Gestell vereinigt sind und gemeinsam abgefeuert werden. Sie nehmen später den Namen Orgelgeschütze an. Im Felde werden namentlich die leichten und fahrbaren G. verwandt, indes ohne daß die schweren ganz ausgeschlossen gewesen wären. Ein gewisses Geschützsystem zeigt sich zuerst im sog. Zeugbuch» Kaiser Maximilians I., in welchem der Art nach Hauptbüchsen, Kartaunen, Schlangen und Mörser angeführt sind. Doch sind die größten Fortschritte in der Vereinfachung des Geschützwesens und zugleich in der Ausbildung der Feldgeschütze im 16. Jahrh. in Frankreich unter Franz I. zu verzeichnen. Auch Kaiser Karl V. hat in dieser Hinsicht fand vielfache Nachahmung. In dem auf den Dreißigjährigen Krieg folgenden Jahrhundert sind in Bezug auf Sichtung und Vereinfachung des Geschützwesens keine wesentlichen Fortschritte zu verzeichnen, dagegen ist die weitere Ausbildung der eigentlichen Wurfgeschütze, der Mörser und Haubitzen, welche eiserne Hohlgeschosse schießen, hervordeschaff Es werden einerseits sehr große Mörser geschaffen, andererseits in den Coehornschen oder Handmörsern sehr kleine und bewegliche, die im Belagerungskriege eine große Rolle spielten. Eine eigentümliche Konstruktion zeigt Fig. 5 in dem französischen Mörser mit Nebenkammern von 1680, auch Rebhühnermörser genannt, welcher gleichzeitig eine große und acht kleine Bomben werfen sollte. Die Orgelgeschütze erreichten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. ihre höchste Ausbildung, traten dann aber dem Kartätschschuß der leichten Kanonen gegenüber gänzlich in Hintergrund. In der Einrichtung der Lafetten ist als ein Fortschritt die Schraubenrichtmaschine zu verzeichnen. Im J. 1732 stellte Vallière in Frankreich ein neues Geschützsystem auf, in welchem die Zahl der Kanonenkaliber auf fünf, und wurd 24⸗, 16⸗, 12⸗, 8-und 4-Pfünder festgesetzt wurde. in Gestalt der vom franz. General Pairhans erfundenen Bombenkanonen (s. d.) zu erwähnen. Die Granatkanonken sollten einen gleichen Vorteil im Feldkriege und zugleich das Mittel zur Vereinfachung des Feldgeschützsystems bieten, in welchem in der Regel noch zwei Kaliber von langen Kanonen und außerdem kurze oder lange Haubitzen vertreten waren. In der 12pfündigen Granatkanone, deren Anwendung in der Feldartillerie zuerst in Frankreich durch Napoleon III. 1852 erfolgte, später auch seitens anderer Mächte (so 1861 in Preußen in Gestalt des kurzen 12-Pfünders, Fig. 6 und 7) Beifall fand, hoffte man das Einheitsgeschütz der Feldartillerie gefunden zu haben, das die Vorzüge der bisherigen Geschützarten in sich vereinigen sollte. Für Zwecke des Festungskriegs wurde ein kurzes 24pfündiges Kanon zum Granatschuß adoptiert, auch die Bombenkanonen, die anfänglich mehr für den Seekrieg ausersehen waren, fanden hier Aufnahme. Die Lafettensysteme wurden weiter fortgebildet und allerwärts erleichterte Feldlafetten eingeführt. Da hiermit der Zeitraum beginnt, in welchem zuerst brauchbare gezogene G. hervortreten, so erübrigt es, das System der glatten G., wie es sich nunmehr kurz vor seinem durch diese veranlaßten allmählichen Ausscheiden gestaltet hatte, übersichtlich zu schildern. Man betrachtete als Hauptgeschützarten die Kanonen und die Mörser. Den Typus der erstern, und zwar der kurzen Kanonen zeigt Fig. Gals Längendurchschnitt des preuß. kurzen 12-Pfünders von 1861, dazu Fig. 7, Ansicht von vorn; der letztern Fig. 8 als Längendurchschnitt des preuß. 