FeedArchimedische Schraube
TechnikBrockhaus 1882

Archimedische Schraube, Wasserschraube oder Wa sserschnecke (frz. vis d'Archimède, engl. Archimedian screw), eine Schraube ohne Ende mit festgelagerter Spindel, die mit ihren Gängen in ein Schraubenrad eingreift, heißt eine von Archimedes erfundene Wasserhebemaschine, welche vor den Pumpen den Vorzug He daß sie einfach in der Konstruktion ist und keine beweglichen Teile enthält, welche in Unordnung kommen und den Dienst versagen können, weshalb sie auch bei schlammigem Wasser gute Wirkung thut. Sie gewährt zwar im Verhältnis zu der für ihren Betrieb nötigen Kraft eine genügende Leistung, eignet sich aber nicht zJum Heben des Wassers auf beträchtliche Höhen. Wegen der Leichtigkeit, womit sie transportiert und überall aufgestellt werden kann, bedient man sich ihrer häufig zum Ausschöpfen des Wassers aus Baugruben, zum Wegheben desselben von überschwemmten Grundstücken über niedrige Dämme u. s. w. Die jetzigen Wasserschrauben bestehen (wie die vorstehende Abbildung zeigt) aus einer Spindel, an welcher sich Schraubenflächen 2— ängend so herumwinden, daß hierdurch ein schraubenförmiger, unten und oben offener Kanal gebildet wird. Letzterer wird von einem cylindrischen oder tonnenartigen Mantel umschlossen. Die Schraube, deren Länge 3,80 bis 6,50 m beträgt, wird 203 liegend so angebracht, daß das untere Ende ins Wasser taucht, das obere hingegen sich dort befindet, wo das Wasser ausgegossen werden soll, dann mittels einer Kurbel am obern Ende der Spindel (bei lange dauerndem Gebrauche, wie z. B. in Holland, durch die Kraft eines Windrades) umgedreht. Hierdurch erhebt sich das Wasser, welches unten eintritt, durch die Windungen des Kanals bis zur obern Mündung und fließt aus dieser in einem beständigen Strome ab. Auf demselben Prinzipe beruht auch die Schiffsschraube (s. Propellerschraube). Archipélägus oder Archipel Ranß un in der geogr. Kunstsprache eine größere Anzahl nahe beieinanderliegender und ein zusammengehöriges System bildender Inseln, Inselgruppen und —— ketten. Die gleiche Bodengestaltung und Gebirgsstruktur, die Verwandtschaft der Fauna und Flora, welche stets alle zu einem Archipel gehörigen Inseln untereinander und mit benachbarten Kontinenten zeigen, deuten darauf hin, daß die Archipele durch neptunische und plutonische Gewalten gleichsam zertrümmerte Teile eines Kontinents oder dterschei insularer Landerhebungen sind. Man unterscheidet daher zwischen kontinentalen und pelagischen Archipelen. Zu letzterer Form, welche meist nur im Großen Ocean auftritt, gehört nach der Bezeichnung unserer Karten der Lord-Mulgrave's-Archipel (Mar-Mar und Gilbert-Inseln), der Mendanas-Archipel Marquesasinseln), der Tonga-oder Freundschafts-Archipel, der Hawai-Archipel (Sandwichinseln) u. s. w. Kontinentale aebgen meist in der Nähe — 11+. Küsten gelegen, oder brückenartige, große Wasserbecken umschließende Verbindungsglieder zwischen größern kontinentalen Massen bildend, sind der Archipel de los Chonos ünche in anderder Patagonische Archipel, der Arktische im äußersten Norden Amerikas u. s. w. Vor allem aber sind der Columbische Archipel oder die Antillen (s. d.), der Indische Archipel (s. d.) und der Griechische Archipel zu nennen. Der Griechische Archipel erfüllt den nordöstl. Teil des Mittelländischen Meers, zwischen den Küsten Rumeliens (Thraziens) im N., Kleinasiens im O., Macedoniens und Griechenlands im W., und erhält durch das in langer Linie zwischen Dakonien und Rhodus sich ausdehnende Kreta seinen Abschluß auf der Südseite gegen das von W. nach O. si ausbreitende, inselfreie südöstl. Becken des Mittelmeers. Die gesamten Inseln des A., welche sich deutlich als insulare Fortsetzungen der oft weit in das Meer hervorspringenden Gebirgsketten Kleinasiens und der griech Halbinsel erkennen lassen, zerfallen