FeedFeuerwerk
TechnikBrockhaus 1882

Feuerwerk bezweckt das Hervorbringen von Licht⸗ und Knalleffekten, in größerm Maßstabe und in wirkungsvoller Zusammenstellung, mittels leicht brennbarer und explosiver Gemenge. Feuerwerkskörper heißen die zu diesem Zwecke fertig gemachten einzelnen Gegenstände; aus der Zusammenstellung der einfachen Feuerwerkskörper entstehen die zusammengesetzten, die Feuerwerksstücke. Die Feuerwerkerei oder Pyrotechnie beschäftigt sich mit der Anfertigung und dem Gebrauche der Feuerwerkskörper. Letztere zerfallen ihrer Bedeutung nach in Ernst- oder Kriegsfeuer und in Lustfeuer, und demnach spricht man auch von Kriegs- und von Lustfeuerwerkerei. Die Kriegsfeuer dienen zu militärischen Zwecken, namentlich zum Signalisieren, Erleuchten, Entzünden und Inbrandsetzen, sowie zum Erzeugen von Stickluft, in weiterm Sinne werden auch die Gegenstände der Geschütz- und Gewehrmunition hierher gerechnet. Hiernach zerfallen die Kriegsfeuer in die Munition (s. d.), die Zündungen (s. d.) und die sog. besondern Kriegsfeuer, als Raleten, Kanonen⸗ und Gewehrschläge, Leuchtfackeln, Feuerballen (s. die Spezialartikel). Lust⸗ und Kriegsfeuerwerkerei berühren sich in der Benutzung brennbarer Gemenge und haben einzelne Feuerwerkskörper miteinander gemein. Die Lustfeuerwerkerei umfaßt die Herrichtung von F. zum Zwecke der Belustigung und Unterhaltung beiffentlichen Vergnügungen, sowie der Erhöhung der Stimmung bei festlichen Gelegenheiten, endlich als Dekorationsmittel und Beiwerk bei Theatervorstellungen und andern Schaustellungen. Das Grundelement des F. sind die Sätze, d. i. brennbare Gemenge, in welchen die Grundstoffe in den nach der Erfahrung und den nomn der Chemie bestimmten Verhältnissen vorkommen. Nach der Verbrennungsgeschwindigkeit zerfallen die Sätze in rasche und in langsame oder faule, nach der Art, wie sich die Verbrennung äußert, ob als farbige Flamme oder als Funkenstrahl, in Flammenfeuersätze und in Funkenfeuersätze. Erstere teilt man wieder in Flammensätze, welche lose oder in ganz dünnen Hülsen abgebrannt werden und durch den Reflex wirken, in Lichtersätze, welche in dünnen Hülsen verwendet, rascher als die erstern abbrennen und durch eine kleine ruhige Flamme * auszeichnen, und in Leuchtkugelsätze, welche am raschesten und, in Kugel⸗ oder Cylinderform gepreßt, lolten der Bewegung durch die Luft verbrennen sollen. Die Funkenfeuersätze zerfallen in Stillfeuersätze und in Treibsätze, von denen letztere eine rückwirkende Kraft auf die Hülsen ausüben und daher zur Herstellung beweglicher Feuerwerkskörper dienen. Der stärkste Treibsatz ist das Schießpulver; dasselbe spielt auch als Mittel zur Erhöhung der Entzündlichkeit hier eine große Rolle. Unter den zur Herstellung der Sätze dienenden Grundbestandteilen sind die wichtigsten: salpeter- und chlorsaures Kali als Sauerstofflieferer, Kohle und Schwefel als verbrennliche Stoffe; dann gleichzeitig Farbe gebende Stoffe: Schwefelantimon weiß), salpetersaures Baryt (grün), salpetersaures Natron (gelb), salpetersaures Strontian (rot), Zink, schwefelsaures Kupferoxyd (blau); zur Erzeuung von den de gestoßene Kohle, Metallspäne; etztere ergeben die sog. Brillantfeuer. Die Hülsen werden aus Papier zusammenrolliert und geklebt und sind bald dünner, bald stärker. Zur Herstellung der Feuerwerkskörper gehören noch die Zwischenfabrikate, als Zündungen, zu denen Anfeuerung, Zündpapier, Zündschwamm, Zündschnur, Leitseuer Lunte, Fuckeln, u und Zünder gerechnet werden, ferner die Fackeln, welche entweder Leuchtfackeln oder Pechfackeln sind, und endlich die Kanonen⸗ und Gewehrschläge, d. i. in