Fugäto (ital., fugiert)) heißt ein Musikstück, wenn es im Stil einer Fuge (s. d.“ gehalten ist, „jedoch ohne die strenge und breite Durchführung derselben; in diesem Sinne bedeutet F. eine kleine Fuge oder soviel wie Fughetta (s. d.). Ferner nennt man F. auch solche Stellen in einem größern Satze, bei denen die Stimmen fugenartig verwebt werden, um bald darauf wieder einer andern harmonischen Gestaltung Platz zu machen; hier ist also F. gleichbedeutend mit Fugenbruchstück. ugazität (vom lat. fugax, flüchtig), Flüchtigkeit, Vergänglichkeit. ugbank, s. Fügebank. uge heißt ein mehrstimmiges Tonstück für Singstimmen oder in ni. in welchem die Stimmen nicht gleichzeitig anfangen, sondern eineinander in der Weise folgen, daß alle mit demselben melodischen Satze (Thema oder Subjekt), aber in verschiedener Tonhöhe beginnen. Die Ordnung ist regelmäßig die, daß z. B. bei einer vierstimmigen F. eine [Stimme zuerst das Thema im Haupttone (dux oder Führer) vorträgt, eine zweite mit demselben eine Quinte höher oder Quarte tiefer (comes oder Antwort) folgt, die dritte dann das Thema wieder im Haupttone ergreift, jedoch gegen das erste um eine Oktave versetzt, und die vierte endlich nochmals in der Quinte oder deren Oktave folgt. Das, was jede Stimme, während das Thema in einer andern liegt, vorzutragen hat, heißt Kontrasubjekt oder Gegenthema. Ist das Thema von allen Stimmen eingeführt, so bleibt es durch die ganze F. der herrschende Gedanke und erscheint wechselnd in allen Stimmen mit allerlei Gestaltungen, Umwandlungen, Verkürzungen u. dgl. Es ist aber nicht nötig, daß diese thematischen Gedanken beständig in einer F. zu vernehmen sind; vielfach werden sie der Abwechselung wegen dur fremdartige Gruppen unterbrochen, die man dann Zwischenharmonie nennt. Oft wird auch ein Gegenthema zugleich mit dem Dux eingeführt, das während der ganzen F. neben dem Haupttone eine selbständige Geltung behält, und es heißt alsdann die F. eine Doppelfuge. F. über zwei Subjekte aber entstehen, wenn in der Mitte des Stücks ein ganz neues Thema eingeführt und erst, nachdem es verarbeitet worden, mit dem ersten Thema verkettet wird. Besteht die F. blos aus dem Thema mit seinen Kontrasubjekten, so 42 sie eine strenge F. (fuga ricercata); frei aber ist sie, wenn mancherlei fremde Gedanken (Zwischenharmonien) eingemischt, auch die Kontrasubjekte nicht durchaus treu beibedul werden. Die F., wie oft sie auch durch rein alkulierende Behandlung zum bloßen musikalischen Rechenexempel herabgezogen wurde, bietet dem Tonsetzer ein weites Feld zu schönen, großartigen Effekten wie zu eigentümlichen kunstreichen Kombinationen, ja sie bildet den Mittelpunkt der spezifisch künstlerischen Gestaltung in der Musik. Die F.gehört daher zu den wichtigsten Disziplinen dieser Kunst, deren Lehre auch von jeher mit entsprechender Wichtigkeit behandelt wurde. Die größten Fugenmeister und die besten Lehrbücher über die F. (von Fux, Martini, Paolucci, Marpurg, Cherubini u. a.) gehören der Vergangenheit an. (S. Kanon.) Fügebank oder Fugbank (frz. varlope, colombe à joindre; engl. jointer, cooper's plane), eine Vorrichtung in den Tischlerwerkstätten zum Abrichten (Fügen) langer Bretter an den Kanten, um aus denselben größere Flächen, Fußböden u. s. w. zusammenzusetzen; auch ein festliegender Hobel der Böttcher zum abrichten der Dauben. (S. Faßfabrikation und Hobel.) Fügebock, ein zum Festhalten abzuhobelnder Bretter dienendes Gestell, aus zwei vertikalen, unten durch einen Fuß und in halber Höhe durch ein Querstück verbundenen