in mehrere größere Gruppen oder Reihen. Zu Thrazien Thasos die südlich seiner Küste gelegenen Inseln das weiter abliegende Stalimene (Lemnos) nebst Aistrati. Die Auße Teil sehr im Tauri⸗ en Inseln der kleinasiat. Küste gehören zum Taurussystem, wie Tenedos, Mytilene, Chios, Ipsara, Samos, die Sporaden (s. d) und Rhodus. Letzteres, die südwestl. Fortsetzung Kleinasiens, beginnt die Inselreihe, welche in einem weiten Bogen das Becken des A. gegen S. hin abschließt und in dem massigen Kreta, das nach O. durch Skarpanto und Kasos nach Rhodus, nach W. zu über Cerigotto und Cerigo nach dem Peloponnes überleitet, ihren Mittelpunkt hat. Weitere Gliederungen des Festlandes von Hellas, zu welchem das unmittelbar anliegende Euböa gehört, bilden die sog. Nördlichen Sporaden und die Gruppe von Skyros, in nordöstl. Richtung nach dem Thrazischen Chersones hinübergreifend, sowie die zahlreichen Cykladen (s. d.), die in zwei oder drei nach O. gerichteten Hauptzügen vom Kap Colonna Sunium) in Attika und von Euböa aus sich fast is nach Karien erstrecken. Durch diese verschiedenen, das Meer durchsetzenden Dus elketten wird dasselbe in mehrere natürliche Becken geschieden. Der nördl. und mittlere Teil führte bei den Alten den Namen Agäisches Meer (s. d.), womit man jetzt die esamten Gewässer des A. zu bezeichnen pflegt. Der üdöstl. Teil war das Ikarische, der südwestliche zwischen den Cykladen und dem Peloponnes das yrtoische und das Becken zwischen Cykladen und Kreta das wel in d Meer. Wie der ganze Griechische Archipel in Beschaffenheit des Bodens, in der Tier⸗ und Pflanzenwelt den Charakter der benachbarten Kontinente trägt, so waren auch von jeher die Geschicke der einzelnen Inseln und Gruppen an die Griechenlands und Kleinasiens geknüpft. Von 475 v. Chr. bis zur Schlacht bei Agospotamoi (405) von dem seebeherrschenden Athen, später von Sparta, seit 376 v. Chr. wieder von Athen 2n Riagig, wurden sie nach der Schlacht bei Chäronea Macedonien einverleibt und kamen mit Griechenland und den Staaten der Diadochen später unter die Herrschaft der Römer. Nach der Teilung des Römischen Reichs 395 n. Chr. blieb der A. den Kaisern von Byzanz bis zum Lateinischen Kreuzzuge. Der Venetianer Marco Sanudo eroberte 1207 die Inseln Naxos, Paros, Antiparos, Santorin, Anaphi, Argentiera, Milo, Siphno, Polikandro u. a. und nahm, seit 1210 Vasall des lateinischen Kaisertums (Romanien) von Konstantinopel, den Titel eines Herzogs von Dodekannesos oder vom A. an. Seine Nachkommen herrschten als Herzoge von Naxos bis 1383 über die meisten der genannten Inseln; seiner Dynastie folgte die des Hauses Crispo (seit 1383), indem damals der mit diesem Hause verschwägerte Lombarde Francesco Crispo, Dynast von Milos, die Herrschaft in offenem Aufstand an sich riß. Die neue Dynastie behielt ihre Inseln, bis durch Sultan Selim II. 1566 der letzte Herzog, Jacopo IV. Crispo gefangen gesetzt und die Inseln dem jüd. Bankier des Sultans, Juan Miquez verliehen wurden, der nun als Don Jos 19 Nasiy Herzog von Naxos und den Cykladen ward. Als dieser neue Herzog 2. Aug. 1579 starb, wurden die Inseln unter sehr milden Formen unmittelbar mit dem Osmanischen Reiche vereinigt. Bei diesem verblieb der A. bis zur Begründung des Königreichs Griechenland, an welches die Cykladen, die Nördlichen Sporaden und Skyros abgetreten wurden. Der Griechische Archipel heißt auch ohne weiteres der Archipelagusv. Dieser Name tritt mit der Begründung der venet. Herrschaft in den griech. Gewässern auf und ist bei den Griechen selbst nicht in Gebrauch. Er wird als eine Verstümmelung von Aegaeum Pelagus (Agäisches Meer) angesehen. Der türk. Name ist Ak-Deniz (Weißes Meer).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 852Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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