Flachs gleichsam gedroschen wird; in einzelnen Gegenden wendet man dafür das Boken an, das in besondern Stampfmühlen (Bokmühlen) vorgenommen wird und, wie das Botten, öfters auch nur eine Hilfsarbeit des Brechens bildet. Der einfachste zum Brechen verwendete, von Hand bewegte Apparat ist die Handbreche oder Brake. Ein solcher Apparat besteht aus einem festen Teil, der Lade, welche aus zwei bis drei parallelen Schienen gebildet ist, die, an den Enden fest miteinander verbunden, einen ungefähr 25 mm breiten Spalt zwischen sich lassen, in welchen ein einarmiger, an dem einen Ende um einen Bolzen drehbarer Hebel paßt. Die Flachsstengel werden auf die Lade gelegt und der die Gestalt eines Messers oder einer Schiene besitzende Hebel abwärts bewegt, wodurch ein scharfes Knicken der Stengel bewirkt wird. Durch dieses Knicken oder Brechen wird ein Teil des Holzes schon vollständig beseitigt, während der in der Flachsfaser zurückbleibende Rest so sehr gelockert ist, daß er durch Schütteln des Flachses oder Durchziehen desselben zwischen Lade und Hebel leicht entfernt werden kann. An Stelle der Handbrechen werden vielfach Brechmaschinen (s. Tafel: Flachsspinnerei, Fig. 1) verwendet, die in den verschiedensten Konstruktionen vorkommen. Die brauchbarste der bekannten Flachsbrechmaschinen ist wohl die von Kaselowsky, bei welcher das Prinzip der Handbreche zu Grunde gelegt ist und der Flachs durch ein Paar kannelierte Walzen zugeführt und vorgebrochen wird. Um die im gebrochenen Flachs noch vorhandenen Holzteilchen (Schäbe) zu entfernen, nimmt man mit demselben die Operation des Schwingens vor, die entweder von Hand mittels Schwingbretts und Schwingmessers, oder mittels besonderer Schwingmaschinen ausgeführt werden kann. Die Anwendung der Schwingmaschinen hat vor der Handarbeit den Vorzug, weniger Kraft und weniger Übung zu erfordern und dabei wohlfeiler und bedeutend schneller zu arbeiten. Durch die beschriebenen Operationen ist, obwohl die Faser in vollständig reinem Zustand dargestellt wird, das Produkt für den eigentlichen Spinnprozeß I1— nicht genügend vorbereitet, da die Bastfasern noch untereinander verbunden und vielfach verworren sind; durch den nun folgenden Hechelprozeß wird die Zerteilung und Zerlegung der Faserbüschel unter gleichzeitiger Absonderung der kürzern Fasern, sowie ein Ordnen und Parallellegen der übrigen langen Fasern bewirkt. Man bedient sich hierzu der Hechel, eines Werkzeugs, welches aus einem System von Nadeln besteht, die in runden lonzentrischen, oder öfter in mehrfachen, einfa versetzten, zusammen ein Viereck bildenden Reihen in einem Brett befestigt sind. Die Nadeln selbst sind aus Eisen oder besser aus Stahl hergestellt und bilden schlank zugespitzte und polierte Kegel. Die erste Hechel, auf welcher der Schwingflachs zunächst behandelt wird, nennt man Abzugshechel (Ruffer), die folgenden Mittelhecheln und die letzte, für die Herstellung besonders feinen Flachses benutzte die Ausmachehechel. Das Hecheln geschieht in der Weise, daß der Arbeiter eine Partie Flachs (eine Riste) faßt, um die Hand schlingt, mit der andern Hand die frei liegende Partie gleichmäßig ausbreitet, in die Nadeln der Hechel einschlägt und durch diese hindurchzieht. Ist der Flachs auf der einen Hälfte genügend bearbeitet, so schlingt der Arbeiter die gehechelte Partie um seine Hand und bearbeitet hierauf in der gleichen Weise die andere Hälfte. Um das Handhecheln zu ersetzen, hat man Maschinen Gechelmaschinen, s. Fig. 2) konstruiert, bei welchen die Nadeln auf Hechelstäben befestigt sind, während die Flachsristen in Kluppen oder Zangen eingespannt gehalten und derart bewegt werden, daß die größere hervorstehende Hälfte derselben zuerst an den Spitzen und allmählich nach der Mitte zu bearbeitet wird. Gleichzeitig kommt bei den Hechelmaschinen eine Vorrichtung zur Wirkung, die das von den