festen Umhüllungen befindliche größere oder kleinere Pulverladungen mit Zündern, durch die der Knall eines Geschützes oder Gewehrs nachgeahmt werden soll. Unter den einfachen Feuerwerkskörpern bilden eine Gruppe die Flammenfeuer, welche mit calfihen Lichte abbrennen; dahin gehören die Bengalischen Flammen, die durch Flammensätze hervorgebracht werden, Lichter oder Lanzen, welche Lichtersätze, und Körner oder Sterne sowie Leuchtlugeln, welche Leuchtkugelsatz enthalten. Die Bengalischen Flammen dienen zur Beleuchtung von lebenden Gruppen, plastischen und architektonischen Gebilden und von landschaftlichen zartien; sie bringen die verschiedensten Farbeneffekte hervor. Die Lichter dienen zur Darstellung von Namenszügen, Bildern architektonischer Gegenstände und andern Dekorationen. Die Flamme brennt rund und voll, aber rein und ruhig ab. Sterne und Leuchtkugeln unterscheiden sich hauptsächlich durch Gröoße und auch wohl Form. Gewöhnlich sind beide kugelförmig, Leuchtkugeln auch cylindrisch und größer als die Sterne. Beide kommen na-Iot in zusammengesetzten Feuerwerkskörpern vor. Eine weitere Gruppe der einfachen Feuerwerkskörper sind die Funkenfeuer, welche eine stark funkensprühende Flamme ergeben; hierher geören die Brander, d. i. Hülsen mit Funkenfeueratz geladen, zur Erzeugung eines längern oder kürzern Feuerstrahls, häusig auch als bewegende Kraft, bei Cowärmererng Feuerwerkskörpern dienend; die Schwärmer, gewöhnlich in Partien geworfene kleine Papierröhren, mit Funkenfeuersatz vollgeschlagen, die beim Anzünden in schlangenförmiger Linie hin⸗ und herfahren und zuletzt mit einem Knall verlöschen. Besondere Arten derselben sind die Wirbelschwärmer und die Sternschlangen; der Bule, 4 eine ähnlich wie der Schwärmer geladene ulse, an deren einem Ende die Flamme durch mehrere seitliche öffnungen gleichzeitig ausströmt; der Frosch (s. d.), mit Zündschnur oder losem Pulver bergestellt, durch Knall und eigentümliche Bewegung wirkend. Eine dritte hierher gehörige Gruppe sind die Drehfeuer, bei welchen Treibsätze zur Anwendung kommen. Hierher gehören die Pastillen, mit spiralförmig auf eine hölzerne Achse aufgewickelter Hülse, die Achse wird auf einen Nagel 7 und durch die Rückwirkung der aus der Hülse bei der Entzündung ausströmenden Gase das Ganze in rasche Umdrehung versetzt, wodurch das entwickelte Licht einen Feuerkreis beschreibt; der Umläufer, eine um die Mitte drehbar angebrachte, mit funkengebendem Treibsatz geladene Hülse, welche den geschlossenen Enden zunächst mit seitlichen Offnungen versehen ist; die Tourbillons (Tafelraketen), welche aufsteigen, indem sie sich horizontal um ihre Achse drehen und so ein steigendes Feuerrad bilden; endlich der an einem Draht hin⸗ und hergleitende Drache. Eine vierte Gruppe sind die durch eine treibende Kraft verschiedenartige Feuerwerkskörper fortschleudernden Wurffeuer, zu diesen gehören: die Römischen Lichter oder Bombenröhren, welche abwechselnd mit einem faulen Satze und einer Treibladung, auf der eine Leuchtkugel steht, gefüllt sind und diese Kugeln nach und nach brennend in die Höhe werfen; die ähnlich eingerichtete, statt mit Leuchtkugeln mit Körnern gefüllte Körnerfontäne; der Feuertopf (Pot à feu), ein weiter oben offener Behälter, welcher eine Quantität Schwärmer oder Leuchtkugeln mittels einer kleinen Treibladung von Kornpulver brennend auswirft, sodaß sie eine Garbe bilden; die aus Pappe hergestellte Bombe, welche mit Schwärmern, Leuchtkugeln u. dgl. gefüllt und mit Leuchtkugelsatz überzogen ist und aus Handmörsern geworfen wird, wo sie sich dann hoch in der Luft