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BaukunstBau-Lexikon 1881

Schwibbogen, Schwiebbogen, Schwebebogen etc., m. (Forml.), 1. im weitern Sinn, franz. arc, Arcade, engl. pierarch, lat. arcellus, überhaupt jeder Bogen, worunter man hindurchgehen kann, bes. aber 2. im engeren Sinn, auch Strebebogen, schwebende od. fliegende Strebe, franz. aré boutant, engl. flying buttress. Noch in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts findet sichnirgends eine Spur von Strebebögen. Man fing den Seitenschub der Hauptschiffwölbung durch die Halbtonnengewölbe der Seitenschiffe auf. Erst in derzweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts kam man auf die Idee, diese Halbtonnengewölbe zwischen den Widerlagspunkten der Hauptschiffwölbungen herauszuschneiden. Eins derältesten Beispiele mögen die Strebe-d IOTHEK bögen an der Kirche St. Remy zu Rheims, um 1180, u. an tNotre Dame zu Paris, um 1200 (Fig. 1760), sein, dann folgen die Kathedralen von Soissons u. Amiens, um 1230. „Seine Vollendung fand dies romanische Strebebogensystem „in dem doppelten, aber durch eine Arkadenreihe zu einem vereinigten Strebebogen der Kathedrale zu Chartres, um 1220 (f. Fig. 3005 im Art. Romanisch), der oberste einzelne Bogen entspricht der Scheitelhöhe der Joche und dient zugleich als Strebe gegen den Seitenschub des Dachstuhls. Während des Emporblühens des gothischen Stils gelangte das Strebepfeilersystem zu einer hohen Ausbildung. Der nächste Schritt zeigt zwei gleiche od. doch fast gleiche Strebebögen, von denen der untere am Widerlager, der obere am Scheitel des Mittelschiffgewölbes sich anlegt, s. z. B. in Fig. 3166 die etwa aus der Zeit von 1240 stammenden Strebebögen von der Kathedrale zu Rheims; am Kölner Dom, um 1250 (s. Fig. 1952), und an dem von 1260 bis 1288 erbauten Chor der Kathedrale zu Amiens (Fig. 3168) ist das System schon vollständig ausgebildet. Die Anordnung bei fünfschiffigen Kirchen möge Fig. 3167, von der 1318 begonnenen Kirche St. Ouen in Rouen, veranschaulichen. Weiteres s. in den Art. Gothisch, Französisch-Gothisch etc. — 3. Provinziell s. v w. überbaute Gruft; s. d. Art. Grabmal A. 3.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 180Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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