Nadeln ausgehechelte Werg (Hede) abnimmt. Mit dem Hecheln sind die eigentlichen Vorbereitungsarbeiten der F. beendet und der gehechelte Flachs wird noch denjenigen Arbeitsprozessen unterworfen, welche zur Bildung eines gleichmäßigen Bandes und zur allmählichen überführung desselben durch Vorgespinst zum Feingarn notwendig sind. Diese Arbeitsprozesse bestehen hiernach in der Bildung des Bandes, dem Vorspinnen, dem Feinspinnen und den Nach- und Vollendungsarbeiten. Die in einer Riste vorhandenen Fasern sind, wie schon die zopfartige, an beiden Enden in Spitzen auslaufende Form zeigt, höchst ungleich in derselben verteilt, und es muß daher zur Erzeugung eines gleichförmigen Bandes vor allem eine gleichmäßige Verteilung der Fasern erreicht werden. Teilweise kann dies dadurch geschehen, daß man die Risten in geeigneter, die Lücken ergänzender Weise nebeneinander legt. Die weitere zur Herstellung der Gleichmäßigkeit dienende Arbeit besteht in einem Strecken, welches, mit dem Zusammenlegen gemeinschaftlich ausgeführt, Anlegen oder erstes Durchlegen genannt und auf der Anlegemaschine ausgeführt wird. Die Anlegemaschine (Fig. 3) besteht aus einem Zuführtuch zur Aufnahme der aufgelockerten, gerade gestreckten Risten, einem Streckwerk mit zwei weit auseinander liegenden Streckwalzenpaaren, zwischen welchen sich zum Zurückhalten der Fasern bewegliche, in Felder abgeteilte Hechelstäbe befinden, und in einem Abzugsapparat. Bei der Herstellung gröberer Garne kann man, um eine größere Produktion zu erzielen und die Wartung der Maschine zu Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. vereinfachen, die Hechelstäbe auf Ketten ohne Ende befestigen (Kettenstrecken), weil bei diesen Garnsorten das bogenförmig streichende Ein- und Austreten der Zähne aus dem Bande zulässig ist. Das von der Anlegemaschine kommende Band wird zum Strecken und Doublieren auf die Flachsstreck- und Doubliermaschine oder Durchzug (Fig.4) gegeben, deren Arbeit lediglich eine Vervollkommnung des Bandes bewirkt und 14* gewissermaßen als einfache Fortsetzung des Anlegens zu betrachten ist. Der wesentlichste Unterschied zwischen der Anlegemaschine und der Streck- und Doubliermaschine ist der, daß letztere kein Zuführtuch besitzt und daß die Hechelzähne feiner sind. Sehr oft findet man auch, statt zweier, drei Einziehwalzen angebracht, deren eine, in der Mitte über den zwei andern liegend, von dem Flachsband fast vollständig umschlungen wird. Das Band hat gewöhnlich zwei, zuweilen auch drei Durchzüge zu passieren, die einander genau gleichen und durchschnittlich mit je 12 Paar Streckwalzen versehen sind. Das letzte Doublieren und Strecken, sowie die Bildung des Vorgarns erfolgt auf der Spindelbank oder Vorspinnmaschine (Flyer, Fig. 5), deren Streckwerk wie bei dem Durchzug aus zwei weit auseinander liegenden Walzen und Cpindelangebrachten Hecheln besteht. Die von der Spindelbank zu verrichtenden Arbeiten zerfallen in das Strecken der eingeführten Bänder, das Drehen der estreckten Bänder, wodurch dieselben die erforderiche Festigkeit erhalten, und die gleichmäßige Aufwindung des Vorgarns auf Spulen. Die in Fig. 5 dargestellte Spindelbank ist, wie die meisten auf der Tafel abgebildeten Maschinen, von der Firma Fairbairn, Naylor, Macpherson u. Comp. in Leeds, deren Vertreter fur Deutschland Otto Rechenberger in Dresden ist, konstruiert; ähnlich sind die von Combe, Barbour u. Combe in Belfast gebauten Flyer, während die von Samuel Lawson u. Sons in Leeds gebauten gleichartigen Maschinen eine etwas andere Einrichtung des Regulierungsmechanismus zeigen. Meist wird die Aufwindebewegung des Flachsflyers durch Differentialgetriebe und Riemenkegel bewirkt, * findet man auch andere Einrichtungen; ist z. B. oft statt der gewöhnlichen Riemenkegel ein System zweier Kegelgerippe vorhanden, welche, mit den Spitzen einander