FeedWetterfahne
TechnikBau-Lexikon 1881

Wetterfahne, Windfahne, Dachfahne, Drehfahne, f., frz. flouette, vire-vire, girouette, altfranz. bainiere, engl. wheater-flag, fane, vane, ital. ventarola, lat. ventilogium, vana, auf Thurmspitzen u. Dachfirsten aufgesetzte kleine Metallfahne zu Beobachtung des Windes. Die ältesten sind aus Blei, die späteren meist aus Eisen verfertigt. Sie kommen im Mittelalter schon sehr frühzeitig vor. Bei ihrer Konstruktion muß man hauptsächlich darauf bedacht sein, daß die Spindel genau lothrecht stehe; auf diese Spindel ward früher meist die Fahne nur mittels zweier Ringe aufgesteckt, die sich am obern u. untern Ende des Fahnenblatts durch Umbiegung des einfassenden Drahts oder Bandeisens bildeten u. auf zwei entsprechende, an der Spindel festgemachte Ringe aufsetzten; oft auch saß nur der eine der Fahnenblattringe auf einem solchen festen Ring auf. Das Fahnenblatt selbst hatte meist die Gestalt eines Flügels, franz. Hlouet, s. Fig. 3533, also nur an der einen Seite der Fahne einen Lappen; oder es hatte die Gestalt eines Hahnes, eines schwebenden Engels, eines laufenden Rosses, fliegenden Drachens u. dgl., wobei die große Hälfte als eigentliches Fahnenblatt auf die eine 4 Seite genommen werden mußte, um ein Treiben durch dend Wind zu ermöglichen; dabei war eben so wenig als bei dem blos einseitigen Blatt an Gleichgewicht zu denken und die „Ringe würgten also an der Spindel, indem der obere ean der vom Blatt abgekehrten, der untere an der dem Blatt zugekehrten Seite an der Spindel rieb. Erst vom 14. Jahrh. an erhielten die Win allgemeiner die Gestalt „einer Rennfahne und zugleich ein Gegengewicht. Die vielfachen vergeblichen Versuche zu Verminderung der Reibung, welche nun gemacht wurden, zu schildern, wäre unnüt. Hier seien nur zwei der nenesten und besten Konstruktionsweisen erwähnt. Bei beiden ist auf die Spindel „statt einzelner Ringe eine Röhre aufgesteckt, an welcher das Blatt befestigt ist. Die eine Fläche dieses Blattes sei, damit sie der Wind fassen kann, größer als die andere, welche aber genau dasfelbe Gewicht haben muß, da sonst die Reibung zu groß wird. Nach Fig. 3534, seit 1848 befreits von O. Mothes angewendet, ist die Röhre oben etwas enger wie unten. Der abgebrochene, unten etwas ausgehöhlte Glasstöpsel a einer Karaffe wird in der Röhre mittels eines Holzes festgestampft. Außen wird auf die Röhre von oben das aus Rundeisen, schwachem Quadrateisen oder Bandeisen gefertigte Gestell der Fahne (g) aufgetrieben, bis die zwei Ringe o und e desselben festsitzen. Dann kann man die Ornamente h und die Spitze e an den Obertheil der Röhre befestigen; nun hängt man die Fahne bei e auf und hängt dann bei k irgend welche Gewichte so lange an, bis die Röhre genau lothrecht hängt. Dadurch ermittelt man, wie viel Blei oder besser noch Bronze man zu der Kugel k verwenden muß, die man am liebsten mittels einer Schraube auf das Rundeisen aufbringt, weil man durch das Drehen dann den Hebelarm verkürzen oder verlängern und so das Gleichgewicht ganz genau herstellen kann. Die Spindel selbst wird oben verstählt und kolbig gearbeitet (sbei b), damit der Stöpsel a nicht zersprengt werden kann. An dem untern Ende der Röhre ist ein Schirmdächlein i angebracht, um das Eindringen von Schlagregen u. damit das Einrosten zu verhindern. Der Ansatz d dient zum Einschlagen der Spindel mittels aufgelegten Ringes, dafern die Spindel nicht mittels einer Gabel an die Helmstange befestigt wird. Fig. 3535 ist um 1875 von W. Engels in ö die Hülse eylindrisch u in ö greift, was ein Ausheben bei Wirbelwind verhindert. Die Gestalt des Fahnenblattes u. der Verzierungen richtet sich natürlich nach dem Stil des Gebäudes. Unter der W. kann man ein liegendes Kreuz mit den Zeichen der Haupthimmelsgegenden anbringen, was aber genau orientirt sein muß; s. d. Art. Anemoskop und Fahne.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 476Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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