Holzfäulen bestehend, in dessen oberer gabelförmiger offnung das zu bearbeitende Brett, auf die hohe Kante gestellt, mittels eines Keils oder einer Schraube derart festgeklemmt wird, daß der obere Rand herausragt. Es werden 14— zwei Fügeböcke zugleich gebraucht, in der durch die Länge der Bretter bestimmten Entfernung voneinander aufgestellt und, der größern Festigkeit wegen, durch eine zwischen Fuß und Querholz eingeschobene Diele miteinander verbunden. Das so gebildete Ganze heißt Fügelade. Fügeeisen oder Kröseleisen, ein hakenähnliches Werkzeug der Glaser, um kleine Teile von den Rändern der Glasscheiben wegzubrechen. Fügehobel oder Fughobel (frz. galère, engl. long-plane), der größte Hobel in der Tischlerwerkstatt. (S. Fügebank und Hobel.) Fügelade, s. Fügebock. Fügemaschine, s unter Faßfabrikation, Bd. VI, S. 597. Fugen (frz. joints, engl. joints) nennt man in der Tischlerei die Verbindung zweier Bretter an ihren Kanten. Fügen (rz. joindre, dresser; engl. jointing, smoothing), in der Tischlerei soviel wie Abrichten, die langen Kanten der Bretter geradlinig abhobeln. Jüger Ort im Zillerthal (s. d.). üger (Friedr. Heinr.), Historienmaler, geb. zu Heilbronn 8. Dez. 1751, zeigte früh große Vorliebe für die Malerei und kam, um dieselbe zu erlernen, nach Stuttgart, verließ aber dann die betretene Bahn und ging nach Halle, um die Rechte zu studieren. Hier durch Klotz ermuntert, seinem ersten Lebensplane getreu zu bleiben, ging er, nachdem er zu seiner weitern Ausbildung einige Zeit in Dresden sich aufgehalten hatte, 1774 nach Wien und ward hierauf von der Kaiserin Maria Theresia als Pensionär nach Rom geschickt. Nach siebenjährigen Studien daselbst wandte er sich 1782 nach Neapel, wo er in dem Bibliotheksaale der Königin Karoline zu Caserta acht histor. Bilder in Fresko ausführte und ein sehr gelungenes Bildnis dieser Monarchin lieferte. F. folgte 1784 dem Rufe als Vizedirektor der Maler⸗ und Bildhauerschule nach Wien, wo er nacheinander Professor, Rat und wirklicher Direktor wurde und 5. Nov. 1818 starb. Nach seiner Rückkehr nach Wien lieferte er anfangs fast nur Miniaturgemälde, die sich durch charakteristische Ahnlichkeit und wahre, kräftige Färbung auszeichnen, und unter denen namentlich das des Kaisers Joseph II., das einzige wahrhaft ähnliche dieses Monarchen, das herrliche Gesamtbild der Familie Maria Theresias und das der Gräfin Rzewuska zu erwähnen sind. Bald indes bildete er sich in Wien mit dem besten Erfolge auch in der Olmalerei aus. Seine vorzüglichsten Arbeiten hierin sind die Porträts Kaiser Josephs II., der Erzherzogin Elisabeth und Loudons. Von den histor. Gemälden sind zu nennen: Prometheus, der das himmlische Feuer entwendet, Orpheus, der von Pluto die Rückgabe der Eurydice erbittet, Dido auf dem Scheiterhaufen, Adam und Cva beweinen den toten Abel, das Urteil des Junius Brutus über seine Söhne und als Seitenstück der Tod der Virginia; ferner Semiramis, welche an ihrem Putztische die Empörung der Babylonier wider sie erfährt, Sokrates vor seinen Richtern, die büßende Magdalena und Johannes in der Wüste lersteres in der kaiserl. Gemäldegalerie zu Wien). Zu seinen besten Arbeiten gehören ferner die Handzeichnungen, welche er nach Klopstocks »Messias v auf blauem Papier mit Kreide und Tusche und nachher auch in Gemälden (Akademische Galerie in Wien) ausfuhrte. Bei großer technischer Gewandtheit vertritt F. die durch David in Frankreich angebahnte Richtung des akademischen Klassizismus, sein Kolorit ist sehr weich, die Empfindung oft sentimental.