entgegenstehend, einen großen Seilwirtel bilden, dessen Durchmesser durch ein gegenseitiges Verschieben sich verändert. Das Feinspinnen erfolgt auf sog. Watermaschinen (s. Baumwollindustrie, Bd. II, S 594 und dazugehörige Tafel, Fig. 14), die mit einer Vorrichtung ausgestattet sind, welche einen geringen Abstand der Streckwalzen ermöglicht und im Augenblick des Zusammendrehens den Fasern die Starrheit und Steifigkeit benimmt. as Strechwerk der Feinspinnmaschinen erhält eine verschiedene Anordnung, je nachdem das Vorgarn trocken, unter Anfeuchtung mittels kalten Wassers (Halbnaßspinnerei) oder unter Anwendung von heißem Wasser Raßspinnerei) versponnen wird. Die Trockenspinnmaschine enthält eine der durchschnittlichen Faserlänge des Flachses im Vorgarn entsprechende Distanz im Streckwerk. Da der Vorgarnfaden auf der Vorspinnmaschine bereits etwas gedreht wurde, ist zwischen Einzieh- und Streckwalzen eine Unterstützung der Arbeit durch ein Hechelsystem, wie bei den Vorbereitungsmaschinen, nicht mehr statthaft; es genügt, den Faden über eine glatte Rinne aus Weißblech, oder zwischen einigen Walzenpaaren, oder um einzelne Walzen, herum und über eine verstellbare Platte bis zu den Streckwalzen zu führen. Von Einziehwalzen sind entweder, wie bei den Streckmaschinen, drei oder, was. gewöhnlicher ist, nur zwei, und zwar eiserne, stark geriffelte vorhanden. Die Halbnaßseinspinnmaschine ist nur wenig von der Trockenspinnmaschine verschieden. Die Distanz des Streckwerks stimmt auch hier mit der Länge der Fasern überein; doch findet auf dem Wege zwischen Einzieh⸗ und Streckwalzen, oder auch zwischen den letztern ein Anfeuchten des Vorgarnfadens mittels kalten Wassers statt, wodurch ein glatteres, runderes Garn von schönerm Aussehen erzeugt wird, das sich besonders zu solchen Geweben eignet, welche roh bleiben sollen. ö Die am weitesten verbreitete Hine (f. Taselist die Naßfeinspinnmaschine (s. Tafel: Flachsspinnerei, Fig. 6), bei welcher der Vorgarnfaden, ehe er zu den Einzugwalzen gelangt, durch heißes Wasser gezogen wird. Um das Prinzip der Naßspinnmaschine verständlich zu machen, ist es erforderlich, einer besondern Eigenschaft der Flachsfaser zu erwähnen. Dieselbe besteht nämlich aus kürzern Elementarzellen, die untereinander durch ein klebriges Bindemittel zusammengehalten werden, welches durch Chromsäure oder Kalilauge gänzlich gelöst, durch heißes Wasser aber so weit erweicht werden kann, daß ein Auseinanderziehen der Zellen, ohne Abreißen der Fasern, ermöglicht wird. Die Vorgarnfäden passieren daher nach dem heißen Wasser ein Streckwerk, welches das Auseinanderziehen besorgt. Naßfeinspinnmaschinen werden stets doppelseitig, also mit zwei Reihen Spindeln gebaut. In den Details weichen die Maschinen der einzelnen Konstrukteure vielfach voneinander ab und es variiert die Anzahl ihrer Spindeln zwischen 88 und 200, die Zahl ihrer Umdrehungen zwischen 2000 und 3000. Die Leistungsfähigkeit dieser Maschinen ist je nach der zu spinnenden Garnnummer eine verschiedene; für gröbere Nummern, bis Nr. 50, kann man in zehn Arbeitsstunden eine Lieferung von 3400—4800 m, bei den Nummern über 50 dagegen nicht mehr als 2 — 3000 m annehmen. Die Nach- und Vollendungsarbeiten sind die gleichen wie bei der Wergspinnerei und werden bei dieser zur Darstellung kommen. Die Werg- oder Hedespinnerei umfaßt die Verarbeitung der beim Hecheln des Flachses ausgekämmten kürzern, verworrenen und vielfach verschlungen durcheinander liegenden Fasern; das erzeugte Garn wird Werg⸗ oder Hedegarn genannt. Die erste Arbeit, welcher die in dem vorbeschriebenen Zustand besindlichen Fasern unterworfen werden, besteht in einem Reinigungs⸗ und Auflockerungsprozeß und der Bildung von Bändern aus den losen Fasern. Je nach dem Grade der Verunreinigung des Materials kann dieser Prozeß in verschiedener Weise durchgeführt werden. Ist die Hede