Säule, f. (Forml.), frz. Colonne, f., poteau, m., engl. column, post, lat. olumna, postis. Im allgemeinen jede aufrechtstehende Stütze, bes. freistehende Unterstützung einer senkrecht wirkenden Last, eigentlich nur, dafern sie aus einem Stück besteht (Stiel, Ständer, Pfosten); doch nennt ö man auch aus mehreren Stücken bestehende Stützen (Pfeiler) dann Säulen, wenn sie in Gestalt einer solchen gearbeitet sind. Verhältnisse u. Gestaltung der S. sind bedingt durch die zu tragende Last, durch die Höhe der S., durch die rückwirkende Festigkeit des Materials, aus dem sie gearbeitet wird, endlich aber durch die ästhetische Auffassungsweise des Entwerfenden. Nur wenn alle diese HFaktoren gehörig u. auf streng logische Weise vereinigt in Aavwendung kommen, wird eine S. schön sein. — Aegypter, Ofündier, Tolteken und andere kulturbeginnende Völker oliothek Heidelberg DFC verwendeten ursprünglich Holz zu ihren Sen, u. zwar theils einzelne Stämme, theils mehrere dergleichen zusammengeschnürt. Das vielleicht hier u. da eintretende Ausbiegen dieser Stämme, sowie bei der später eintretenden Verwendung von Steinen, theils die Erinnerung an die bei jenem Ausbiegen entstandene Form, theils eine gewisse ängstliche Unterschätzung der rückwirkenden Festigkeit des Materials, theils endlich das ästhetische Gefühl brachten einerseits die Formen, anderseits die große Stärke der Sen dieser Völker hervor. So drückte sich in diesen Sen, zwar noch unentwickelt, aber ziemlich richtig, das Getragenwerden einer bedeutenden, von verschiedenen Seiten her horizontal aufgelegten, breiten Last durch eine aufrechtstehende Stütze aus, bes. im Schaft u. Kapitäl. Die Basis dagegen ist bei den meisten dieser Völker noch weniger ästhetisch durchgebildet. Bereits einen Schritt weiter gingen in Entwickelung der Holzformen die Assyrer u. Perser, in Entwickelung der auf Holzformen beruhenden Steinformen u. der originalen Steinformen die Pelasger, Phöniker und Azteken. Selbst bei den Griechen ging das Verständnis im Anfang nicht viel weiter als bei den letztgenannten Völkern (. d. Art. Dorisch). Erst bei der ionischen Ordnung finden wir in dem ausgebildeten attischen Säulenfuß die Vertheilung des durch die S. aufgefangenen und in ihr nach unten verpflanzten Druckes der Last auf eine breite Unterlagsfläche zum klaren und die Vermittelung befriedigend darstellenden Ausdruck gebracht, daher auch diese Form des Säulenfußes sich seitdem durch alle Stile hindurch fast stetig, ohne bedeutende Veränderungen erhielt. Das Zusammenfassen der Last am Oberende der S. u. das Herableiten des Druckes, welches bei den Aegyptern etc. durch Umschnürung des Halses und durch Bündelgestalt des Schaftes nur leise angedeutet war, findet sich schon bei den Assyrern durch Halsglieder und Kanälirungen deutlicher ausgedrückt; die abnehmende Stärke der S. zeugt für größeres Vertrauen infolge genauerer Kenntnis der rückwirkenden Festigkeit des Materials. Das Kapitäl entspricht schon bei der dorischen Säule seiner Bestimmung auch in der Form; s. d. Art. Kapitäl. In der korinthischen Ordnung vollendet sich die ästhetische Ausbildung der S. als Stütze einer horizontal aufliegenden Last; s. auch d. Art. Ablauf und Anlaus. Die Römer mißverstanden die Bestimmung der Sen anfangs gänzlich; s. d. Art. römischer Stil. Später gaben sie ihnen eine neue Bestimmung, ohne sie aber sofort derselben gemäß umzubilden. Doch versuchten sie dies wenigstens, wie u. A. aus dem Fig. 2364 dargestellten, an persische Vorbilder anknüpfenden Säulenfuß, aus mehrfachen versuchten Veränderungen an der Kapitälform u bes auch aus der total neuen Form der umwundenen