marmo, span. marmol. I. Mineralogisches. M. heißen alle Kalksteine mit deutlich krystallinisch-körnigem Gefüge. Zwischen dem gemeinen Kalkstein und M. läßt sich keine scharfe Grenze ziehen, da der erstere auch mehr oder weniger, allerdings weit feinkörniger, krystallinisch ist. Das Gefüge verläuft sich manchmal durchs höchst Feinkörnige bis ins Dichte. Manchmal führt er Körner, Krystalle und Blätter von Granit, Glimmer etc. Feiner gleichsörmiger M. läßt sich in schwachen Platten bis zu ,¾½ seiner Länge biegen. In [den chemischen und physikalischen Kennzeichen stimmt er mit Kalkspat überein, besitzt jedoch oft einen beträchtlichen Bittererdegehalt. Der rohe M., frz. un. brut, ital. m. greggio, zeigt natürlich sein Gefüge deutlicher und hat deshalb iie nach der Größe der Körner sehr verschieden groben oder feinen Bruch, doch fast immer flimmernde Bruchflächen. Die meisten Arten von Milassen sich fein poliren. Er kommt meist grob vorgearbeitet, frz. dégrossé, ital. digrossato, zur Versendung; auf Bestellung auch schon mehr vorgearbeitet, angelegt, frz. ebauché, ital. sbozzato, oder gar pöllig bearbeitet, frz. m. fini, ital. m. finito, also auch polirt, frz. m. poli, ital. polito, Iucido. — Die Entstehung des Mis scheint in vielen Fällen das Resultat einer späteren Umänderung des ursprünglich geschichteten Kalksteins zu sein. Durch hohe Hitze und unter hohem Druck scheinen die Kalksteingebilde geschmolzen zu sein, die Kohlensäure konnte unter hohem Druck nicht entweichen und beim Erkalten erstarrte die Masse krystallinisch. Der eigentliche M.enthält nie Versteinerungen, hat auch keine eigentliche Schichtung. Sogenannte Marmorarten, die solche aufweisen, sind mineralogisch eigentlich nicht zum M. zu zählen, sondern vielmehr blos Kalksteinarten, s. d. Art. Kalk. II. Marmorarten. In Folgendem wurde auf mineralogische Unterschiede keine Rücksicht genommen, sondern alles Das als M.aufgeführt, was von Bautechnikern in der Regel so genannt wird. Zunächstunterscheidet man weißen M. von buntem, frz. m. de couleur, ital. m. colorato; und unter diesen wieder geaderten, frz. m. veiné, ital. m. venato, dann lumachello, cipollino ete.; ferner den Baumarmor, frz. m. à Construction; Plattenmarmor, frz. m. en plaques, en dalles; Statuenmarmor, frz.m.statuaire, ital. M. statuario, wozu namentlich der weiße M. verwendet wird.—1. Der afrikanische M. hat röthlich-weißlichen Grund mit zarten, weißen u. schwarzen, wellenförmig laufenden Adern und grüne Streifen, oder ist roth u. braun gefleckt mit weißen Adern. — 2. Asiatischer M. hat vollkommen matten und feinsplitterigen Bruch, ist roth, gelb und grau gefleckt, auch gelb und roth gestreift. — 3. Attischer, pentelischer M. ist reinweiß, feinkörnig, leicht bearbeitbar, hat auch bisweilen grüne Adern, wonach man ihn dann Cipollino nennt; wird durch das Alter schmutzig bläulichgrün, läßt sich aber leicht reinigen, bekommt durch Verwitterung ein pockennarbiges Ansehen. — 4. Gaudmarmor, frz. marbre rubané, s. d. betr. Art. — 5. Brabanter oder deutscher, schwarzer M. Dieser nimmt nur schwache Politur an, die im Freien bald verschwindet; man verwendet ihn daher vorzüglich zum Kalkbrennen, jedoch auch zu Altären, Taufsteinen, Trauervasen, Grabmälern, Gesimsen