sehr knotig und stark verunreinigt, so wird zunächst ein Vorreinigen und Ausschütteln, sodann ein ein-oder zweimaliges Kardieren oder Krempeln vorgenommen, während bei besserm Material schon ein einmaliges Kardieren genügt. Die zur Vorreinigung stark verunreinigter Heden dienenden Maschinen sind meist Schlag⸗ oder Wickelmaschinen (Fig. 7) von ähnlicher Konstruktion wie die bei der Baumwollspinnerei angewendeten (s. Baumwollindustrie, Bd. II, S. 5920 und dazugehörige Tafel, Fig. 5, 6 u. 7); die Karden oder Krempeln (Fig. 8) sind im wesentlichen ähnlich ausgerüstet wie die Baumwollkrempeln. Durch den Krempelprozeß wird die Entwirrung, Auflockerung und Zerteilung der Fasern, die Abscheidung der Schäben und Schmutzteilchen, sowie der ganz kurzen Fasern, welche das Garn rauh und knotig machen würden, bewirkt; außerdem werden durch denselben die Fasern parallel gelegt, sodaß sie in dem gebildeten Band vorwiegend nach der Längenrichtung desselben liegen. Falls das Material nur einmal kardiert werden soll, darf man auf einer Karde nicht mehr als 200—250 kg pro Tag verarbeiten, während man bei zweimaliger Kardierung bis 350 kg gehen kann. Die von den Karden gelieferten Bänder werden auf zwei oder drei Streckmaschinen mehrfach doubliert und gestreckt und gehen alsdann auf die Vorspinnmaschine über. Die Wergstrecke und die Vorspinnmaschine s. Tafel: Flachsspinnerei, 1100 9) sind im rinzip den entsprechenden zur Flachsbearbeitung dienenden Maschinen gleich, da sie meist ebenfalls mit einem aus Hechelstäben bestehenden und durch Schrauben bewegten Hechelapparat versehen sind und sich von jenen nur ein 3 eine einfachere Bandzuführung, direkt über ein Zuführungsblech, durch kleinere Distanz im Streckwerk und leichtere Bauart unterscheiden. Die Wergfeinspinnmaschinen sind gleichfalls entweder Trocken⸗, Halbnaß⸗ oder Naßspinnmaschinen und gleichen in ihrer Konstruktion den Flachsfeinspinnmaschinen, mit dem einzigen Unterschied, daß bei den erstern der Abstand der Streckwalzen ein geringerer und die Zuführung des Vorgarns eine einfachere ist. Das Haspeln der Flachs- und Werggarne findet auf dem Garnhaspel oder Weife (Fig. 10) statt. Die Feinspinnspulen werden direkt über feste, nebeneinander auf einem Brett angeordnete dünne Drahtstifte oder besser erst auf Messinghülsen und mit diesen dann über die Stifte „ Die Fäden verbindet man mit dem Haspel, bei dessen Drehung sie sich auf dem Umfang desselben aufwinden. Zu den weitern Vollendungsarbeiten gehört das Trocknen der naß gesponnenen und gehaspelten Garne, welches sofort vorgenommen werden muß, um dieselben vor dem Verderben zu bewahren. Die Trocknung geschieht entweder in Trockenkammern, Trockenapparaten oder Trockenmaschinen. In den Trockenkammern erfolgt sie mittels erwärmter Luft. Vorteilhafter, weil weniger Raum einnehmend, sind die Kanal⸗ und Kastentrockenapparate, bei denen die Heizvorrichtung aus einem aufrecht stehenden, schmiedeeisernen Cylinder von etwa 1, m Durchmesser und 3m Höhe besteht, der im Innern etwa 500 Röhren enthält; indem man entweder den abgehenden Dampf der Betriebsdampfmaschine oder direkten Kesseldampf in den Cylinder leitet, wird die durch die Röhren streichende Luft erwärmt. Die Bewegung der erwärmten Luft wird durch einen dieselbe ansaugenden Ventilator, resp. Erhaustor, bewirkt. Unter den in der F. gebräuchlichen Trockenmaschinen ist die von Mather u. Platt in Manchester erwähnenswert; dieselbe hat den Vorteil, kontinuierlich zu arbeiten, sodaß eine Arbeiterin die Garne an dem einen Ende der Maschine in diese hineinhängt und eine zweite die nach 40—45 Minuten am andern Ende getrocknet ankommenden Garne wieder herausnimmt. Um das Garn direkt in die zum Verweben erforderliche Form zu bringen, wird dasselbe oft schon in den Spinnereien mittels sogenannter Schußspulmaschinen (wie Fig. 11 eine solche zeigt) gespult.