Bundsäulen, colonnes accolées et annelées, die im 3. Jahrh. n. Chr. zuerst auftraten (s. Fig. 3079 u. 3080), hervorgeht. Freilich mißlangen diese Versuche, weil sie mehr auf Erhöhung des Prunkes als auf Darstellung der in den S.n wirksam zu denkenden Kräfte hinausgingen. Eine dieses Ziel im Auge behaltende Umbildung, angebahnt im altchristlichen Stil, wurde von Byzantinern, Ostgothen u. Longobarden etc. bedeutend gefördert, aber erst im romanischen Stil vollkommen durchgeführt. Das Kapitäl bekam einen Aufsatz, die Form dieses Aufsatzes u. des Kapitäls, bes.des letzteren, schwankte u. variirte viel (korinthisirende u. ionisirende Formen verschiedenster Art, Kelchkapitäl, Würfelkapitäl, Trapezkapitäl, Trichterkapitäl), ein Beweis einerseits für die Schwierigkeit der Aufgabe, anderseits für den Ernst, mit dem man an ihrer Lösung arbeitete. Die meisten unter den endlich siegenden Formen enisprachen dem Wesen einer zwar noch ziemlich breiten, aber nicht mehr horizontal in verschiedenen Richtungen vertheilten, sondern ziemlich vertikal abwärts wirkenden, nach einem Punkt (der Achse der S.) hinschiebenden Last, die der Vereinigung nichterst bedurfte, daher fallen die Kanälirungen weg; das Schrägankommen der Last wird durch die HEIDOELBERG O Universitats schräge Platte u. die Schräglinien am Schaft ausgedrückt; man kannte das Material besser: die Schäfte werden schwächer u. verlieren die Anschwellung, erhalten vielmehr an deren Stelle Binden; s. d. Art. Bindesäule, Bundsäule, gebundene S., Band X. 4., Binde etc. Man wußte, daß oben die Last nicht so bedeutend wirkt wie unten: die Verjüngung wurde ausgeprägter, der Bund unter der Mitte der Schafthöhe angebracht. Man erkannte die rückwirkende Festigkeit als eine aufwärts wirkende Kraft: die Basis wurde steiler. Man würdigte den Werth eines breiten Fundaments u. die Vertheilung des Druckes nach unten: Basis u. Postamentwürfel wurden breiter. Die in Falze eingesetzten Sen (s. ipfraposée) zeugen aber von noch nicht völlig wieder gewonnenem Verständnis der Säulenbestimmung. Das Streben nach reicher Dekorirung führte auch hier wieder auf Abwege, z. B. auf die Verzierung der Schäfte mit Zickzack, Spiralwindungen, Füllungen etc., neben der sachgemäßeren durch blos aufgelegte Ranken u. dgl. — Die Gothik verwendete die eigentliche S. höchst selten, meist den Pfeiler, mit Diensten besetzt, die aber, als der S. verwandi, auch säulenähnlich gestaltet wurden; da sie jedoch nur einen Theil der Last aufnahmen, nur nach einer Richtung hin thätig, sich an den Pfeiler anlehnten, brauchten sie nicht einmal die durch das Material vorgeschriebene Stärke zu haben. Kapitlil u. Fuß wurden ebenfalls dieser einseitigen Bestimmung gemäß gestaltet; vgl. d. Art. Bündelpfeiler, Dienst etc. — Die S.n der Renaissance sind zum größten Theil nach den römischen gebildet, die der Zopfzeit sind oft zu unsinnig, als daß man solche hier erwähnen sollte. Das falsche Verständnis der Säulenform, welches wir bei den Römern fanden, wurde in der Spätrenaissance noch weiter getrieben. Dieses führte zu einer Menge neuer, nicht bes erbaulicher Formen; die meisten derselben sind in d. Art. colonne und columna angeführt (s. auch d. Art. Kindersäule, Grottensäule); giebt es ja doch sogar sitzende Sen in der Barockzeit. — Die S. der Neuzeit (die gußeiserne S.) bedarf noch der Durchbildung; über die Form, die für das Kapitäl am richtigsten sein dürfte, s. unter Kapitäl; der Schaft sei verjüngt, doch nicht ausgebaucht (habe kein Adjektio od. Entasis, s.d. Art. Anschwellung). Die Basis sei hoch und unten weit ausladend, wesentlich aus hohlen, strebenden Gliedern profilirt. Steht sie