25pfündigen Mörsers. Der Unterschied liegt zunächst in der relativen Länge der Seele, die bei langen Kanonen 18, bei kurzen Kanonen 12, dagegen bei Mörsern nur 3 Kaliber beträgt, ferner in der Gestaltung der Seele, insofern Kanonen in derselben gleich weit, Mörser dagegen im hintern Teile zur Aufnahme der Pulverladung verengt sind. Dieser verengte Teil heißt die Kammer, sie ist in Fig. 8 cylindrisch K und schließt sich durch den halbkugelförmigen Kessel Can den vordern cylindrischen Teil, den Flug F, an, der dem Geschosse als Führung dient. Diese Verschiedenheiten sind darin begründet, daß die Kanone eine im Verhältnis zum Geschoßgewicht große (½ bis ½), der Mörser eine kleine und dabei wechselnde Ladung hat, und das hängt wieder damit zusammen, daß die Kanone ihr Geschoß im flachen, der Mörser aber im hohen Bogen forttreiben soll. Kanonen sind im Zusammenhang mit ihrem großen Ladungsverhältnis im Metall verhältnismäßig stärker als die Mörser. Bei beiden findet aber im allgemeinen eine Abnahme der Metallstärke von hinten nach vorn statt. Bei Kanonen sitzen die Schildzapfen in der Mitte kurz vor dem Schwerpunkt, bei Mörsern hinten. Das Richten geschieht bei Kanonen direkt durch ein am hintern Teil angebrachtes Visier und ein vorn befindliches Korn, das Visier kann erhöht werden. (S. Anfsatz.) Der Mörser hat zum Richten eine eingravierte Visierlinie und eine Platte zum Aufsetzen eines Quadranten. Lange Kanonen haben als Hauptgeschosse Vollkugeln, kurze Kanonen und Mörser Hohlkugeln. Als Zwischengattungen zwischen Kanonen und Mörsern hat man Haubitzen und Bombenkanonen. Haubitzen haben 6 oder 9 Kaliber Seelenlänge und heißen demnach kurze oder lange, ihre innere Einrichtung entspricht im übrigen derjenigen der Mörser, die äußere Ausstattung derjenigen der Kanonen. In Fig. 9 ist eine österreichische (kurze) Feldhaubitze abgebildet. Haubitzen von großem Kaliber haben in der Regel konische Kammern, ebenso die Bombenkanonen, welche 10 Kaliber lang sind und im übrigen den Kanonen gleichen. Die Bombenkanonen nähern sich im Ladungsverhältnis den Kanonen und schießen vorherrschend im flachen Bogen, die Haubitzen nähern sich in ersterer Hinsicht den Mörsern und schießen im flachen und im hohen Bogen, beide haben Hohlkugeln als Hauptgeschosse. Als Material der Geschützrohre benutzt man Bronze, in zweiter Linie auch Gußeisen. Die gewöhnlichen Kaliber der Kanonen in der Landartillerie sind 24-Pfünder (15 em), 12-Pfünder (12 em) und 6-Pfünder (9 em), auch hat man statt der 6-Pfünder 8-Pfünder (10 em); die Schiffsartillerie kennt noch größere Kaliber als den 24-Pfünder. Für die übrigen Geschützarten hatte man häufig die Benennung der Kaliber nach dem Steingewicht der Geschosse beibehalten; dem Durchmesser nach kommen Bombenkanonen gewöhnlich als 22 und 28 em, Haubitzen außerdem noch als 15 und 17 em vor; bei den Mörsern sind alle vier genannten Kaliber vertreten, außerdem noch 12 em (Handmörser) und solche von sehr großer Mündungsweite, zum Werfen von Steinen bestimmt und Steinmörser genannt. Die Hauptschwächen des ganzen Systems der glatten G. liegen in der Notwendigkeit des Spielraums zwischen Geschoß und Seelenwänden und in den damit zusammenhängenden großen Kuaeragstalt pr/ der Flugbahnen, sowie in der Kugelgestalt der Geschosse, welche der Wirkung derselben enge Schranken setzt, und charakterisieren sich als geringe Trag- und Trefffähigkeit und ungenügende Geschoßwirkung, sobald man das gezogene G. in Parallele stellt. Der Gedanke an gezogene G. ist, wie Exemplare solcher in den Zeughäusern zu Zürich, Berlin, Paris zeigen, schon im 17. und 18. Jahrh. aufgetaucht, ohne indes eine praktisch brauchbare Gestalt zu gewinnen; ebenso wenig gelang dies einer 1809 durch einen königl. bayr. Artilleriehauptmann Reichenbach zu München gegebenen Anregung. Eine zusammenhängende