FeedFüeßli
Bildende KunstBrockhaus 1882

Füeßli, Name einer Schweizerfamilie, von deren Mitgliedern sich mehrere als Künstler und Kunstgelehrte auszeichneten. Sie stammten aus Zürich, wo sie auch thätig waren. Der älteste, ohann Kaspar F., daselbst 1707 geboren, Schüler seines Vaters Matthias, hatte sich aufgroßen Reisen Kenntnisse erworben und war im PVorträtfache tüchtig. Er verfaßte das «Verzeichnis der vornehmsten Kupferstecher und ihrer Werker (Zürich 1771) und KGeschichte und Abbildungen der besten Künstler in der Schweiz (5 Bde., Zür. 1769 — 79). Von Winckelmann, der ihm persönlich befreundet war, edierte er dessen Briefe an seine Schweizerfreunde 1778. Er starb 6. Mai 1782. — Außerordentliches Verdienst um die Geschichte der Kunst hat Hans Rudolf I. F., dessen großes (Allgemeines Künstlerlexikon» (1753—77 erschienen) heute noch von Wichtigkeit ist. Er wurde 5. Sept. 1709 in Zürich geboren, war als Maler Lutherburgs Schüler, starb 12. Sept. 1793. — Hans Rudolf II., geb. daselbst 1737, lernte bei seinem Vater, Johann Kaspar F., kam 28 Jahre alt nach Osterreich, um dessen Kunstleben er sich Verdienste erwarb. Namentlich sind seine nicht vollendeten Annalen der bildenden Künste für die österr. Staaten » (2 Hefte, Wien 1801—2), welche er als Archivar der wiener Akademie verfaßte, von großem Werte. Vorher bekleidete er mürere administrative Stellen im österr. Dienste, wirkte als Geometer in Ungarn und Dalmatien, Kaiser Joseph II. ernannte ihn zum Präsidenten der Steuerkommission. Er starb in Wien 1806. Johann Heinrich, der Bruder von Hans Rudolf II., als ausübender Künstler der Hervorragendste aus der Familie, auch als übersetzer tüchtig, geb. zu Zürich 7. Febr. 1742, wurde auf einer Reise zu London Schüler des berühmten Reynolds 1767, stand aber auch Rafael Mengs, Winckel. mann, West u. a. nahe. In Italien und England sich abwechselnd aufhaltend, war er sowohl artistisch als litterarisch thätig, in letzterer Hinsicht setzte er seines Vaters Hans Rudolf «Künstlerlexikon» in 4 Supplementbänden (1806—21) fort. Als Maler liebte er große histor. Stoffe, häufig aus der Geschichte seines Vaterlandes, wie der Bund der Eid genossen im Rathause zu Zürich, teils Mythologisches, z. B. Theseus und Ariadne, das kolossale Gemälde der Seelen in der Unterwelt nach Lucian. Ein effekthaschendes, flüchtiges Wesen schädigt indessen seine meist poesievollen Entwürfe. Er starb in Putney-Heath 16. April 1825. Hans Heinrich F., Sohn von Hans Rudolf I., geb. 8. Dez. 1744, ein Jugendfreund Bonstettens und Joh. von Müllers, dem er einen Teil seiner wertvollen histor. Sammlungen überließ, war gegen Ende des 18. Jahrh. öffentlicher Lehrer der vaterländischen Geschichte und unter der helvet. Einheitsverfassung Mitglied der obersten Vollußreichsten Staatsmänner, die einer freisinnigen ichtung im Kanton Zürich Bahn brachen. Die Restauration verdrängte ihn aus seinen Amtern, doch ward er später wieder in den Großen Rat berufen. Seine Muße war nächst der Leitung der Buchhandlung Orell, F. und Comp. vornehmlich litterarischen Beschäftigungen im Fache der vaterländischen und der Kunstgeschichte gewidmet. An seinem 85. Geburtstage nahm er auch die Entlassung aus dem Großen Rat und starb zu Zürich 26. Dez. 1832. Er setzte das «Künstlerlexikonseines Vaters in 12 Abschnitten fort (1806—21) und lieferte dann Reue Zusätze zu dem allgemeinen Künstlerlexikon und den Supplementen desselben (Heft 1, Zür. 1824). Auch schrieb er Küber das Leben und die Werke Rafael Sanzios (Zür. 1815). Wilhelm F., Oberrichter, geb. 1803, gest. zu Zürich 10. Sept. 1845, bethätigte sich für die Einführung der neuen freisinnigen Verfassung von 1831 in Zürich und die Entwickelung der in ihr verheißenen Institutionen. Die Umwälzung von 1839 verdrängte ihn aus seinem Amte. F. schrieb „Zürich und die wichtigsten Städte am Rhein mit Bezug auf alte und neue Werke der Architektur, Skulptur und Malereib (2 Bde., Zür. 1842—43; 2. Aufl., Lpz. 1846) und Münchens vorzüglichste öffentliche Kunstschätzes (Münch. 1841).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 397Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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