unter Bogen, so sei der Schaft glatt; trägt sie Balken, so kann er kanälirt sein. In der Ornamentation hat man große Freiheit. Hölzerne Säulen, Ständer, Pfosten, franz. poteau, engl. post, macht man lieber eckig als rund. Die Ornamente dürfen nicht sehr viel Ausladung haben u. müssen sich ganz flach der Hauptform anschließen; auf das Kapitäl legt man am schicklichsten Trummhölzer auf. Gewundene, in Nischen freistehende, eingeblindete, Sbibliothek Heidelberg eingebundene Säulen, ebenso wie Halbs äulen, Dreiviertelsäulen, sind in sich selbstein Widerspruch; alle diese Rormen widersprechen der eigentlichen Bestimmung der S.n. Auch gekuppelte Sin wende man nur mit großer Vorsicht an, wie überhaupt alle Gruppen von mehreren Säulen; doch sind sie hier u. da am Platz. Eine S. als Träger einer ganz schmalen oder verhältnismäßig sehr geringen Last, z. B. einer Statue, darf durchaus nicht nach einer der antiken Säulenordnungen od. nach dem Vorbildeiner ein Gewölbe tragenden Säule etc. gestaltet werden; entweder erscheine sie, wenn sie von Metall ist, als durchbrochener Thurm, oder, dafern sie von Stein ist, erhalte sie eine sehr bedeutende Verjüngung u ein in seiner Hauptmasse sich nach oben zusammenziehendes, auf das Tragen schmaler Last durch breitere Stütze deutendes Kapitäl. Ueber die Säulenformation der einzelnen Stile s. d. betr. Art. und d. Art. Säulenordnung. Säulenbasilika, f., Basilika, deren Arkaden nur von Rundsäulen getragen werden; vergl. Pfeilerbasilika und Häulenbaum, m., zu Säulen gebrauchter starker Baum. Man unterscheidet (noch jetzt leider in altem Mäß), einfache im Durchmesser 16—18 Zoll stark u. 35—40 Ellen lang; doppelte, von 19—20 Zoll Durchmesser u. 40—45 Ellen Länge. Sünlenbündel, n., frz. Colonne f. fasciculée, s.d. Art. Bündelpfeiler und perche. sünlenföürmiger Vasalt, m., s. unter Basalt. Süulensuß, m., s. v. w. Base (s. d. 1.); s. auch die die Stile, Säulenordnungen etc. behandelnden Artikel. Säulengang, m., Säulenhalle, Säulenlaube, Kolonnade, porticus, portile ete,, Gang oder Gallerie, deren obere Bedeckung auf Säulen ruht, wurde von allen das Gewölbe nicht kennenden, besonders von den in warmen Gegenden wohnenden Völkern sehr häufig bei Tempeln, Marktplätzen, Bädern, Schauplätzen re., auch bei Häusern vornehmer Leute angewendet; sie haben entweder keine Wände od. es werden die Zwischenräume zwischen den Säulen mit Gitterod. Mauerwerk ausgefüllt, s. auch d. Art. Portikus, Halle, Arkade, Bogenlaube, Laube 2. etc. Sünlengrünstein, m. (Miner.), Diorit, wenn er in Säulen abgesondert erscheint. Säulentzals, m., engl. gorge, collier, gorge neck, der oben durch das Halsglied vom eigentlichen Schaft getrennte Theil des Schaftes, s. Hals und Hypotrachelium. trachelium etc. Säulenkopf, auch Säulenknauf, m, oVHνον, s. v. w. Kapitäl (f. d.). Sünlenkreuz, auch Stufenkreuz, Staffelkreuz, n.(Herald.), s. v. w. Absatzkreuz (s. d.). Sünlenkuppelung, Sänlenloppel, f., frz. paire de colonnes accouplées, ital. coppia de colonne, s. gekuppelte Säulen und Säule. Sünlenordnung, k., frz. ordre m. de colonnes, engl. order of columns, lat. ratio, genus columnarum. Während die Aegypter das Tragende noch nicht mit Bewußtsein in ein richtiger abgewogenes Verhältnis zum Getragenen zu bringen wußten u. daher ihren Säulen u. Gebälken noch keine stereotype Gestaltung gaben, war beides bei den Griechen mehr der Fall. Ein solches als Norm dienendes Formen⸗ u. Verhältnissystem nun nennt man eine S. Mit den verschiedenen Bauweisen, die die einzenen Perioden der griechischen Kunst charakterisiren, veränderte sich auch dieser Typus, u. so entstanden nach u. nach diedorische, ionische