u. Verzierungen im Innern, s. übr. d. Art. bituminöser Kalkstein. — 6. Glauer antiker M. hat rosigweißen Grund, schieferblau durchmengt; ist nur in kleinen Tafeln vorhanden. — 7. Branner M.; der antike bräune M. hat schwärzliche, dunkelröthliche und weiße Flecken. Zimmetbraun ist der M Carello. Es giebt unter den Lumachellen ( d.) einen graubraunen mik weißen, durchscheinenden Adern, sowie auch einen dergleichen mit vielen rosenfarbenen Strichen, schön und theuer. Am seltensten ist die Lumachella astracana, der erstgedachten ähnlich, verbunden durch einen braunen Teig, mit kleinen Muscheln. Man hält auch für antik, d. h. für von den Griechen und Römern bereits verwendet, die gelbbraune Lumachelle mit kleinen schwarzen, dicht beisammenliegenden Muscheln. — 8. Carrarischer K. wird zu feinen Steinmetzarbeiten und Bildhauereien verwendet, giebt gebrannt wegen seines Gehaltes an Thonerde ausgezeichneten Kalkmörtel, ist nutzbar als Baustein, jedoch wie alle Kalksteinarten zu Feuerungsanlagen unbrauchbar, s übrigens d. Art. Carrarischer M. — 9. Florentiner, auch Ruineuwarmor gen. Es kommen in diesem Gestein ruinen- oder felsenartige Zeichnungen vor. Die Abänderungen, welche blos baumartige Zeichnungen zeigen, nennt man dendritischen M. Der schönste Ruinenmarmor (Alaberese) bricht zwei Meilen von Florenz im Gebirge von Rimago. — 10. Gelber autiker RI., ital. giallo antico. Der einfarbige, ei⸗ od. goldgelbe, schön polirbare, ist selten, nur zur Einlegung anwendbar, er ist vielleicht der von Lakedämon; außerdeni giebt es einen blässern und einen mit schwarzen oder dunkelgelben Ringen. Man rechnet hierzu: Marmo giallo brecoiato, mit gelben, dunklen Flecken auf gelbem, hellerem Grund; M. g. pagliocco, strohfarben; der M. g. annulato, gelb und schwarz geringelt und gefleckt; der M. g. 6 nero, ebenso, nur die Flecken kleiner und weniger scharf; ferner noch die breccia dorata, mit rothen u weißen Flecken zwischen den gelben. — 11. Gemeiner Kl. ist meist Grauwackekalk, s. d. Art. Kalkstein und Grauwackekalk. — 12. Grauer antiker A. ist aschgrau; man rechnet hierzu den antiken Harlekin, bei welchem viele kleine, ziemlich gleiche bis nußgroße Trümmer sehr dicht an einander in einem gelblichgrauen Grund liegen, rundliche Flecke von verschiedener Farbe erzeugend. Vergl. auch d. Art. Bardiglione. — 13. Griechischer M. hat schwärzliche, graue, blaßrothe und Isabellenflecken. — 14. Großer autiker R., ital. grosso antico, eineaus eckigen, muschelhaltenden Marmortrümmern bestehende, weißaderig gekittete Breccie — 15. Grüner anliker M., ital. verde antico, ist Breccie von grünlichschwarzem Serpentin mit einem Teig von weißem Kalkstein und Talk. Der aus Thessalien ist bei weitem schöner gls der bei Genua, den man Meergrün, ägyptisches Grün nennt; dazu gehören auch der grüne von Susa, der grüne Florentiner u. a. — Zungfrauen-Breccienmarmor, auch Harlekinbreceie gen., äußerst selten, hatchokoladenbraunen Teig, mit vielen, kaum 12—18 mm. großen weißen und röthlichen Flecken und kleinen eckigen rothen Punkten. — 17. Der kleine antike Al., ital. piccolo antico, weiß und schieferblau, geadert in unterbrochenen, welligen Richtungen, oder gestreift in Zickzackform. — 