FeedGhazzali
ReligionBrockhaus 1882

Ghazzali bmte Hämid Muhammed el-Ghazzäli al-Tusi), berühmter arab. Theolog und Philosoph, wurde 450 oder 451 der Hedschra (1058 oder 1059 n. Chr.) bei Tus in Chorasan geboren. Nachdem er seine Studien in Nisapur vollendet hatte, wirkte er von 484 an als Lehrer in Bagdad, gab aber 488 dieses Lehramt auf, um die Pilgerreise nach Mekka zu unternehmen. Von Mekka ging er nach Damascus, Jerusalem und Alexandria, kehrte dann nach Tus zurück, wo er 505 der Hedschra (1111—12 n. Chr.) starb. Von seinen zahlreichen Werken sind nur wenige im Druck erschienen, wie die ethische Abhand ung «O Kindo, herausg. von Hammer-Purgstall (Wien 1838) und die im höchsten Grade interessante und an die Eschatologie des Koran eng sich tanschließende Abhandlun betitelt: Ad-durra alfächiras („Die kostbare Perley) in arab. Text mit vorzüglicher franz. Übersetzung herausg. von Luc. Gautier (Genf 1878). Gosche gibt in seiner Schrift „lüber G.s Leben und Werke (Berl. 1858) ein „reichhaltiges Verzeichnis derselben. Das bedeu⸗ „tendste und ausgedehnteste ist das sog. Ihjà elzulamo (4Die Wiederbelebung der Wissenschaftenv), das in Bulak 1278 der Hedschra (1861—62 n. Chr.) in 4 Foliobänden erschienen ist, ein roßartig angelegtes System der mohammed. Dogmatik im Sinne des Sufismus. In diesen wie in andern Werken zeigt sich G. als ein tiefer und scharfer sysematischer Denker, welcher über die meisten andern Sufi, soweit die Schriften derselben bekannt sind, weit hervorragt. Während bei diesen das ethische Moment der Religion sich vollkommen vernachdruc wird es bei G. allenthalben scharf und nachdrücklich betont und in den Vordergrund gestellt, überall sucht er die Mystik mit den Lehren des Islam in Einklang zu bringen und diesen durch jene einen spekulativen Gehalt abzugewinnen und zu neuem, frischem Leben zu verhelfen. (Vgl. A. Schmölders, Essai sur les écoles philosophiques chez les Arabes et notamment sur la doctrine d'al-G.v, Par. 1842; Munk, „Mélanges de philosophie juivé et arabes, Par. 1859.) G. wird als eine Säule des Islam angesehen er genoß ein so großes Ansehen als ihm den wie als Philosoph und Jurist, daß man ihm den ehrenden Beinamen Hudsch-dschat el-islämo (Beweis des Islam) gab, und seine Schriften werden noch heute berall Nai gelesen. Über G.s Bedeutung als Theolog und Philosoph vgl. Munk, «Dictionnaire des sciences philosophiqueso (Bd. 2, Par. 1852); Ritter, Geschichte der Philosophies (Tl. 8, Gött. 1845). der belg. Provinz Antwerpen, liegt an der Großen Nethe, 40 km ostsudöstlich von Antwerpen an der Linie Antwerpen-Roermonde der belg. Centralbahn, hat zwei große got. Kirchen (eine davon der heil. Dymphna l. Fabnt ein Gymnasium, eine große Holschuder t, Fabrikation von Leder, Tuch, Spitzen, Holzschuhen und Wachslichten und zählt 10559 E. Die unter der Verwaltung des Staates stehende „Irrenkolonies von G. soll der Legende nach mit der von Vaters Hand vollbrachten Ermordun der im 6. oder 7. Jahrh. zum Christentum belehrten irischen Königstochter Dymphna zusammenhängen, an deren Grabe dann (durch den Exorzismus der Priester) viele Irre Heilung gefunden hätten. Die Geisteskranken, deren Zahl über 1600 beträgt, sind zum weitaus größten Teil gegen eine staatlich festgestellte Entschädi ung untergebracht bei den Einwohnern des Dorses G. selbst, sowie der umgebenden Ortschaften und Gehöfte, wo sie mit und in den Familien ihrer —7 arbeiten und wie Familienangehörige behandelt werden. Im engern orfe G. befinden sich etwa 500, die am leichtesten zu behandelnden. Die am schwersten zu überwachenden und zu disciplinierenden Aufgeregten sind in der großen drei Viertelstunden entfernten Heide von Winkelom, in kleinen voneinander entfernten Farmen (gleichsam Isolierhäusern) untergebracht. Man bezeichnet diese Art und Weise der (cfamiliaei stärkerer Erregung mit gefährlichem Charakter, bei dem Hervortreten von Symptomen, die eine anhaltende ärztliche Behandlung notwendig machen, werden die Irren vorübergehend in der Infirmerie o untergebracht, einer geschlossenen, spezifischer Einrichtungen entbehrenden Irrenanstalt im Orte G. selbst. Das Gebiet der Irrenkolonie t ungefähr 37 km im Umfang und — in drei ektionen eingeteilt. Die ärztliche Oberleitung übt ein «Médecin- inspecteuro aus, welchem drei Sektionsärzte, eine Anzahl Irrenaufseher u. s. w. untergeordnet sind. G. hat sich im Laufe von a und unter twiadlt günstiger örticher Verhältnisse zu dem entwickelt, was es gegenwärtig in Beziehung auf Irrenpflege ist; es ist demgemäß unmöglich, dieselben Einrichtungen an beliebigen andern Orten plötzlich ins Leben zu rufen, weshalb es bis jetzt eine wirkliche Nachahmung nicht gefunden hat. Vgl. Parigot, «Thérapeutique naturelle de la folie. L'air libre et la vie de famille dans la commune de G. (Brüssel w1852); J. Duval, 4G. Une colonie d'aliénés vivant en famille et en libertés (Par. 1860); Brandes, „Die Irrenkolonien» (Hannov. 1865); Rüedy, „G. Beitrag zur Geschichte der praktischen Psychiatries (Bern 1874); Peeters, Loi et réglements sur les établissements d'aliénés et la colonie de G.v 1800 in Venedig, studierte 1817—19 in Padua Mathematik und trat dann in die Wasser⸗ und Straßenbauinspektion in Venedig. Er war bei Ausführung der Gebirgsstraße in der Provinz Belluno thätig, leitete 1824—30 eine Straßen⸗ und hydraulische Abteilung in der Provinz Treviso, ward 1830—33 Delegationsingenieur in Rovigo und 1833—36 Amtsingenieur bei der hydraulischen Abteilung der Landesbaudirektion in Venedig. Hierauf war er bei der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn und 1840—42 in Tirol beschäftigt. Nachdem G. eine Studienreise in den Vereinigten Staaten von Amerika gemacht, entwarf er den Plan zur Semmeringbahn. Er wurde 1849 Vorstand der Centraldirektion Kel Staatseisenbahnbauten in Wien und starb daselst 14. März 1860. G. schrieb eine «Ubersicht über die Hauptfortschritte des Eisenbahnwesens 1840—50 (3. Aufl., Wien 1853) und erfand eine verbesserte Nivellierlatte, sowie einen Oktanten mit Nonius zur Aussteckung von Kurven.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 10Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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