Pul-o (Ful-o), Plural be (Ful-be), ahellbraun, roto, im Gegensatze zu Weolof, Irolof, «schwarzv. Ihre ursprünglichen Wohnsitze hatten die . vermutlich im Osten, ihr Eroberungszug aber bewegte sich entschieden von Westen nach Osten und ging wahrscheinlich vom Senegal aus, wie das Verschmelzen der westl. Stämme, namentlich der Jolof und Mandingo, mit der Fulah-Nation zu beweisen scheint. Nach H. Barths Ansicht waren die F. die Pyrrhi Aethiopes des Ptolemäus und die helle herrschende Bevölkerung des einst ausgedehnten Reichs Ghänata. Schon im 16. Jahrh. waren sie in der Landschaft östlich vom Kowärra (Niger) stark genug, um großen Einfluß zu üben, und bereits im Anfang des 17. Jahrh. fanden sich verschiedene Ansiedelungen der Fulbe in Baghirmi. Jedoch eben die Verbreitung über ein so ausgedehntes Gebiet war der Grund, daß dieser Stamm, während jede seiner Abteilungen ihr eigenes Interesse verfolgte, bis zum Anfang des 19. Jahrh. machtlos blieb. Erst 1802 eröffnete sich eine neue Epoche, als der Imam und Reformator Othman, von Baua, dem Beherrscher des heidnischen Landes Gober lim Norden von Sokoto), gereizt, den Entschluß faßte, sich und seine Stammgenossen von der Gewalt desselben unabhängig zu machen. Von seinen Landsleuten mit der Wurde eines Scheich betraut, erhob er die Fahne religiöser und polit. Genossenschaft, kämpfte dur anfangs keineswegs erfolgreich, wußte aber urch seine Gesänge die Anhänger zu solchem Fanatismus und solcher Kampflust zu stacheln, daß er allmählich alle Hindernisse überwand und auf den Trümmern der Staaten von Haussa (s. d.) ein neues ausgedehntes Reich errichtete. Bei seinem Tode 1818 teilte er das Reich zwischen seinen beiden Söhnen so, daß Mohammed Bello die östl. Hälfte oder das Reich Sökoto, Abd-Allahi die westl. Provinzen mit der Hauptstadt Gando erhielt. Erst nach Othmans Tode unterwarfen sich die F. auch das Reich Massina am obern Niger. Mit diesem zusammen umfassen die Fellatareiche 820000 akm. Die Südgrenze ihres östl. Reichs bildet der Nigerzufluß Binué, aber nominell gehört dazu auch Fumbina oder Adamaua (s. d.). Westlich von diesem Lande haben sie sich sogar über den Binué hinaus ausgedehnt und die islamitische Civilisation verbreitet. Die F., durchwegs fanatische Anhänger des Islams, bilden jetzt überall eine Art sehr mächtiger Aristokratie, die sich alle Amter und einen Teil des Grundbesitzes vorbehalten, der eineborenen Bevölkerung aber die Freiheit und Möglichteit gelassen hat, 90 durch den Handel zu bereichern. Da sie manche andere Stämme in sich aufgenommen, so sind ihr Typus und ihre Farbe sehr mannigfaltig. Die letztere ist im allgemeinen rotbraun, die Gesichtsbildung der europäischen verwandt, das Haupthaar ziemlich lang und wenig gekräuselt, sodaß man vollkommen berechtigt ist, die F. als einen eigentümlichen Rassentypus von den Negern zu sondern. Die Zahl der F. wird auf 6—8 Mill. geschätzt; sie wohnen aber nicht dicht. So bilden sie z. B. längs des mittlern Niger bis Say nur eine schmale Reihe vereinzelter Niederlassungen; in andern Landschaften wohnen sie dagegen gedrängter. Die Sprache der F. ist ein eigentümliches Idiom, das mit keiner der umliegenden Negersprachen eine innere Verwandtschaft zeigt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 664Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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