FeedFuad Pascha (Mehemmed)
HeilkundeBrockhaus 1882

Fuad Pascha (Mehemmed), einer der bedeutendsten und einflußreichsten osman. Staatsmänner der Neuzeit, geb. zu Konstantinopel 17. Jan. 1814 als Sohn des als Schriftsteller bekannt gewordenen Mollah Isset (Izzet) und dessen wegen ihrer Geisteseigenschaften noch mehr gefeierten Gattin Lela Khanum. Nach einer sorgfältigen Erziehung im elterlichen Hause widmete er sich mediz. Studien, und wurde dann als Arzt auf der türk. Kriegsflotte angestellt. Seine Erlernung des Französischen, worin er sich eine seltene Meisterschaft des mündlichen wie auch schriftlichen Ausdrucks erwarb, gehört dieser Epoche an. Da er der atuchen Be unterworfen war, gab er indes den ärztlichen Beruf auf, um die diplomatische Laufbahn einzuschlagen. Er fungierte zunächst im Büreau der Übersetzungen als Hilfsarbeiter, worauf er 1840 als Botschaftssekretär nach London und 3. uach nach Paris gesendet wurde. Im J. 1813 na Konstantinopel zurückberufen, ward er 1845 zum Großreferendar (Amedji) des kaiserl. Diwans ernannt. Als solcher ging er 1848 im Auftrage der Pforte und in der Eigenschaft eines Generalkommissars nach Bukarest, wo er sich im russ. Sinn die Herstellung der durch die dortige liberale Bewegung gestörten Ordnung Iwolen sein ließ. Das damals gewonnene Wohlwollen Rußlands verlor er jedoch seit 1852 wieder, aus Anlaß der Haltung, welche unter seiner Leitung der auswärtigen Geschäfte die Pforte in dem durch Frankreich angeregten Streit über die heiligen Stätten annahm. Vom Fürsten Menschikow, bei Gelegenheit der Sendung desselben nach Konstantinopel im Frühjahr 1853, in beleidigender Weise behandelt, trat er vorübergehend aus dem Kabinett aus, um jedoch beim Ausbruch des Kriegs (Okt. 1853) seinen Posten wieder einzunehmen. Als Pfortenkommissar während des Krimfeldzugs aus Anlaß des Einbruchs griech. Insurgentenbanden an die griech. Grenze gesendet, erhielt er nach Wiederherstellung der Ordnung, unter Erhebung zum Vezier, den Paschatitel. Von da ab befand er sich mit seinem Freunde Aali Pascha alternierend in den höchsten Staatsämtern. Bedeutsam für sein Ansehen war namentlich die ihm im Sommer 1860 zufallende Sendung nach Syrien als Pfortenkommissar, aus Anlaß der Christenverfolgungen zu Damascus. Das bei dieser Gelegenheit bewiesene eminente diplomatische Geschick brachte ihn nach seiner Rückkehr für längere Zeit als Großvezier an die Spitze der Verwaltun des Reichs. In dieser Stellung behauptete er si auch nach dem 1861 erfolgten Thronwechsel; 1862 verwertete er die Erfolge Omer Paschas wider Montenegro durch kühnes diplomatisches Eingreifen. Diese Erfolge schützten ihn jedoch nicht vor einem durch Intriguen seiner Gegner herbeigeführten Rückschlage. Die durch Mehemmed Ruschdi Pascha geleitete alttürk. Partei erlangte 1866 im Serail das übergewicht und veranlaßte Fuads Sturz. Ein volles Jahr fast blieb er mit seinem Dung Der berens Aali Pascha außer Verwendung. bereits 1866 zum Ausbruch gekommene Aufstand der christl. Kretenser, Serbiens drohende Haltung und die Unabhängigkeitsbestrebungen des ägypt. Vizekönigs bestimmten jedoch den Sultan, Aali und F., erstern als Großvezier und letztern als Minister der auswärtigen Angelegenheiten, an die Spitze eines neuen Ministeriums zu stellen. Allerdings heischte die Beschwichtigung Serbiens das Opfer des türk. Besatzungsrechts in der Festung Belgrad, doch wußte F. die ägypt. und die kretensische Angelegenheit ohne offizielle Einmischung des Auslandes glücklich zu erledigen. Einen merkwürdigen Beweis seiner diplomatischen Sicherheit gab er, indem er, während die Presse überall leidenschaftlich für die Kretenser Partei nahm, den Sultan zu einem Besuche Frankreichs, Englands, Preußens und Ssterreichs vermochte und damit grundlose Hoffnungen erweckte, die ihm für den Augenblick zugute kamen. F. starb 12. Febr. 1869 zu Nizza, wohin er sich zur Kur begeben hatte. Eine gründliche Reform hat er nie versucht; auch trifft ihn der Vorwurf maßlofer Ausnutzung des Kredits und der Vorbereitung des wirtschaftlichen Ruins seines Landes.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 391Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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