18. Parischer M., weißer antiker M., ist gelblichweiß, krystallinisch u. durchscheinend. — 19. Phrygischer Al., hat weiße, goldgelbe und graue, ins Grüne schillernde Streifen u. ist wellenförmig geadert. — 20. Rother autiker M., ital. rosso antico, ist durchzogen von weißen u. schwarzen Adern, übersäet von schwarzen Punkten; je dunkler er ist u. je weniger Adern er hat, desto kostbarer ist er. — 21. Salinischer M., s. d. Art. Kalkstein. — 22. Schwarzer M. Der antike hat blos wenig weiße und gelbliche Adern. Der chinesische hat weiße Flecken, der pyrenäische runde, graugelbe Flecken, der spanische gelbe Flecken und Adern, der sächsische schön goldgelbe und Glimmerschieferadern; der norwegische ist fast rein schwarz; es wird übrigens größtentheils der ganz schwarze Thonschiefer als M. verarbeitet. — 23. Steinartiger M. Man hält ihn für eine Versteinerung von Schalthieren und Korallen; er hat graugelben Grund und eingestreute gelbe Punkte und Adern. — 24. Pioletter autiker M. ist in Farbe und Zeichnung selbst in einem und demselben Stück von einiger Größe sehr manchfaltig. Es befinden sich beim gewöhnlichen in violettem Grund große, eckige Stücke von weißem, salinischem und lilafarbigem M.; die weißen, sehr abstechenden Flecken sind oft schuhgroß; eine zweite Art hat kleinere Trümmer, eine dritte rosenfarbige Flecken, eine vierte gelblichgrünen Grund mit sehr manchfaltig gefärbten Flecken. Man rechnet hierzu noch die seltene, aus violetten Trümmern durch weißen M. gekittete, dadurch Pfirsichblütfarbe erhaltene Fior di Persica. III. Notizen über Behandlung, Verwendung re. des Marmors. Der M. wird viel nachgeahmtund unterscheidet man künstlichen M., franz. I. artificiel, ital. m. artificiale, d. h. in Thon, Gips etc. nachgeahmt, und imitirten M., frz. m. keint, ital. m. Ento, d. h. durch Malerei nachgeahmten. 1. M. zu beizen, s. d. Art. Beize G. — 2. Al. durch Anstrich nachzuahmen, s. Imitation O. — 3. M. in Chon oder Gips nachzuahmen, s. unter Imitation E. — 4. M. in Leimfarbe oder Oelfarbe nachzuahmen, s. d. Art. Imitation u. Jaspismarmor. — 5. M. durch Putz nachzuahmen, s. d. Art. impastation und Stuck. — 6. M. zu färben, s. d. Art. Färben E. 2. — 7. Künstlichen weißen Al., welcher in Härte, Festigkeit und Bearbeitung dem natürlichen ähnelt, erhält man wie folgt: Man mengt 64 Th. Schwerspat mit 16 Th. gewöhnlicher bleifreier Tafelglasmasse und 1 Th. gebranntem Borax; mengt Alles, fein gepulvert, innig in einander, teigt es in die Häfen eines gewöhnlichen Glasofens ein, gießt die geschmolzene Masse zu Platten und Kuchen und läßt sie im Kühlofen erkalten. Man kann diesen M. beliebig adern und färben. — 8. M. zu reinigen. a) Man vermischt mit 130 g. Seifensiederlauge und 66 g. Terpentin eine Rindsgalle, verwandelt Alles in einen Teig mit einem Zusatz von Pfeifentyon, trägt diesen auf den M. auf und reibt ihn dann wieder ab, man wiederholt das Verfahren, bis der M. rein ist. b) Gelöschter Kalk wird mit starker Seifenlösung vermischt und dieser Brei auf die zu reinigende Marmorflüche aufgetragen. Nach Verlauf von 24-30 Stunden nimmt man die Masse wieder ab und wäscht den M. mit Seifenwasser, worauf derselbe ganz frisch und rein erscheint. — 9. Al. zu schleisen. Man