Folge der Entwickelung gezogener G. knüpft eb erst an diejenigen Konstruktionen an, mit welchen um 1845 der Hüttenbesitzer Baron Wahrendorff zu Aaker in Schweden und der sardin. Artilleriemajor Cavalli (s. d.) sich beschäftigten. Wahrendorffs Bestrebungen gingen zunächst nur auf die Anwendung der Hinterladung bei G. behufs leichterer Bedienung in gedeckten Aufstellungen, wobei er zugleich durch Umlegen eines Bleiüberzugs um die eiserne Rundkugel den Spielraum beseitigte. Bei seinem Verschlusse wandte er im Gegensatz zu den Konstruktionen früherer Jahrhunderte zuerst einen den Gasabschluß nach rückwärts vermittelnden Dichtungsring an. Der Verschluß selbst bestand in einem von hinten in die Bohrung eintretenden Cylinder, der durch einen quer durch das Rohr und den Verschlußcylinder gesteckten Keil festgehalten und mittels einer Schraubenvorrichtung festgestellt wurde. Cavalli experimentierte gleichfalls mit einem Hinterladungsrohr, das durch einen in eine Queröffnung des letztern eintretenden Keil verschlossen wurde, brachte aber in der Seele Züge an, in welche ein cylindrokonisches Geschoß mit entsprechenden Ansätzen eingriff, ohne daß indes der Spielraum beseitigt wurde. Wahrendorff nahm ebenfalls die Züge und das Langgeschoß an, umgab aber letzteres el seinem cylindrischen Teile mit einem Bleimantel, dessen Querschnitt so bedeutend war, daß sich das Geschoß gewaltsam in die Züge einpressen mußte und nicht bloß rotierend, sondern ohne Spielraum durch das Rohr ging. G. nach Cavallis Idee wurden bereits 1847 in Italien in Gestalt Szölliger, von hinten zu ladender und mit zwei Zügen versehener Bombenkanonen angenommen und Dduter vor Gaêta (1860—61) mit Erfolg benutzt. urch die Versuche Wahrendorffs und Cavallis angeregt, fanden zwischen 1850 und 1860 sowohl in Frankreich und Preußen als in England, dort durch die Regierungen, hier durch Private, weitere Versuche mit gezogenen G. statt. In Frankreich entschied man sich für Cavallis Idee der Spielraumführung unter Beibehalt der durch Jahrhunderte traditionell gewordenen Vorderladung. Es entwickelte sich hier das französische Geschützsystem von 1858, welches bereits im Feldzug von 1859 in Oberitalien einer Feuerprobe unterzogen wurde und dann teils in unveränderter Gestalt, teils mit wenig erheblichen Modifikationen eine sehr ausgedehnte Verbreitung gewann, indes im Deutsch-Französischen Krieg von 1870—71 sein Ansehen gänzlich einbüßte. Preußen bildete sein System gezogener G. auf Grund der Wahrendorffschen Bestrebungen, als Hinterlader mit gänzlicher Beseitigung des Spielraums. Das preußische Geschützsystem wurde wegen seiner größern Kompliiertheit anfänglich vielfach mit Mißtranen betrachtet, brach sich aber allmählich mehr und mehr Bahn, bis es infolge der Ergebnisse des Kriegs von 1870 — 71 in seinen Grundzügen mustergültig wurde, sodaß spielraumlose Hinterlader jetzt noch allein eine Rolle spielen. In England waren es im obengenannten Zeitraum (abgesehen von einer nicht er Lebensfähigkeit gelangten Konstruktion Lancasters) hauptsächlich zwei Industrielle, die auf verschiedenen Wegen vorgingen, Whitworth mit Spielraumgeschützen von sechseckigem Seelenquerschnitt, anfänglich auch Hinterlader, Armstrong (s. d.) mit spielraumlosen Hinterladern ähnlich wie in Preußen, aber mit anderer Verschlußkonstruktion und einem besondern Fabrikationsverfahren der Rohre. Die französischen gezogenen G., nach dem Hauptkonstrukteur auch als System Lahitte bezeichnet, waren meist in Bronze Udurch und hatten drei bis sechs Züge, deren Profil durch nachstehende Fig. 10 dargestellt ist, die Geschosse mit Ailetten (s. unter