Giesecke, verdiente Schriftgießer⸗ und Buchdruckerfamilie in Leipzig. Der Name G. trat zuerst 1819 in die Offentlichkeit, als Johann Gottfried Schelter (geb. 24. Juni 1786) und Christian Friedr. Giesecke (geb. 31. März 1793) eine Schriftgießerei unter der Firma J. G. Schelter & Giesecke errichteten; 1839 trat Schelter aus der Firma, welche G. allein fortführte. Die erste Gießmaschine wurde 1845 aufgestellt. Nach Christian Friedrich G.s Tode (12. Juli 1850) ging das Geschäft an die beiden Söhne Karl Wilhelm Ferdinand G. (geb. 7. April 1817) und Bernhard Rudolf G. (geb. 23. Nov. 1826) Über, welche dasselbe mächtig hoben; die Zahl der Gießmaschinen wuchs 1010 50 heran; 1870 wurde der Dampfbetrieb für dieselben eingeführt. Im J. 1876 übernahm der Sohn Bernhards, Georg G. (geb. 9. Febr. 1853), welcher in Amerika technische Kenntnisse gesammelt hatte, die technische Leitung und begann sofort dasselbe nach amerik. System zu reformieren. In der Zeit von drei Jahren wurden 32 Gießmaschinen amerik. Konstruktion in der eigenen Fabrik gebaut, für welche die Matrizen Ibeßtt neu hergestellt werden mußten. Die Anstalt besitzt 160000 Matrizen, 15500 Stahlstempel und eine Maschinenfabrik, welche alle Utensilien für Buchdrucker und Schriftgießer liefert. Die neuesten Produkte ihrer Thätigkeit werden in einem eigenen periodischen Organ: Typographische Mitteilungens, veröffentlicht. Hermann G., geb. 9. April 1831, dritter Sohn des Mitbegründers der Schriftgießerei Schelter & Giesecke, lernte die Buchdruckerei und den Buchhandel bei B. Tauchnitz und verband sich, nachdem er sich auf Reisen ausgebildet hatte, 1. Juni 1852 mit Alfons Devrient, geb. 21. Jan. 1821, welcher die Buchdruckerei bei Nies in Leipzig erlernt und sich in der Imprimerie royale in Paris ausgebildet hatte. Die Firma Giesecke & Devrient erwarb sich bald durch ihre geschmackvollen Arbeiten einen guten Ruf und erweiterte sich, nachdem 1857 ein eigenes Gebäude für das . errichtet worden war, zu einem Institut, welches alle graphischen Fächer vereinigt; es besitzt neben einem entsprechenden Material an Schriften, Steinen und Platten 26 Schnellpressen, 52 Handpressen, 56 Hilfsmaschinen und beschäftigt 400 Personen; auch eine Verlagshandlung ist damit verbunden. Die hervorragendsten Leistungen sind die Reproduktion von Tischendorfs 4Codex Sinaiticuso und des „Papyrus Ebers » in Lithographie, außerdem lieferte die Abteilung für Wertpapiere eine bedeutende Anzahl solcher für Regierungen, Behörden und Aktieninstitute, die kartographische Abteilung topographische und geologische Spezialkarten für Sachsen, Baden, Belgien u. s. w. Nach Devrients Tode (21. April 1878) übernahm Hermann G. das Geschäft anfangs allein; vom 1. Jan. 1879 führt er es mit seinem Bruder Dr. Brund G., geb. 14. Sept. 1835, der schon von 1867 bis 1877 der Anstalt als Teilhaber angehörte, und seinem Sohne Raimund G., geb. 15. Jan. 1856, fort.