Fraas (Karl Nikol.), Botaniker und Landwirt, geb. 8. Sept. 1810 zu Rattelsdorf bei Bamberg, widmete sich seit 1830 mediz. und naturwissenschaftlichen, insbesondere botan. Studien. Nachdem er 1834 den Doktorgrad erworben, ging er 1835 als Hofgarteninspektor nach Athen, wo er 1836 auch die Professur der Botanik an der Universität erhielt. Nach seiner Rückkehr 1842 wirkte er zunächst als Lehrer an der Landwirtschafts⸗ und Gewerbeschule zu Freising, dann als Inspektor an der Centrallandwirtschaftsschule zu Schleißheim, wurde 1847 Professor der Landwirtschaft in München und erhielt 1851 die Direktion der Centraltierarzneischule daselbst übertragen. F. erste wissenschaftliche Leistungen gehören der Botanik an, wie die neugriech. Schriften Synopsis florae classicaes (Münch. 1845), Klima und Pflanzenwelt in der Zeit, ein Beitrag zur Geschichte beider (Landsh. 1847). Von seinen Iwutern landwirtschaftlichen Schriften sind zu nennen: „Histor.⸗encyklopäd. Grundriß der Landwirtschaftslehrey (Stuttg. 1848), 4«Geschichte der Landwirtschaft² (Prag 1851), eine gekrönte Preisrift; Die 4 500 des Landbaues (5. Aufl., Stuttg. 1871), «Bayerns Rinderrasseno (Münch. 1853), Die künstliche Fischerzeugung » (2. Aufl., Münch. 1854), «Die Natur der Landwirtschafto (2 Bde., Münch. 1857), (Buch der Natur für Landwirte oder landwirtschaftliche Naturkunde (Münch. 1860), „Die Ackerbaukrisen und ihre Heilmittelo (Lpz. 1866), Dorfgeschichten (Münch. 1870), «Das Wurzelleben der Kulturpflanzen» (Berl. 1872), „Geschichte der Landbau-⸗ und Forstwissenschaft seit dem 16. —H— 1 (Münch. 1865; Teil der von König Max veranlaßten histor. Sammlung, sein ausgezeichnetstes Werk). Auch gründete er die KSchranner, eine landwirtschaftliche Wochenschrift. In seinem anzen Wirken zeigte sich F. bestrebt, die Errungenchaften der modernen Naturwissenschaft dem Landwirte zuzuführen und den Bauernstand geistig und wirtschaftlich frei zu machen. Als langjähriger Schriftführer des Landwirtschaftlichen Vereins für Bayern, aus dem er indes 1864 wegen polit. Differenzen austreten mußte, übte er Einfluß auf die bezüglichen Verhältnisse des Landes aus. Später zog er sich auf sein Gut Neufreimann bei München zurück. Hier starb er 9. Nov. 1875. F. zählt unter die hervorragendsten landwirtschaftlichen Gelehrten des 19. Jahrh.; einzelne seiner Schriften besitzen dauernden Wert.