entladet. Die letzte Gruppe bilden die Steigfeuer oder Raketen (. d.), große, über einen Dorn mit raschem Treibsatz oder mit Pulversatz hohlgeschlagene Papierröhren, wel e, an einen angen Stab gebunden, mit zunehmender Geschwindigkeit und unter Erzeugung eines Funkenstrahls aufsteigen; meist tragen sie vorn eine Versetzung von Schwärmern oder Leuchtkugeln, oder aus einem Kanonenschlag bestehend, welche hoch oben in der Luft zur Wirkung kommen. Läßt man eine größere Zahl gleichzeitig steigen, so bilden sie eine Girandole oder einen Pfauenschweif. Zwei schräg an einem Stabe befestigte Raketen ergeben die Rotationsrakete. Aus den Zusammenstellungen der einfachen Feuerwerkskörper entstehen die Feuerwerksst ücke, welche man im allgemeinen in feststehende und bewegliche teilt. Zu den feststehenden Stücken gehören die Kombinationen von Brandern in den verschiedensten Formen, als Gänsefuß, Fächer, Sonne, Glorie, Mosaik und Kaskade, sowie die Dekorationen. Letztere bestehen dergestalt aus farbigem Feuer, daß letzteres sowohl die ganzen Massen als die scharf hervortretenden architektonischen Linien oder Contouren des darzustellenden Bildes wiedergibt. Oft ist auch das Farbenfeuer so eingerichtet, daß es in gewissen Zeiträumen wechselt, was durch verschiedene Sätze in den Lichterhülsen bewirkt wird. Die Dekorationen werden, ebenso wie vorher die Brander, mit einer über jeden einzelnen Brennpunkt hinlaufenden Zündschnur in einem Augenblicke angezündet. Die beweglichen Stücke drehen sich entweder in horizontaler oder in vertikaler Richtung; die Bewegung erfolgt entweder auf einer Achse oder auf einem apfen. Hierher gehören die Feuerräder, die indmühle, die Caprice, die Spirale u. s. w. Die Papierröhren sind hier auf Unterlagen dergestalt aufgenagelt, daß die Gewalt des Gases bei der Ausströmung die Unterlage zugleich umtreibt und so das Feuer einen Kreis bildet. Man bedient sich außer dem Brillantfeuer auch hier des Farbenfeuers; da dasselbe jedoch langsam abbrennt, muß man den Trieb durch eine Röhre mit weißem Feuer bewirken. Der Kombinationsgabe ist bei der Zu-Epielnaum geln der Feuerwerksstücke ein weiter Spielraum gelassen. Tafelfeuerwerke, auch Salonfeuerwerke genannt, sind F. en miniature und zum Abbrennen im Zimmer bestimmt. Die Raketen haben hier die Stärke einer Bleifeder, die Schwärmer die einer starken Stricknadel u. s. w. Die Feuerwerkssätze erhalten möglichst wenig Schwefel, und der Satz wird auch wohl mit ätherischen Hlen parfümiert. Zur Füllung der Feuertöpfe bedient man sich der Bonbons und Devisen u. s. w. Wasserfeuerwerkskörper stimmen in der Anfertigung mit den Landseuerwerkskörpern überein; nur erhalten sie einen wasserdichten überzug und Schwimmscheiben, damit sie über dem Wasser bleiben, oder doch, wenn sie hinabgetrieben werden, wieder an die Obersläche heraufkommen. Besondere Arten sind die Wasserbrander, Irrlichter, Enten, Taucher, Wirbel, Wasserräder u. a. Die Feuerwerkskunst ist sehr alt. Schon 1379 wurde in Vicenza zum Friedensfest ein F. abgebrannt, und 1519 ließ Jakob Fugger in Augsburg zur Feier der Erhebung Karls V. zum röm. König ein solches veranstalten. Die meisten und schönsten Erfindungen im Fache der Kunstfeuerwerkerei verdankt man zwei Italienern, Ruggieri (Vater und Sohn), die in Rom, Paris u. s. w. sich durch historisch gewordene Leistungen hervorthaten. Vgl. Websky, «Die Lustfeuerwerkskunste (7. Aufl., Lpz. 1873); von Nida, «Katechismus der Lust⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 769Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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