u korinthische Ordnung, die aber dann auchgleichzeitig neben einander bestanden (f. d. Art. Griechisch, Bei den verschiedenen Bauten wurde dieser Typus natürlich von einem so geistvollen Volk, wie die Griechen es wren, nicht sklavisch befolgt, sondern galteben alter erhielten die Säulen eine so manchfache Verwendung, standen in so häufig varitrendem Verhältnis zum Getragenen, daß bei dem lebhaften Bestreben diesem Verhältnis in jedem einzelnen Fall gewissermaßen individualisirend Ausdruck zu verleihen, von einer S. nicht die Rede sein konnte, an welche sich zu binden übrigens auch die Phantasie der mittelalterlichen Künstler viel zu lebendig war. In der Zeit der Renaissance (s. d.) suchte man unter dem Schutt der Vergessenheit u. A. auch die Regeln der Säulenordnungen wieder vor u. glaubte sich besonderes Verdienst zu erwerben, wenn man ihre Zahl vermehrte; so entstand die deutsche, französische etc. S.; s. d. betr. Art. sowie d. Art. Dorisch, Jonisch, Korinthisch, Säulen, Gebälke re. Sänleuschaft, w., franz. küt, tige, bronc, engl. fust, shaft, trunk, lat. scapus, mittlerer Theil einer Säule; s. d. Art. Schaft und Säule. Säulenspat, m. (Miner.), s. Barytspat. Süulenstein, m. (Miner.), s. Basalt. Süulenstellung, f. zu Tragung einer Last oder zu Einschließung eines Raumes angeordnete Verbindung von Säulen. fortlaufendes Postament unter einer Säulenstellung. Das Unterstellen einzelner Säulenstuhlwürfel unter die einzelnen Säulen datirt aus der Verfallzeit römischer Kunst. Säulenumgang, m., lat. ambitus, s. d. Art. Peristyl, Tempel, Kreuzgang. Säulenverdoppelung, f., Uebereinanderstellung von zwei, drei oder mehreren Reihen von Säulen. Wurde bei den Griechen nur im Innern der Gebäude angewendet. Die Römer weudeten sie hingegen am Aeußern von Prachtgebäuden, wie z. B. an Theatern, Grabmälern etc. an, aber nie an Tempeln. Bei Dekorirung mehrstöckiger Gebäude ist die S. nicht zu umgehen. BHäulenverjüngung, k. s. die die einzelnen Säulenordnungen betr. Art., sowie d. Art. Säule. Süulenvorhalle, k. s. d. Art. Prostylus. Süäulenweite, k. frz. entrecolonne, m., engl. inter-Columnation, Entfernung der Säulen von einander, gewöhnlich von Achse zu Achse gemessen. Vitruv unterscheidet fünf Arten. Pyknostylos, s. dichtsäulig; Systylos, s. nahsäulig, Diastylos (s. d.), Aräostylos (s. d.), Eustylos (s. d.). Säulholz, u., s. d. Art. Bauholz F. I. u. Saum, m. (Forml.), 1. frz. orle, m., s. v. w. Plättchen, s. d. Art. Bändchen; einetum, eimbia und Glied. — 2. (Herald.) f. v. w. innere Einfassung; s. Urobus. — 3. (Schiffb.) zum Einfassen der Segel dienendes Stück Tau. — 4. Bei zusammengeschmiedeten Eisenplatten die zusammengeschlagene Seite. — 5. s. d. Art. Mäß. süumen, trs. Z., frz. dresser sur la tranche, engl. to shoot the edgeof à board, die Kante von Bretern, welche noch die Rinde haben, nach einer geraden Linie bearbeiten; auch Bäume beschlagen oder vierkantig, viereckig sägen. Saumlade, f., franz. chanlatte, f., engl. chantlate, 1J. Bret oder Latte, am untern Ende der Sparren quer über dieselben genagelt, damit die Fußschicht, Traufschär, etwas flacher liegt als die anderen Dachziegel, u. dadurch sicherer an diefelben anschließt. — 2. Unterwärts quer an den Sparrenknopf genageltes oder zwischen die Sparren eingesetztes Bret, dann auch Staublade genannt. Saumlatte, k. 1. jede eine Fläche begrenzende Latte. — 2. (Mühlb.) Latte, die nach der Richtung der Ruthen den Windmühlenflügel begrenzt. — 3. s. v. w. Saumlade 1. Saumon, m., frz. (Hütt.), s. d. Art. Bleimulde, Block, Gans, Floß etc. Saumschicht, f. (Dachd.), s. v. w. Traufschär; s. d. Art. Dachdeckung I. 1. thek Heidelberg DFC