nimmt denn zu schleifenden Stein zunächst die größte Rauhigkeit durch trocknes Abreiben miteinem Stück Bimsstein oder auch mit einem kleinkörnigen Sandstein. Man wendet letzteren auf großen ebenen Flächen so an, daß nasser Sand anfangs grober, nachher stufenweise feinerer, untergestreut wird. Das nächstfolgende Feinschleifen geschieht mittels nasfen Bimssteinpulvers auf Holz, Kupfer und Blei, bei Bildhauerarbeit auf einem Lappen; man wendet bei dunkelfarbigem M. auch wohl Schmirgel mit Wasser an; ferner leistet Glaspapier od. Schmirgel bei kleinen Gegenständen gute Dienste. Zweckmäßig anzuwenden ist auf Bildhauerarbeiten von weißem M fein zerstoßener und gesiebter weißer M. selbst statt des Bimssteinpulvers, und zwar mittels eines leinenen Lappens, der in Wasser getaucht ist; reibt man nachher mit weißem Flanell trocken, so enisteht ein sanfter Glanz, der sehr angemessen für nackte Theile der Figuren ist. — 10. M. zu poliren. Nach vorhergehendem Schleifen erhält der M. seine eigentliche Politur durch Zinnasche, sehr feinen Schmirgel, Kolkothar oder Knochenasche. Für weißen ist die Zinnasche unerläßlich, man gebraucht sie mit Wasser auf Holz od. einem Lappen, auch stark aufgerieben mittels eines Tuches, bis der Stein sich erwärmt. Auf buntem M. wendet man, und zwar naß, Schmirgel, Kolkothar und Knochenasche an. IV. Preis und Werth des Marmors. Derselbe ist gabhängig: 1. Von der Bildbarkeit und Leichtigkeit der Bearbeitung ohne Nachtheil des Glanzes. Den Zusammenhang heben Risse, Zerbröckelungen und Zersplitterungen mauchmal so auf, daß während der Bearbeitung einliglit / mothes 18835d3/0344 zelne Theile ausspringen und zerfallen. Die bearbeiteten Oberflächen werden oft von löcherigen Stellen, von einsitzenden Stücken, verwittertem Kies und sogen. Nägeln unterbrochen — 2. Von der Glanzfähigkeit, Politurfähigkeit, welche Gleichmäßigkeit, Feinheit und Geschlossenheit des Kornes, auch vielleicht noch andere, noch nicht erkannte Bedingungen der inneren Theilfügung voraussetzt. — 3. Von der Färbung, ihrer Art, Höhe, Lebhaftigkeit, Reinheit, Gleichförmigkeit oder Manchfaltigkeit Gestaltung in den Umrissen, Verlaufungen etc. der Adern, von der Seltenheit oder Gemeinheit der so entstandenen Zeichnungen. — 4. Vom Vorkommen in großen Blöcken, die für gewisse Zwecke brauchbar sind. Der Preis wächst schneller als die Größe selbst. — 5. Von der Dauer des ganzen innern Bestandes nicht allein, sondern auch des Glanzes, der Färbung etc. Immer ist, unter übrigens gleichen Umständen, die Verwitterung bei M. aus gegen Norden liegenden rüchen zerstörender: je weniger glatt, desto mehr bedeckt er sich im Freien mit Flechten und Moos u verliertfrüher die Schärfe der Kanten, Ecken und Erhöhungen; dies gilt selbst vom dauerhaften M., und es entstehen darauf zwischen den weichen Stellen, wo der Stein leichter auswittert, wulstige, schmale Hervorragungen. Auch eingesprengte Körner von Manganoxyd oder Eisenkies verursachen durch Fortschritt ihrer Oxydation leicht Flecke, auch wohl Zerstörung. — 6. Von der Förderungsweise, den Gewinnungskosten, von der Fracht. — 7. Von der Seltenheit, daher die alten, antiken Marmorarten aus ausgebeuteten oder unbekannten Brüchen die theuersten sind.